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Ärzte Zeitung, 22.11.2012

Organspende

DSO vertagt den Umbruch

Der Transplantationsskandal an den Unis in Göttingen und Regensburg hat auch der DSO heftig zugesetzt. Ein Befreiungsschlag ist die Jahrestagung nicht.

Von Anno Fricke

 DSO vertagt den Umbruch

DSO in Frankfurt: Quo vadis?

© DSO

BERLIN. Ein radikaler Umbruch bei der Gewinnung und Zuteilung von Spenderorganen in Deutschland zeichnet sich nicht ab. Allerdings wird die Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) neu aufgestellt - so die Erkenntnis von der Jahrestagung der DSO in Berlin.

Bund und Länder würden die private Einrichtung durch einen Sitz im Stiftungsrat künftig stärker kontrollieren, kündigte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) an.

Um Manipulationen künftig auszuschließen, habe die Selbstverwaltung das Mehraugenprinzip und interdisziplinäre Transplantationskonferenzen in den Kliniken eingeführt, sagte BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery.

Die Art der Verteilung vor allem von Lebern in Deutschland ist seit Monaten umstritten. Unregelmäßigkeiten bei der Zuteilung von Spenderorganen oder der Verdacht darauf sind bislang von den Transplantationszentren Regensburg, Göttingen und dem Klinikum rechts der Isar in München bekannt geworden.

Gesundheitsminister Bahr sprach vor den DSO-Vertretern von "krimineller Energie". In der Folge der Vorfälle haben sich die Spenderzahlen bis September nahezu halbiert. Und das von einem im Vergleich mit Ländern wie Spanien ohnehin nicht allzu hohen Niveau.

Abhilfe solle das novellierte Transplantationsgesetz schaffen, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Die Kassen müssen spätestens ab Herbst 2013 ihre Versicherten in Zweijahresabständen über die Organspende informieren, um ihnen eine Entscheidung pro oder kontra Spende zu erleichtern.

Probleme mit der Finanzierung

Minister Bahr ermahnte die Kliniken und Kassen, an Krankenhäusern mit Intensivstationen schnell Transplantationsbeauftragte einzusetzen. Die sollen mögliche Spender für die Hirntod-Diagnostik identifizieren und die Spende mit den Angehörigen abklären.

Das sei keine "Alibiveranstaltung, sondern Wille des Gesetzgebers", sagte Bahr mit einem warnenden Unterton in Richtung der anwesenden Vertreter der Kassen und der Krankenhäuser. Die Transplantationsbeauftragten gelten hier als Kostenfaktoren.

Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), klagte, dass die Kassen in den Verhandlungen über die Finanzierung der Transplantationsbeauftragten für die 1300 Entnahmekliniken lediglich zwei Millionen Euro im Jahr angeboten hätten.

Die organisatorische Einbindung der Transplantationsbeauftragten in die Klinikabläufe sei entscheidend, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Frank Ulrich Montgomery. Es gelte schnell die Finanzierung dieser Stellen sicherzustellen, forderte der BÄK-Chef die Kassen zum Handeln auf.

Die Verteilung übernimmt die in den Niederlanden ansässige Organisation Eurotransplant. Sie regelt die Verteilung von Organen in den acht Mitgliedsländern, zu denen ab 2013 auch Ungarn gehören soll. Allerdings setzen die Eurotransplant-Länder unterschiedliche Akzente.

Österreich, Slowenien und Kroatien bedienten sich bei Lebertransplantationen eines Allokationsmodells, in dem die Transplantationszentren mehr Einfluss haben als in Deutschland und den Beneluxstaaten, berichtete Axel Rahmel, der ärztliche Direktor von Eurotransplant.

Dort spielt zunächst der MELD-Score, ein Gradmesser für die Schwere einer Lebererkrankung, eine größere Rolle bei der Verteilung von Spenderorganen.

Der Chef der Barmer GEK, Dr. Wilfried Straub, erneuerte anlässlich der Tagung seine Forderung nach einer drastischen Reduzierung von Transplantationszentren in Deutschland.

Nachfolge von Kirste unklar

"Warum 44 Zentren, wenn 20 ausreichen", sagte Straub. Er bemängelte, dass je nach Organ bis zu 20 Prozent der Zentren die vom GBA vorgegebenen Mindestmengen nicht erreichten. Die DSO gibt die Zahl der Zentren mit 47 an.

Bei der Tagung wurden Änderungen der Verteilungssystematik zumindest bei der besonders sensiblen Zuteilung von Lebern nur indirekt angesprochen. Ebenfalls indirekt, aber dringend, ist auch das Thema der Nachfolgeregelung des ärztlichen Direktors der DSO, Professor Günter Kirste.

Er scheidet zum 1. Februar 2013 aus. Nachdem Bahr den Münchner Transplantationsmediziner Helmut Arbogast abgelehnt hatte und Eurotransplant-Chef Axel Rahmel den Job abgelehnt hat, geht man in DSO-Kreisen von einer Interimslösung aus.

Zum Start der DSO-Tagung wurde bekannt, dass der seit Augustbeurlaubte Direktor der Chirurgischen Klinik der Uniklinik Regensburg, Professor Hans Schlitt, nach Beschluss des Vorstands und Aufsichtsrats ab sofort seine Arbeit wieder aufnehmen kann.

Grundlage sei ein Rechtsgutachten, teilte die Kliniksprecherin Susanne Körber mit. Schlitt war von 2003 bis 2008 der Vorgesetzte des Transplantationschirurgen Aiman O. gewesen, ehe dieser nach Göttingen wechselte.

Der damalige Oberarzt steht im Verdacht, während seiner Tätigkeit in Regensburg in 43 Fällen Patientendaten manipuliert zu haben, um ihnen bevorzugt zu einer Spenderleber zu verhelfen.

[23.11.2012, 16:46:56]
Dr. Bernhard Pallmann 
Umbruch vertagt? No. Sofortmassnahmen + akute Verbrechensbekaempfung sind angesagt!
Erneut sehr richtig, beide Drs. Wuerz und Schaetzler! Danke! Es braucht erstmal keinen einzigen Cent, keinen "Politiker", kein Gesetz und keinen "Transplantationsbeauftragten". Es braucht schlichtweg sofort saftige Strafen - und zwar im polizeilichen Erstzugriff! + totale Oeffentlichkeit - dass sich jeder bei der DSO, jeder lokale Organhaendler mit "Prof."Dr.med" oder ohne und alles "Personal" schlichtweg 10x uberlegt, ob "man" sich bestechen laesst und an "sowas" beteiligt - oder nicht. Nur darum geht es. Abschreckung. Leider. Soweit sind wir jetzt. Nur darum. Sonst vertraut euch kein einziger Spender mehr! Ich habs eh schon aufgegeben.

Niemand kann der Oeffentlichkeit erzaehlen, es braeuchte in Deutschland after 1945 wieder einmal erst "gesetzliche Regelungen", wann jemand soweit ist, dass diese Person grundsaetzlich als Organspender in Frage kaeme - oder nicht, und zwar unabhaengig davon, ob diese Bereitschaft schriftlich vorliegt oder nicht. Das ist dann die 2. Sache. Jus ist aber hier nicht entscheidend, ja, dies gehoert endlich mal in D sauber geregelt, meinetwegen dann ueberwacht durch internatl. Anti-Kooruptions-Stellen, aber - Ethik und Moral, vor allem die sog. aerztliche, ist eine ganz andere. Welcher Richter koennte schon ein EEG beurteilen? Kein einziger! Da furtzeln dann wieder "Gutachter" ewig bei jedem Einzelfall als Schlechtachter rum - und die wartenden Empfanger sterben weg wie die Fliegen, waehrend sich die windigen Verbrecher-Docs und ihre Organisiert-Kriminelle Truppe ins unerreichbare Ausland (kann im Augenblick auch noch das CSU-Bayern sein) absetzen. Wie gehabt. Im Koefferchen brav eingepackt: einige Organe und viel wertvolles Know-How!. Halten uns bloss nicht fuer oberdoof! Es ist schon schlimm, dass man hier ausfallend polemisieren muss, um zu sagen, was "Sache" ist. Alle serioes arbeitenden Zentren stehen jetzt wegen dieser namentlich bekanntern Banditen unter Generalverdacht. Das ist DIE Katastrophe! Bernhard Pallmann & friends, Anti-Korruoption  zum Beitrag »
[23.11.2012, 14:28:30]
Dr. Carsten Würz 
Unglaubwürdig!
Als Transplantationsbeauftragter in einer Klinik kann ich mich noch so um eine Zustimmung zur Organspende bemühen, die Skandale machen mich unglaubwürdig. Wie soll man denn da noch argumentieren!? Da braucht die Politik, egal welcher Coleure, nicht die Kliniken mit ihren Trans-plantationsbeauftragten in die Pflicht nehmen! Die Damen und Herren Politiker sollten erst einmal ihre Hausaufgaben machen und ein geeignetes Gesetz zur Organspende verabschieden. Denn auch das neue Gesetz ist viel zu kurz gesprungen. Aber auch die Kassen wollen alles für ihre Patienten, es darf bloss nichts kosten. Jeder Transplantations-beaufragte soll doch stolz auf das "Ehrenamt" sein! Wozu denn die Arbeit vergüten!?
Und die DSO? Die erscheint mir in ihrer aktuellen Organisationsform mit
allem überfordert. Durch die Skandale hat ihr Image quasi einen Totalschaden erlitten. Nur mit einer Neuorganisation der DSO kann Vertrauen nach und nach bei der Bevölkerung, aber auch bei den Ärzten, die sich für die Organspende engagieren, zurück gewonnen werden. zum Beitrag »
[23.11.2012, 10:49:32]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Da staunt der Laie ...
und der Fachmann wundert sich. Wenn nach den vorliegenden Angaben die GKV- "Kassen in den Verhandlungen über die Finanzierung der Transplantationsbeauftragten für die 1300 Entnahmekliniken lediglich zwei Millionen Euro im Jahr angeboten" haben, ist ihnen diese Arbeit nur 4,21 € pro Tag und pro Klinik wert.

Gleichzeitig wird die rein privatwirtschaftlich organisierte DSO in Frankfurt, jährlich mit 44 Millionen € alimentiert, nicht zwingend in eine Körperschaft Öffentlichen Rechts umgewandelt. Einen zusätzlichen Sitz für das Bundesgesundheitsministerium im Stiftungsrat der DSO einzufordern, erfüllt lediglich Alibifunktionen und ist eine schwache Forderung von Daniel Bahr (FDP). Denn nahezu halbierte Spenderzahlen sind wesentlich auf die Transplantationsskandale der jüngsten Zeit, eine schlechte Performance der DSO und ein untaugliches Transplantationsgesetz zurückzuführen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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