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Ärzte Zeitung online, 04.12.2014

Pflegebegutachtung

MDK räumt Mängel ein

Mit den Pflegebegutachtungen durch die Medizinischen Dienste ist einer Versichertenbefragung zufolge zwar die Mehrheit zufrieden. Der Blick aufs Detail offenbart jedoch Defizite.

Von Anno Fricke

MDK kündigt Verbesserungen an

Die Medizinischen Dienste prüfen die Qualität der Pflege in Einrichtungen.

© Ocskay Bence / fotolia.com

BERLIN. Vertreter des Medizinischen Dienstes haben Mängel bei der Pflegebegutachtung eingeräumt. Die Gutachter müssten künftig intensiver auf die individuelle Pflegesituation des Versicherten eingehen und ihr Vorgehen intensiver erläutern, hat der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbands, Dr. Peter Pick, angekündigt.

Die Pflegegutachter sollten sich zudem mehr Zeit nehmen. "Sechs bis sieben Minuten für eine Begutachtung sind zu wenig", sagte Pick bei der Vorstellung der Ergebnisse einer Versichertenbefragung am Donnerstag in Berlin, die das Marktforschungsunternehmen M + M Management + Marketing aus Kassel im Auftrag des MDS vorgenommen hat.

Die grundsätzliche Zustimmung der Versicherten zum Verfahren zeuge jedoch davon, dass die Gutachter einen guten Job machten und respektvoll mit den Menschen umgingen, sagte Pick.

Kritik von Patientenschützern

Kritik kommt von Patientenschützern: "Wieder stellt sich der MDK ein Zeugnis mit Bestnoten aus. Tatsächlich besagen sie nur, dass die Gutachter mehrheitlich pünktlich kamen, sich vorgestellt und höflich verhalten haben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz Eugen Brysch.

"Die Noten sagen aber rein gar nichts über die Ergebnisse aus. Mehr als jedes dritte Gutachten ist fehlerhaft oder falsch, mehr als 40 Prozent der Widersprüche führen zu einem Erfolg. Leider hat der Gesetzgeber blauäugig das gesamte Befragungsverfahren in die Hände des Kostenträgers gelegtSo hat man den Bock zum Gärtner gemacht".

Einige der durch die Befragung aufgezeigten Probleme würden sich mit der Umstellung auf einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff lösen, sagte Pick.

Die Gutachter würden dann nicht mehr die für die Pflege aufzuwendende Minutenzahl ermitteln, sondern deren Alltagskompetenzen testen.

Dafür würden die Gutachter mehr Zeit aufwenden müssen. Derzeit arbeiten rund 1600 Pflegekräfte und 200 Ärzte für die Medizinischen Dienste. Der vom neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ausgelöste Mehrbedarf sei derzeit noch nicht einzuschätzen.

Belastungsspitzen werde man mit externen Gutachtern auszugleichen versuchen. Es werde standardisierte Überleitungen vom alten in das neue System geben. So würden alle, die derzeit Pflegestufe 1 hätten, automatisch in den künftigen Pflegegrad zwei eingestuft.

86 Prozent zufrieden

Im Schnitt waren 86 Prozent der Befragten mit den Begutachtungen zufrieden. Neun Prozent waren teilweise zufrieden, fünf Prozent gar nicht (siehe Grafik). Gefragt worden waren 36.500 Versicherte, gut 13.000 Antworten kamen zusammen (35,7 Prozent).

Sie sollten Angaben zu den Informationen über die Pflegebegutachtung, zum persönlichen Kontakt mit dem Gutachter und zu seinem Auftreten machen. Geantwortet haben zum weitaus größeren Teil Angehörige und gesetzliche Betreuer.

Die Ergebnisse beziehen sich auf die Monate Januar bis Oktober 2014.

Die Kritik ergibt sich aus Detailbeobachtungen. Nur drei Viertel der Versicherten fanden sich gut beraten. 19 Prozent und damit überdurchschnittlich viele waren der Meinung, der Gutachter sei nicht ausreichend auf ihre individuelle Pflegesituation eingegangen.

2013 haben die Medizinischen Dienste rund 1,1 Millionen Versicherte zu Hause und 300.000 in Pflegeheimen begutachtet.

In 99 Prozent der Fälle bekamen die Begutachten ihre Ergebnisse innerhalb von vier Wochen mitgeteilt, eine Frist, die mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz von 2012 eingeführt wurde.

Auch die Versichertenbefragung ist eine gesetzliche Auflage. Einen ersten vollständigen Jahresbericht hat der MDS für April 2014 angekündigt.

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