Ärzte Zeitung, 09.07.2015

Brandenburg

Modellprojekt soll Pflege ins Quartier bringen

Brandenburg startet seine Pflegeoffensive. Ein Modellprojekt soll Fachstellen im Land etablieren, um die Pflege nah am Patienten zu organisieren. Auch die Kommunen sollen in die Pflicht genommen werden.

Von Angela Misslbeck

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Mehr als drei Viertel aller Pflegebedürftigen in Brandenburg werden daheim betreut. Das Modellprojekt will altersgerechte Quartiere entwickeln.

© Klaus Rose

POTSDAM. Mit einem Ideenwettbewerb startet in Brandenburg die von der Landesregierung angekündigte Pflegeoffensive.

Das Sozial- und Gesundheitsministerium hat dazu aufgerufen, bis 27. Juli Konzepte für das neue Modellprojekt "Fachstellen Altern und Pflege im Quartier" einzureichen.

Das Modellprojekt mit einem Fördervolumen bis zu 655.000 Euro bis Ende 2016 soll am 1. Oktober beginnen. Ziel ist die langfristige Etablierung der Fachstellen im Land Brandenburg.

Neue Wohnformen entwickeln

"Die neuen Fachstellen werden sowohl Landkreise und kreisfreie Städte als auch kreisangehörige Gemeinden bei der Planung und Gestaltung lokaler Pflegestrukturen und altengerechter Lebensräume noch besser unterstützen", kündigte Sozial- und Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) an.

Die Fachstellen sollen zugleich den Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsangebote landesweit koordinieren, lokale Akteure in der Pflegepolitik beraten und zur Entwicklung neuer Wohnformen für Ältere und Pflegebedürftige in Brandenburg beitragen.

Das Modellprojekt zielt auch darauf, die Rolle der Kommunen beim Thema Pflegebedürftigkeit zu stärken. "Die Pflege der Zukunft ist eine Pflege im Quartier. Hier sind vor allem die Kommunen gefragt, die in der Pflegepolitik künftig eine stärkere Rolle übernehmen sollen", so Golze.

Damit pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können, sollen aber zum Beispiel auch Vereine, Verbände und Unternehmen bei der alternsgerechten Quartiersentwicklung eingebunden und unterstützt werden.

Damit verbindet das Landessozialministerium die Erwartung, dass eine alternsgerechte Infrastruktur und niedrigschwellige Angebote ungenutztes Potenzial heben, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu verzögern.

"Unsere Gesellschaft muss noch viel stärker auf das aktive Altern ausgerichtet werden", fordert Golze.

250.000 Hochaltrige im Jahr 2030

In Brandenburg werden mehr als drei Viertel aller Pflegebedürftigen (77 Prozent) ambulant zu Hause betreut. Damit liegt das Bundesland deutschlandweit vorne.

Der Handlungsdruck in der Pflege ist besonders groß: Die Zahl der Hochaltrigen über 80 Jahre wird sich zwischen 2012 und 2030 von etwa 120.000 auf fast 250.000 verdoppeln.

Zugleich rechnet das Sozialministerium mit einer Zunahme auf über 162.000 Pflegebedürftige um 70 Prozent.

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