Ärzte Zeitung, 21.10.2015

Pflegeberufegesetz

Pflegerat und SPD verteidigen Generalistik

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel wird für sein Abrücken von einer generalistischen Pflegeausbildung scharf kritisiert.

BERLIN. Die Debatte um eine generalistische Pflegeausbildung geht weiter. Hilde Mattheis, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, nennt die Haltung des CDU-Pflegeexperten Erwin Rüddel eine "Einzelmeinung".

Die Mehrheit der CDU- und der SPD-Fraktion sei sich einig über die "Stoßrichtung des Gesetzes": "Wir wollen etwas für die Altenpflege erreichen."

Rüddel hatte in einem Schreiben Bedenken geäußert, dass es zu einer Einigung zwischen Gesundheits- und Familienministerium kommen werde und dafür plädiert, das gesamte Vorhaben nochmals grundsätzlich zu überdenken.

Er fürchtet, dass die Altenpflege bei einer generalistischen Pflegeausbildung eher verlieren werde und noch stärker unter einem Fachkräftemangel leiden könnte. Mattheis hält dagegen: "Die Durchlässigkeit in den Pflegeberufen wird die Attraktivität aller Pflegeberufe erhöhen.

Eine Ausbildung in der Altenpflege wird dann nicht zur Sackgasse, weil man dann auch in der Krankenpflege arbeiten kann."

Über die genaue Ausgestaltung der Curricula könne, so Mattheis, aktuell allenfalls spekuliert werden. Die Bundesländer seien aber bereits dabei, die Inhalte bundesweit zu vereinheitlichen. Dazu gehöre auch, in der Folge die Assistenzberufe in der Pflege anzupassen.

Pflegerat ist empört

Gegenwind bekommt Rüddel auch vom Deutschen Pflegerat. Dessen Präsident Andreas Westerfellhaus ist empört: "Die Haltung von Herrn Rüddel ist unverantwortlich und für mich unverständlich." Das Pflegeberufegesetz sei "ein wichtiger Schlüssel", um eine Tätigkeit in der Pflege insgesamt aufzuwerten.

Klar sei auch, dass ein "ganzer Blumenstrauß" an weiteren Maßnahmen dazu gehöre. "Wenn das Pflegeberufegesetz scheitert, dann ist in dieser Legislaturperiode nichts passiert für die Pflegeausbildung", mahnt Westerfellhaus.

Er verweist auf diverse Modellversuche, in denen eine engere Verzahnung der Kranken- und der Altenpflege getestet und für gut befunden wurde.

In ganz Europa gebe es eine generalistische Ausbildung, nur in Deutschland nicht. "Die Argumente von Herrn Rüddel sind für mich vorgeschoben", ärgert er sich. (wer)

[05.11.2015, 17:22:17]
Kurt-Michael Walter 
Generalistische Pflegeausbildung - Versteckte Ziele der Befürworter und Unterstützer

Die "Stoßrichtung des Gesetzes" ist die generalistische Pflegeausbildung im Sinne des Pflegerates und dessen Präsidenten Herrn Westerfellhaus per Gesetz festzuschreiben.

Lobbyismus sollte nicht dazu führen, dass Politiker ohne Not ein Gesetz einbringen das als "Sonderstellung" im Dualen Bildungssystem der BRD festgeschrieben wird. Wenn modernisieren, dann "Im System". Das hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel richtig erkannt, dass der Pflegerat deshalb empört ist war zu erwarten.

Die Chance, ein offenes und modernes Pflegeausbildungssystem in das bestehende "Duale Bildungssystem" zu integrieren, darf nicht durch Lobbyismus und Besitzstandswahrung verspielt werden.

Die Argumente und angeführten Modelle der Befürworter für ein "Generalisiertes Pflegeausbildungsgesetz" gehen daher in die "Falsche Richtung": Ein geschlossenes System mit weiterhin von interessierten Lobbyisten gewollter "Sonderstellung" wird die Herausforderungen zukünftiger Pflege nicht erfüllen.

Letztendlich sind es die wirtschaftlichen Interessen bestehender Systeme und Institutionen in "NOCH" öffentlich-rechtlichen Betreibergesellschaften, die unter dem Druck zunehmender Privatisierungen von Kliniken, Pflegeheimen und ambulanten Pflegestationen die letzte Möglichkeit zum Überleben ihrer "Sonderstellung" sehen.  zum Beitrag »

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