Ärzte Zeitung, 05.09.2016

Demografiekongress

Ideen für die Versorgung von morgen

Die medizinische und pflegerische Versorgung der Zukunft wird angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland immer wichtiger. Ein Blick in die Ideenwerkstätten.

Von Anno Fricke

Ideen für die Versorgung von morgen

Der demografische Wandel verleiht dem medizinisch-technischen Fortschritt und der ärztlichen Versorgung bereits Impulse.

© dresden / Fotolia

BERLIN. Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich bis 2060 verdoppeln, schätzen Fachleute. Gleichzeitig wird die Zahl der Erwerbstätigen abnehmen. Die medizinische und pflegerische Versorgung der sich wandelnden Bevölkerung muss sich darauf einstellen.

Der vom Berliner WISO Institut für Wirtschaft und Soziales ausgerichtete Demografiekongress Ende vergangener Woche in Berlin hat aufgezeigt, dass der demografische Wandel dem medizinisch-technischen Fortschritt und der ärztlichen Versorgung bereits Impulse verleiht.

Beispiel ambulante Versorgung. Im Landkreis Leer in Nordfriesland werden 2030 alle Hausärzte, die heute praktizieren, im Ruhestand sein. Das berichtete die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Heike de Vries.

Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Kommunen wurde ein runder Tisch gegründet. Ein Ergebnis ist ein Stipendienprogramm mit derzeit 32 geförderten Medizinstudenten. Acht von ihnen sind in der Facharztausbildung und sollen in vier, fünf Jahren den Ärztemangel in dem Landkreis lindern. De Vries: "Wir wollen unsere Medizinstudenten in die Versorgung im Kreis zurückholen".

Beispiel Medizintechnik. In den Laboren der Technologiehersteller wird heute schon an der technischen Unterstützung älterer Menschen in der Zukunft gearbeitet. Dr. Jörg Habetha von Philips berichtete von einer neuen Generation von Systemen zur Sturzprävention. Sie sollen bereits im Voraus Risiken einschätzen.

Sie messen, wie lange ein Mensch zum Aufstehen von einem Stuhl benötigt und wie stark er beim Gehen schwankt. Ein Algorithmus soll dann mit hoher Wahrscheinlichkeit Sturzereignisse voraussagen. So bleibt Zeit zu intervenieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Das können zum Beispiel Trainingsprogramme sein. Um die zu entwickeln, haben sich die Medizintechniker übrigens mit einer eher jugendaffinen Branche zusammengetan - den Herstellern von aktiven Sportspielen.

Beispiel Multimedikation. Ein Drittel der Frauen jenseits der 65 bekomme neun Wirkstoffe und mehr verordnet, berichtete Professor Wolfgang Höppner von der Bioglobe GmbH. Das kann den Körper überfordern. Der klinische Nutzen der Medikation könne optimiert werden, wenn zusätzlich zu Alter und Geschlecht der Patienten auch deren genetische Ausstattung berücksichtigt werden könne.

30 Prozent der Menschen verstoffwechselten Medikamente nicht so, wie dies erwartet werde. "Jeder hat eine andere Enzymausstattung", sagte Höppner. Und im Alter würden die Enzyme, die die Wirkstoffe der Medikamente von der Aufnahme bis zur Ausscheidung durch den Körper begleiten, immer schwächer.

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