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Ärzte Zeitung, 17.12.2012

Ernährungsbericht

Deutsche Männer fallen nicht vom Fleisch

Gute und schlechte Nachrichten aus dem Ernährungsbericht: Zwar essen die Deutschen immer mehr Gemüse, aber vor allem die Männer essen noch immer zu viel Fleisch.

Von Christiane Badenberg

BERLIN. Weniger Alkohol, mehr Gemüse, aber immer noch zu viel Zucker und Fleisch - der Ernährungsbericht 2012 fördert ganz unterschiedliche Tendenzen in den Essgewohnheiten der Deutschen zu Tage.

Erfreulich ist zum Beispiel, dass in den Jahren 2000 bis 2011 der Konsum von Gemüse durchschnittlich um 1,1 Kilogramm gestiegen und der Alkoholkonsum gleichzeitig gesunken ist.

Im Durchschnitt haben die Deutschen im vergangenen Jahr 70ml weniger Alkohol getrunken als noch im Jahr 2000, der Bierkonsum ging sogar um zwei Liter zurück.

Der Bericht zeigt aber auch, dass die Deutschen immer noch zu viel Zucker und Fleisch verzehren.

Der Verbrauch von Saccharose sei zwischen den 1950er und 1980er Jahren deutlich gestiegen und verbleibe auf einem hohen Niveau, schreiben die Studienautoren. Der Glucoseverbrauch sei heute doppelt so hoch wie vor 20 Jahren.

Beim Fleisch langen vor allem deutsche Männer wesentlich mehr zu, als es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt.

So liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch- und Wurstwaren bei durchschnittlich ein Kilogramm pro Woche, während die DGE zu 300 bis 600 Gramm rät. Frauen liegen im Durchschnitt am oberen Rand dieser Empfehlung.

Bedenklich sind die Zahlen zu Übergewicht und Adipositas. So waren laut Mikrozensus 2009 44,4 Prozent der Männer und 29,1 Prozent der Frauen präadipös. 15,7 Prozent der Männer und 13,8 Prozent der Frauen wiesen sogar eine Adipositas auf.

Der Anteil übergewichtiger Personen nahm mit steigendem Lebensalter kontinuierlich zu. In der Altersgruppe der 70- bis unter 75-Jährigen waren 73,9 Prozent der Männer und 62,5 Prozent der Frauen übergewichtig.

Die DGE erstellt seit 1969 alle vier Jahre im Auftrag der Bundesregierung eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme und Bewertung der Ernährungssituation in Deutschland.

[29.12.2012, 22:26:34]
Dr. Horst Grünwoldt 
Tierisches Eiweiß
Vom (fettarmen) Fleischkonsum ist gewiß noch keiner übergewichtig oder adipositös geworden. Es sind bekanntlich die Fette und Kohlenhydrate sowie vor allem der Alkohol, die im Übermaß genossen, dick machen!
Ich möchte jedenfalls auf die genetisch identischen Aminosäuren im ausgewogenen Fleisch-Coktail zu meinen körpereigenen zur Regeneration ("Zellmauserung") meiner Haut und Schleimhäute, Muckis und Nerven nicht verzichten.
Als Gemischtkostler (s.a. meine Zahnformel und Magen-Darmverhältnisse) genieße ich natürlich das tierische Eiweiß in leckerer Zubereitung stets mit einer gehörigen Portion Grünzeug.
Alleine schon, um bei sitzenden Tätigkeiten (Schreibtisch, Autofahren u.s.f.) die "innere Motilität" aufrecht zu erhalten und mich vor allem vor proktologischen Folgen zu schützen.
Diese dürften verstärkt bei bewegungsarmen und übergewichtigen Wurstessern, die zu Pökelware greifen (dt. Salami, Kassler, dt. Roh- und Kochschinken, Bockwürste, Currywürste u.a. mit dem erheblichen Gehalt an Na-Nitrit-Kochsalz-Lake und möglichen cancerogenen Langzeitpotential) auftreten, weil sie dann auch noch den wunderbaren Krautsalat oder das Sonnenblumenbrot links liegen lassen.
Wie kommt die DGE auf das Fleischmaß von 600g/ Woche? Der Verzehr dürfte doch vor allem auch ein tägliches Verteilungsproblem sein.
Immerhin ist -weltweit betrachtet- der individuelle tierische Eiweißkonsum (Fisch, Fleisch und Milchprodukte) nach wie vor ein Wohlstands-Indikator, um den uns mindestens ein Drittel der Menschheit beneidet.
Was sagen denn die Ernährungsexperten und Veganer zu der (umweltbedingt)einseitigen, fleischlichen Ernährung der nordpolaren Enui?
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »
[18.12.2012, 13:22:46]
Iris Flöhrmann 
therapeutische Konsequenzen auf mehr Hände verteilen
Dem Kommentar von Dr. Kirschner kann ich nur zustimmen.Ein Paradigmenwechsel hat bisher nicht stattgefunden und vieles vom Aktionsplan hat nur dazu gedient medientechnisch ein bisschen Luft aufzuwirbeln, damit die Bevölkerung den Eindruck gewinnt : "es wird etwas getan".
Ein nationale Strategie, die mehr den Betroffenen in den Mittelpunkt stellt und dafür die Kernkompetenzen verschiedener medizinischer Berufe beachtet und diese gleichwertig zusammenbringt sowie genauer hinschaut woraus sich die ungenügenden und fehlenden Behandlungserfolge ergeben ist dringend von Nöten.
Schaut man genauer hin und hat regelmäßig mit Menschen zu tun , die aufgrund oben genannter Gründe versuchen etwas in Richtung gesunder Ernährung und Bewegung zu tun, stellt man fest, es ist wie seit Jahrzehnten. Es gibt eine Vielzahl von Studien,Leitlinien, Programmen und Tipps, aber in der täglichen Umsetzung werden die Betroffenen doch allein gelassen.

Adipositas wird immer noch nicht als chronische Erkrankung anerkannt,sondern oft eher als gutes Geschäfstmodell. Egal ob Buchverlage, Lebensmittelkonzerne, Schauspieler, TV-Köche, Fitness-studios, Lebensmittelchemiker mit Botschaft, alle verdienen fröhlich daran ohne Fachkompetenz die ultimativen Tipps zu haben wohlwissend, dass bei den wenigsten ein wirklicher Langzeiterfolg stattfindet. Aber die Betroffenen sind ja leidensfähig und hoppen von Methode zu Methode...Es gilt ja nur die Vielfraße zu stoppen und sie zu mehr Bewegung zu bekommen.
Fett , faul , gefrässig und beratungsresitent ist dabei leider nicht nur in den Köpfen dieser Menschen verankert, sondern auch immer noch in den Köpfen von Kassenmitarbeitern und medizinischem Fachpersonal.Nicht undbedingt eine gute Vorrausetzung zur motivierenden Beratung hinsichtlich einer Lebensstilveränderung.
Die evaluierten Schulungsprogramme sind zwar auf dem Papier alle interdisziplinär, aber in ganz unterschiedlicher Ausprägung und Gewichtung, je nach dem wer der Initiator ist.
Wie häufig wird über Essen und Trinken gesprochen, wie häufig Sport gemacht, gibt es verhaltenstherapeutische Maßnahmen, welches Fachpersonal macht was? Es gibt Jahresprogramme mit 4x mehr Sportterminen als Treffen zum Thema Ernährungsumstellung.Wenn man bedenkt, dass man täglich essen muss und damit deutlich häufiger in Konflikte mit "falsch"&"richtig" gerät und genug Studien zeigen, dass Bewegung beim Einfluss aufs Gewicht hinter dem Zuviel an Kalorien steht vielleicht ein Grund warum manches ungenügende bzw. nur kurzfristige Erfolge bringt.
Bei individuellen Maßnahmen ist zu fragen, ob der Patient wirklich beraten wird im Sinne eines klientenzentrierten strukturierten Beratungsgespräches oder einer Maßnahmen- und Informationsmitteilung.

Wer war das Fachpersonal? Offensichtlich gibt es da große Unterschiede, wie die niederländische SEO Economisch Onderzoek in einer Studie zur Kosten-Nutzen-Analyse in der Diätetik herausgefunden hat.
Die Beratung von Übergewichtigen bzw. Adipösen mit Begleiterkrankungen durch Diätassistenten hatte einen deutlich positiveren Effekt als beispielsweise die Beratung durch den Hausarzt. Beeindruckend ist das selbst 10 Jahre nach der Diättherapie noch positive Effekte sichtbar sind und als sehr kosteneffektiv eingestuft werden.
Warum also nicht endlich ein Paradigmenwechsel und alle Akteure ins Boot holen, die mit ihrem speziellen Wissen da ergänzen, wo nicht hauptsächlich reines medizinisches Wissen erforderlich ist, um leitliniengerechte Ernährung bei Adipositas und Diabetes Tayp 2 umzusetzen. Den Nutzen hat neben der gestiegenen Lebensqualität des Patienten doch die Medizin bzw. das Gesundheitssystem, wenn das Ziel erreicht ist.
Vielleicht wäre ein erster Schritt,die Aufnahme der ambulanten Ernährungsberatung durch Diätassitenten in den Leistungskatalog der GKV zu unterstützen.Die hierzu anstehende Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), dem ein Urteil des Bundessozialgerichts von 2000 vorrausgeht,wird nämlich nicht nur von Diätassitenten sondern auch von vielen Betroffenen seit Jahren erwartet.  zum Beitrag »
[18.12.2012, 09:00:29]
Dr. Walther J. Kirschner 
Ernährungsbericht - therapeutische Konsequenzen?
Es ist schon lange bekannt, daß in sog. Wohlstandsländern große Teile der Bevölkerung deutlich übergewichtig und hierdurch sekundär symptomatisch und erkrankt sind. Zum einen spielt der quantitative Aspekt eine Rolle, zum anderen der qualitative (z.B. Kohlenhydrate, Fette)bei unausgewogener Ernährung. Welche Konsequenzen hat das individuell und bzgl. des Gesamtzustndes der Bevölkerung? Offenbar bisher keine, zumindest keine hinreichend effektiven.

Es ist nicht zielführend, nur symptomatische Maßnahmen wahrzunehmen, dabei Symptome zu behandeln und tatsächliche Ursachen zu negieren. Medikamentöse Maßnahmen allein gegen sekundären Diabetes, arteriellen Hypertonus, Fettstoffwechselstörungen und weitere Medikationen helfen eben nur bedingt, nie ausreichend, vor allem aber lösen sie nicht die ursächliche Problematik - zuviel, nicht ausgewogen, zu wenig Bewegung und Kondition.

Ohnehin ist bedauerlich, bei bei sog. 'Volksseuchen' keine wirksamen nachhaltigen nationalen Gesundheitsprogramme verfügbar sind, leider gehen nach wie vor auch individuelle traditionelle Behandlungen immer noch in die falsche Richtung. Das zeigen ungenügende oder fehlende Behandlungserfolge. Paradigmenwechsel stehen weiter aus.

Dr. med. Walther Kirschner  zum Beitrag »

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