Ärzte Zeitung online, 25.10.2013

Prävention

Plädoyer für betriebliches Gesundheitsmanagement

Gesundheitswissenschaftler Badura: In den Betrieben tickt eine Zeitbombe.

KÖLN. Das betriebliche Gesundheitsmanagement muss in Deutschland einen größeren Stellenwert erhalten, als es bislang der Fall ist. Davon geht der Gesundheitswissenschaftler Professor Bernhard Badura von der Universität Bielefeld aus.

"Das ist ein Thema, das für den einzelnen Bürger, für die Betriebe und für die gesamte Gesellschaft wichtig ist", sagte Badura auf dem MCC-Kongress "Betriebliches Gesundheitsmanagement" in Köln.

Die Zunahme psychischer Erkrankungen und der hohe Anteil von Arbeitnehmern, die sich in der "inneren Kündigung" befinden oder Dienst nach Vorschrift tun, zeigten den Handlungsbedarf. Hier ticke offensichtlich eine Zeitbombe, so Badura.

In Gesundheit der Mitarbeiter investieren

"Die Risiken von morgen sind erkennbar, es wäre sinnvoll, bereits jetzt zu reagieren." Der Wissenschaftlicher nannte zwei Voraussetzungen, die erfüllt sein müssten, um das betriebliche Gesundheitsmanagement nach vorne zu bringen: Die Investitionen von Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter seien stärker als bisher steuerlich zu belohnen. Und die Maßnahmen selbst müssten gewisse Qualitäts-Standards erfüllen.

Der Gesundheitswissenschaftler plädierte dafür, bei der betrieblichen Gesundheitsförderung die Schwerpunkte zu verschieben.

Der alleinige Fokus auf die Reduzierung von Fehlzeiten sei falsch. "Wir vernachlässigen die große Mehrheit derer, die pflichtgemäß ihrer Arbeit nachgehen und deren Gesundheitszustand unbekannt ist."

Die belastenden Faktoren in den Unternehmen müssten untersucht werden, dazu gehöre auch der "Risikofaktor Vorgesetzter". Für wichtig hält er die Suche nach den Ursachen von Beeinträchtigungen, insbesondere psychischer Beeinträchtigungen.

"Wir müssen uns in Zukunft den hausgemachten Problemen widmen, das ist der Hauptansatzpunkt für das betriebliche Gesundheitsmanagement." (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »