Direkt zum Inhaltsbereich

Verdacht auf Kindesmisshandlung

Hotline von Ärzten für Ärzte kommt

Schweigepflicht brechen oder besser nicht? Fälle von vermuteter Kindesmisshandlung stellen Ärzte vor schwere Gewissensentscheidungen. Eine von Ärzten besetzte Hotline soll künftig dabei helfen.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Verdacht auf Kindesmisshandlung? Eine neue Hotline soll Ärzte unterstützen.

Verdacht auf Kindesmisshandlung? Eine neue Hotline soll Ärzte unterstützen.

© contrastwerkstatt / fotolia.com

BERLIN. Der Weg für eine Rund-umdie-Uhr-Kinderschutz-Hotline für Ärzte und Angehörige von Heilberufen ist so gut wie frei. Auf den letzten Drücker haben die Haushaltspolitiker der Unionsfraktion 1,35 Millionen Euro in den Haushalt 2016 des Familienministeriums einstellen lassen.

Der soll am Donnerstag in einer Woche im Bundestag beschlossen werden. Mit dem Geld soll vorerst für drei Jahre ein Beratungstelefon für Ärzte in Praxen und Notaufnahmen der Kliniken finanziert werden, die einen Verdacht auf Kindesmisshandlung hegen. Beraten sollen erfahrene Mediziner.

Wie der Beschluss umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Als wahrscheinlich gilt eine Ausschreibung.

Ärzte haben Anspruch auf Beratung

Die Idee stammt von dem Ulmer Kinder- und Jugendpsychiater Professor Jörg Fegert. Ärzte hätten ohnehin Anspruch auf Beratung, wenn es um die Wahrung des Kindeswohls gehe, sagte Fegert am Dienstag der "Ärzte Zeitung".

Dieser Anspruch rührt aus dem Kinderschutzgesetz von 2012. Ausweislich der Evaluation des Gesetzes vom August 2015 scheint dieser Anspruch unter Ärzten nicht allzu bekannt zu sein.

Bislang leistet die Beratung die Jugendhilfe in den Kommunen. Das scheint nicht zusammen zu gehen. "Jugendhilfe und Ärzte sprechen jeweils eine andere Sprache und denken in anderen Zeiträumen", sagt Fegert.

Jugendämter sind nachts und an Wochenenden nicht besetzt. Zudem hätten die Kinderschutz-Fachkräfte der Jugendämter nur selten einschlägige Erfahrung im Umgang mit Akutmedizin.

"Die richtigen Schritte einzuleiten, erfordert von den Verantwortlichen - neben den Faktoren Zeit und Erfahrung - spezifische Kenntnisse der Rechtsmedizin und des Systems der Kinder- und Jugendhilfe", umreisst Unionspolitiker Marcus Weinberg die Anforderungen an die künftigen Berater.

Vorbild Gifthotline

Vorbild sei die Gifthotline, wo auch in knapper Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen werden müssten.

Harte Zahlen zum Bedarf liegen bislang nicht vor. "Das Projekt kann auch dazu dienen, den bislang gar nicht erhobenen Bedarf erst aufzudecken", sagt Jörg Fegert. Immerhin: Die Evaluation des Kinderschutzgesetzes hat ergeben, dass ein kleiner Teil der Kinder- und Jugendärzte in Verdachtsfällen schon einmal Kontakt zu den Jugendämtern aufgenommen hat.

Bei der Evaluation des Kinderschutzgesetzes wurden bisher ausschließlich die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte befragt. Der Rücklauf war mit einem Drittel wenig repräsentativ. Davon gaben 60 Prozent an, den Beratungsanspruch zu kennen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Arztsprech vs. Amtssprech

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

IGES-Gutachten

Bei den Krebsregistern bremst föderale Vielfalt die Datenqualität

Von Infektionen bis Dermatozoenwahn

Dermatologische Komplikationen von „Chemsex“

Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© FOMF

Forum für medizinische Fortbildung

Eviplex: KI-gestützte Recherche speziell für den medizinischen Alltag

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträts: Marc Stefan | Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve

© Porträts: Marc Stefan | Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Arztsuche: Was steckt hinter Empfehlungslisten?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BurdaVerlag Data Publishing GmbH
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt

Juristische Einordnung

Rassistische Diskriminierung im Praxisteam: So verhält man sich als Ärztin oder Arzt rechtskonform

Lesetipps
Ein Kind erhält eine Spritze und schaut ängstlich weg.

© yanadjan / stock.adobe.com

Vom Schmerzgel bis zum Wiegenlied

Zehn Strategien gegen Impfstress

Die Rückseite eines jungen Mannes mit großflächigen Tätowierungen.

© PeopleImages / Getty Images / iS

Kasuistik

Lebensgefahr! Tattoo mit schockierenden Folgen

Nahaufnahme des rechten Handegelenks eines Patienten das mit einer Handgelenksschiene ruhig gestellt ist.

© Ondrej Novotny / stock.adobe.com

Therapie der ersten Wahl

Was bringt eine Handgelenksschiene beim Karpaltunnelsyndrom?