Ärzte Zeitung, 29.05.2008

"Sterbehilfe durch die Hintertür" in Großbritannien?

MANCHESTER (ast). Eine Stadtverwaltung im Großraum Manchester gibt seit kurzem tausende Patientenkarten aus, auf denen der Patient erklärt, er weigere sich, "im Fall einer sehr ernsten Krankheit künstlich am Leben gehalten" zu werden. Einige Ärzte sprechen von "Sterbehilfe durch die Hintertür".

Die Verwaltung des zu Manchester gehörenden Bezirks Salford beabsichtigt nach eigenen Angaben, in den kommenden Wochen und Monaten "mindestens 10 000" der umstrittenen Patientenkarten auszugeben.

Die Karten heißen "Advance Decision to Refuse Treatment" (Entscheidung der Behandlungsverweigerung). Der Patient erklärt darauf, dass er "im Fall einer ernsthaften Erkrankung nicht künstlich am Leben gehalten" werden möchte - für den Fall, dass er sich nicht mehr persönlich äußern kann. Die Karten liegen in öffentlichen Bibliotheken, Arztpraxen und anderen Orten im Großraum Manchester aus.

Viele Ärzte äußerten sich kritisch zu dem Kartenkonzept. "Derartig wichtige Entscheidungen, in denen es letztlich um Leben und Tod geht, sollten nicht allein auf Papier festgehalten werden. Sie sollten stets mehrfach dokumentiert sein. Zum Beispiel, indem der Patient rechtzeitig einen persönlichen Fürsprecher benennt, der im Ernstfall mitentscheiden kann", sagte Dr. Andrew Fergusson von der Organisation "Christian Medical Fellowship".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »