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Ärzte Zeitung, 01.02.2013

Hoffnung für Krebsforscher

Register werden Realität

Der Bundestag hat den Weg frei gemacht für eine effektivere Registrierung von Tumorerkrankungen in Deutschland. Die neuen Regeln können die Krebsforschung voran bringen.

Von Anno Fricke

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Ein Tumor ist in einer MRT-Aufnahme einer weiblichen Brust sichtbar. Ziel der Krebsregister ist die Verbesserung der Krebsversorgung.

© Jan-Peter Kasper / dpa

BERLIN. Binnen fünf Jahren könnte Deutschland flächendeckend über klinische Krebsregister verfügen.

"Und ab dann wird es jedes Jahr besser", sagte der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Dr. Johannes Bruns, der "Ärzte Zeitung". Der Erkenntnisgewinn aus den Krebsregistern wachse mit der Dauer ihrer Geschichte.

Die Geschichte vorangetrieben hat die schwarz-gelbe Koalition mit dem "Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister", das der Bundestag am Donnerstagabend beschlossen hat.

Klinische Krebsregister gibt es flächendeckend bislang in den neuen Ländern und in Bayern. Sie decken etwa 35 bis 40 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ab.

Die Anschubfinanzierung der Deutschen Krebshilfe von 7,2 Millionen Euro für den Aufbau der Register soll zum größeren Teil in den Westen, vor allem nach Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen fließen, hieß es am Freitag.

"Das ist ein starkes Signal, dass die Politik dem Krebs den Kampf ansagt", sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Er zeigte sich zuversichtlich, dass auch der Bundesrat dem Gesetz zustimmen werde.

Jedes Jahr erkranken etwa 470.000 Menschen neu an Krebs.Die Register aufzubauen obliegt den Ländern. Die Daten sollen flächendeckend und möglichst vollzählig erfasst sowie jährlich landesbezogen ausgewertet werden, heißt es bei der Deutschen Krebshilfe.

Die Datenerfassung soll auf den Behandlungsort bezogen erfolgen und einen wohnortbezogenen Datenaustausch erlauben. Das bedeutet, dass niedergelassene Onkologen und Kliniken alle Schritte zur Behandlung eines Krebsfalls an das für sie zuständige Register melden sollen.

Das wertet die Daten aus und spielt sie an die Ärzte vor Ort zurück. Mehrfachdokumentationen sollen so vermieden werden.

100 Millionen Euro pro Jahr

Niedergelassene Ärzte werden in einigen Jahren mit dem nun gefassten Beschluss unmittelbar konfrontiert. Die Kassen sind dann nämlich verpflichtet, ihre Versicherten zur Darm- und Gebärmutterhalskrebsvorsorge einzuladen.

Früherkennung und Registeraufbau hängen zusammen. Die Wirksamkeit der Screenings lasse sich anschließend anhand der Register überprüfen, sagte Johannes Bruns.

Der Ausbau des Screenings blieb bei der Debatte vor der Abstimmung nicht unwidersprochen. "Das Einladungswesen muss auf den Prüfstand, anstatt es auszuweiten", sagte Grünen-Politikerin Birgitt Bender.

Sie stützte ihre Kritik auf die ihrer Ansicht nach fehlende Evidenz einer Versorgungsverbesserung durch das Mammascreening.

Der Vorschlag, die Versorgung mittels der Register zu verbessern, stammt aus dem Nationalen Krebsplan und damit vor allem von der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Tumorzentren.

Das Gesetz schaffe die Voraussetzungen, um den Behandlungsverlauf von Krebspatienten einschließlich seines Ergebnisses zu erfassen, sagte Dr. Monika Klinkhammer-Schalke, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft.

Klinische Krebsregister verzeichnen mehr Daten als die epidemiologischen Krebsregister. Die konzentrieren sich auf Punkte wie Diagnosen und Mortalität. In den klinischen Registern werden unter anderem die Behandlung, die Nachsorge und die Rezidive erfasst.

Künftig sollen die Datensätze - auch das ist Gegenstand des Gesetzes - zusammengeführt werden. Für Johannes Bruns ist denkbar, dass die beiden Registertypen über kurz oder lang zu einem Krebsregister verschmelzen.

Der Betrieb der Krebsregister und die neuen Einladungsverfahren werden die Kassen mehr als 100 Millionen Euro im Jahr kosten, heißt es in dem Gesetzentwurf.

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