Ärzte Zeitung online, 21.11.2013

Deutsche Einheit

Der Osten holt weiter auf

Die besonderen Herausforderungen für die gesundheitliche Versorgung in den neuen Ländern haben im neuen Bericht zur Deutschen Einheit keinen Platz. Die Entwicklung der Lebenserwartung ist positiv, die demografischen Trends sind dagegen besorgniserregend.

Von Florian Staeck

Bei der Lebenserwartung holt der Osten weiter auf

Es war ein mal: Die Lebenserwartung im Osten steigt.

© Tobias Thurner / fotolia.com

BERLIN. Die Lebenserwartung in Ostdeutschland ist zuletzt erneut gestiegen und hat sich der in den alten Ländern weiter angenähert. Darauf weist der neue Bericht zum Stand der Deutschen Einheit hin, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt worden ist.

Danach beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen im Osten mittlerweile 82,58 Jahre und liegt damit gleichauf mit dem Wert von Frauen in den alten Ländern (82,77 Jahre). Bei den Männern gibt es auch im Jahr 23 der Deutschen Einheit noch einen Unterschied von 1,3 Jahren zwischen Ost und West.

Männer in den alten Ländern leben im Schnitt 77,97 Jahre, ihre Geschlechtsgenossen in den neuen Ländern dagegen 76,64 Jahre. Insgesamt hat sich das durchschnittlich erreichte Alter seit der Wiedervereinigung dramatisch erhöht. Es ist seit 1990 bei Frauen um 6,3 Jahre gestiegen, bei Männern sogar um 7,4 Jahre.

Keinen Widerhall im Bericht zur Einheit finden die höhere Morbidität und die besonderen Herausforderungen für die gesundheitliche Versorgung der Menschen. Anders als in früheren Berichten wird das Thema nahezu komplett ausgeblendet.

Das federführende Innenministerium belässt es bei dem Hinweis, das GKV-Versorgungsstrukturgesetz schaffe im Zuge der neuen Bedarfsplanung auch im Osten "die Voraussetzungen für eine bessere Versorgung". Dass es vielerorts dafür bereits jetzt in Klinik und Praxis an Ärzten fehlt, wird nicht thematisiert.

Abwanderung fast gestoppt

Als positiv wird vermerkt, dass die Abwanderung von Menschen in den Westen im vergangenen Jahr nahezu gestoppt worden ist. Der Wanderungsverlust belief sich im vergangenen Jahr auf 2000 Personen - zwischen 2000 bis 2005 hatten noch jährlich rund 66.000 Menschen die neuen Länder gen Westen verlassen.

Bei der Entwicklung der Geburtenrate im Osten glaubt das Innenministerium einen "Aufwind" auszumachen.

Tatsächlich liegt die Geburtenrate in den neuen Ländern bei 1,4 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter und ist damit marginal höher als im Westen (1,37). Dies jedoch wird die beiden kennzeichnenden Trends in Ostdeutschland - Schrumpfung und Alterung - nicht ändern.

Beispiel Altenquotient: Bei diesem Parameter wird der Anteil der Menschen im Ruhestand zur erwerbsfähigen Bevölkerung ins Verhältnis gesetzt. Der Altenquotient (2012: 38) wird bis zum Jahr 2030 auf 68 steigen (alte Länder: 51). Im gleichen Zeitraum wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um 27 Prozent abnehmen (Westen: 18 Prozent).

Verlierer der demografischen Entwicklung werden insbesondere ländliche Regionen sein. Dagegen hat sich nach Angaben des Berichts die Einwohnerzahl in städtischen Regionen seit 2004 stabilisiert. Vielen ländlichen Räumen im Osten fehlt - anders als im Westen - die Anbindung an eine Metropolregion.

Bundesweit gibt es 109 Städte, in denen 50.000 bis 100.000 Einwohner leben. Nur zwölf von ihnen liegen in den neuen Ländern. Von den insgesamt 80 Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern entfallen 69 auf die alten und lediglich elf auf die neuen Länder.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »