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Herzenssache

Beschichtete Stents boomen

Wird es dem Patienten eng ums Herz, greifen Kardiologen hierzulande immer öfter zum beschichteten Stent. Sie sollen eigentlich Re-Interventionen vermeiden. Doch nach einer Analyse der Barmer GEK ist dem nicht so.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Angioplastie: Interventionelle Kardiologen setzen immer häufiger auf DES.

Angioplastie: Interventionelle Kardiologen setzen immer häufiger auf DES.

© Monkey Business / fotolia.com

BERLIN. Die Zahl der koronaren Revaskularisationen ist auf Rekordstand. Für 2013 wurden in Deutschland gut 335.000 Krankenhausfälle mit dieser Indikation verzeichnet, darunter etwa 53.000 Bypass-Operationen am offenen Herzen. Das geht aus dem Barmer GEK Report Krankenhaus 2014 hervor, den Vertreter der Kasse am Dienstag in Berlin vorgestellt haben.

Die Zahl der stationären Patienten, deren verengte Herzkranzgefäße mit Stents und Ballondilatation oder mit Bypass behandelt wurden, sei damit zwischen 2005 und 2013 um vier Prozent gestiegen, berichtete die Leiterin der Untersuchung, Professorin Eva Maria Bitzer. Drei von vier Eingriffen entfielen auf Männer.

Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Menschen, die wegen einer koronaren Herzkrankheit im Krankenhaus waren, um 24 Prozent auf 67 Betroffene je 10.000 gesetzlich Versicherte zurückgegangen.

Den Widerspruch erklären die Autoren des Reports vor allem damit, dass mehr Menschen, die früher nicht behandelt worden wären, heute behandelt werden, und mit den Re-Interventionsraten.

Der Einsatz beschichteter Stents hat demnach im Beobachtungszeitraum um 227 Prozent zugenommen. Das Versprechen einer geringeren Gefahr von Komplikationen und einer Re-Intervention könnten auch die beschichteten Stents nicht halten, sagte Bitzer.

Die Re-Interventionsraten in der Routineversorgung lägen bei allen perkutanen Interventionen binnen fünf Jahren jenseits der 30-Prozent-Marke. Studien legten dagegen nahe, dass die Re-Interventionsrate bei beschichteten Stents nur zwischen drei und vier Prozent liegen dürfe, sagte Bitzer.

Ob beschichtete Stents tatsächlich der Goldstandard seien, stehe damit in Frage, kommentierte Barmer GEK-Vize Dr. Rolf Ulrich Schlenker dieses Ergebnis. Die Mengenausweitung an dieser Stelle habe auf den ersten Blick allerdings nichts mit Preisanreizen zu tun, räumte Schlenker ein. Beschichtete Stents seien nicht teurer als die Alternativen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wertete die Ergebnisse des Reports als Beweis der hohen Leistungsfähigkeit und der Qualität der Krankenhäuser. "Die Krankenkassen sollten aufhören, steigenden medizinischen Behandlungsbedarf in den Verdacht nicht notwendiger Leistungen zu rücken", sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum am Dienstag.

Mit scharfer Kritik am Fallpauschalensystem meldete sich die Opposition zu Wort. Operationen bringen höhere Einnahmen. Nicht das Wohl der Patienten stehe im Mittelpunkt, sondern wirtschaftliche Kriterien, sagte Harald Weinberg von der Linken.

Lesen Sie dazu auch: Barmer GEK-Report: Seelische Leiden nehmen rapide zu

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