Ärzte Zeitung, 28.10.2015

Kommentar zu Notfalleinweisungen

Zurück in der Debatte

Von Anno Fricke

Es hat eine Weile gedauert, bis sich die Kassenärztlichen Vereinigungen halbwegs von den bereits vor drei Wochen vorgestellten Plänen der Koalition erholt haben, die Notfallversorgung neu zu regeln.

Am Dienstag haben sie die argumentative Gegenbewegung eingeleitet. Hilfe erhalten sie dabei aus der Wissenschaft. Eine Untersuchung zeigt auf, dass die Notfallambulanzen an Krankenhäusern Treibsatz für die Fallzahlentwicklung im stationären Sektor sind.

Knapp vier Millionen stationäre Fälle gehörten eher in die Praxen niedergelassener Ärzte als in Krankenhausbetten.

Mit diesen - nicht einmal von der Krankenhausseite bestrittenen - Zahlen versuchen Kassenärzte nun an Einfluss in der laufenden Reform des stationären Sektors zu gewinnen.

Zurecht verweist KBV-Chef Gassen auf die Fragwürdigkeit der Pläne, das Land flächendeckend mit von niedergelassenen Ärzten betriebenen Portalpraxen zu überziehen, um die Ströme der Notfallpatienten zu kanalisieren. Mehr Bedarfsplanung wäre hier sicherlich sinnvoller.

Gespannt darf man auch darauf sein, ob es den Ärzten tatsächlich gelingt, Bund und Ländern mehr Einfluss auf die Bedingungen für eine ambulante Weiterbehandlung nach einer Notfallbehandlung im Krankenhaus abzuringen.

Lesen Sie dazu auch:
Notfalleinweisung: Niedergelassene Ärzte wollen mitmischen

[28.10.2015, 12:29:24]
Dr. Wolfgang Bensch 
"Ströme von Notfallpatienten kanalisieren"
Wenn man den Kanal voll hat, wird gerne die Kanalreinigung gerufen, das System der Kanalisierung mit einem akuten Versagen lässt sich so wieder funktionsfähig machen.
Wie "kanalisiert" man gesundheitliche Probleme bei uns in Deutschland grundsätzlich mit dem Sachleistungssystem?
Hat die Kostenerstattung bezüglich einfacher "Kanalisierung" nicht erhebliche Vorteile?
Die sicheren Funktionärshorte bei den bekannten Körperschaften werden das wie stets elegant ausblenden und keinesfalls debattieren. zum Beitrag »

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