Ärzte Zeitung online, 25.08.2016

Rheuma

Jungen Patienten drohen Behandlungsbrüche

Rheumatische Erkrankungen sind weit verbreitet. Das spiegelt sich in der vertragsärztlichen Versorgung nicht wider. Mit der Volljährigkeit drohen Patienten Behandlungsbrüche.

Von Anno Fricke

BERLIN. Fachleute haben in Berlin vor einer Unterversorgung mit internistischen Rheumatologen gewarnt. Patienten verlören dadurch wertvolle Zeit, was die Therapie erschwere und die Raten von Infarkten und Schlaganfällen erhöhe.

Weniger als 1000 Angehörige dieser Fachgruppe seien an der vertragsärztlichen Versorgung beteiligt, sagte Professor Ulf Müller-Ladner im aus Bad Nauheim im Vorfeld des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Frankfurt/Main. Mehr als 600 würden zusätzlich gebraucht. Bei selteneren Indikationen wie der Schuppenflechte-Gelenkentzündung, entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen, sowie den rheumatischen Erkrankungen von Blutgefäßen und Bindegewebe könne die Spanne vom ersten Arztbesuch bis zum Beginn der richtigen Therapie ein bis fünf Jahre dauern.

Defizite konstatieren die Rheumatologen auch beim Übergang jugendlicher Rheumatiker ins Erwachsenenalter. Etwa ein Promille der Kinder in Deutschland erkrankt an einer chronischen rheumatologischen Erkrankung, meist im Alter von zwei bis sechs Jahren, berichtete Dr. Christoph Rietschel, Jugendrheumatologe in Frankfurt.

Derzeit seien 15.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Ihre Versorgung durch Kinder- und Jugendärzte mit der Spezialisierung quot;Kinder- und Jugendrheumatologiequot; sowie in Spezialambulanzen an Kliniken sei flächendeckend gut. quot;Diese Betreuungsmöglichkeiten enden schlagartig mit dem 18. Geburtstagquot;, sagte Rietschel. Danach lande der Patient oft unbetreut im quot;rheumatologischen Niemandslandquot;. In diesem Alter bewege sich der junge Mensch in Bezugsgruppen, die alles andere im Kopf hätten als mit chronischen Erkrankungen umzugehen. Ohne geregelte und beaufsichtigte Behandlung nehme die Termintreue ab.

Rietschel forderte die Kassenärztlichen Vereinigungen und die gesetzlichen Krankenkassen auf, eine Übergangsphase bis zum 21. Lebensjahr zuzulassen, in der die Jugendärzte und die Erwachsenenmediziner die Patienten eventuell auch unter Einbeziehung von Fallmanagern auf den selbstständigen Umgang mit der Krankheit vorbereiten könnten. quot;Die überlappende Betreuung mit in der Regel einem einzigen Übergabetermin ist nicht genugquot;, warnte Rietschel.

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