Ärzte Zeitung, 24.12.2013

EBM 2013

Zum Jahresende gilt's

Die diesjährige Lage der Weihnachtsfeiertage und die Quartalspremiere des neuen Hausarzt-EBM lassen das Dezember-Ende für Vertragsärzte noch einmal herausfordernd werden. Wir erklären, was jetzt zu tun ist.

Von Peter Schlüter

checkliste-A.jpg

Wichtige Fragen zur korrekten Abrechnung müssen jetzt einfach abgearbeitet werden.

© peshkova / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Am Ende eines jeden Quartals stehen Routinearbeiten an, die vor allem der Kontrolle der vollständigen und korrekten Leistungsabrechnung dienen.

In diesem Quartal ergeben sich jedoch ein paar Besonderheiten, die sowohl von allen Fachrichtungen, als auch speziell von Hausärzten zu beachten sind: Die Feiertage liegen diesmal arbeitnehmerfreundlich mitten in der Woche, so dass viele Praxen dies nutzen und sich ein paar freie Tage genehmigen.

Doch Vorsicht: Mit der diesjährigen Anordnung der Feiertage naht das Quartalsende womöglich schneller als Sie denken. Für die Hausarztpraxen ergibt sich zusätzlicher Arbeitsaufwand durch die Anwendung des neuen EBM.

Was jetzt zu tun ist

Die Routinearbeiten, die jedes Quartal anfallen, sind klar: Ist die Versichertenkarte eingelesen? Sind alle DMP (Disease-Management-Programme) gemacht? Sind die Chronikerpauschalen (im fachärztlichen Bereich zum Beispiel die onkologische Betreuungspauschale, in orthopädischen Praxen die entsprechenden Zuschlagspauschalen) vollständig abgerechnet?

Sind die notwendigen Arzt-Patienten-Kontakte dokumentiert? Sind die Diagnosen entsprechend den Anforderungen des EBM korrekt und vollständig nach ICD-10-GM verschlüsselt?

Auch die Frage, ob alle Leistungen komplett erfasst und abgerechnet sind, sollten Sie sich stellen. Hier geht erfahrungsgemäß immer wieder viel Honorar verloren. Ist bei allen oder doch fast allen Patienten die Grund- beziehungsweise Versichertenpauschale abgerechnet?

Unterschätzen Sie nicht die Honorar-Wirkung derjenigen Fälle, bei denen die Grund- beziehungsweise Versichertenpauschale nicht abgerechnet wurden, sondern lediglich die Verwaltungspauschale (GOP 01430). Sie haben jetzt nur noch wenige Tage Zeit, für die entsprechende Voraussetzung zu sorgen, nämlich den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt.

In Hausartpraxen fallen bedingt durch den geänderten EBM neue Aufgaben zum Quartalsende an. Hierzu gehört die Kontrolle der Voraussetzungen zur Abrechnung der Chronikerpauschale: War der Patient wegen derselben Erkrankung innerhalb der vergangenen vier Quartale in mindestens drei Quartalen in der Praxis (Arzt-Patienten-Kontakt) und waren davon mindestens zwei Arzt-Patienten-Kontakte persönlich?

Chroniker identifizieren!

Darüber hinaus ist es eine enorme Arbeitserleichterung, wenn Sie Ihre chronisch kranken Patienten, ebenso wie die geriatrischen Patienten jetzt definieren und kennzeichnen. Die Kennzeichnung kann mittels aller EDV-Systeme erfolgen.

Sie können dazu an einer bestimmten Stelle Ihrer EDV die entsprechenden EBM-Ziffern eingeben, die jedes Quartal erneut abzurechnen sind. Das gilt zum Beispiel für die sogenannten Laborkennnummern, das gilt für die onkologische Pauschale, aber auch für die Chronikerzuschläge und die geriatrische Betreuungspauschale.

Durch Hinterlegen der Leistungspositionen bei den betreffenden Patienten müssen Sie nicht jedes Quartal erneut prüfen, ob dieser oder jener ein Chroniker ist, ob die Voraussetzungen für die onkologische Zusatzpauschale oder auch zur Berechnung des hausärztlich-geriatrischen Betreuungskomplexes zutreffen.

Mit dem Einlesen der Chipkarte werden Sie automatisch von Ihrem System auf die abzurechnenden EBM-Ziffern aufmerksam gemacht. Damit reduziert sich auch die Rate der vergessenen Leistungspositionen.

Alles richtig verschlüsselt?

Zuletzt muss geprüft werden, ob die für die Berechnung bestimmter Leistungen geforderten Diagnoseangaben vorhanden und korrekt nach ICD-10-GM verschlüsselt sind. Achten Sie auch auf die Forderung in einigen Leistungspositionen nach der "gesicherten" Diagnoseangabe.

Das heißt, die korrekte Verschlüsselung muss den Zusatz "G" für gesicherte Diagnose beinhalten. Die onkologische Zusatzpauschale ist ebenfalls an definierte und entsprechend kodierte Diagnosen gebunden.

Für das hausärztliche Gespräch (GOP 03230) ist das Vorliegen einer "lebensverändernden" Erkrankung gefordert. Achten Sie deshalb darauf, dass auch eine solche entsprechend kodiert in Ihrer Abrechnung auftaucht.

Hausärztliche Checkliste zum Quartalsende

  • Alle Versichertenkarten eingelesen?
  • Versichertenpauschale konsequent abgerechnet?
  • Arzt-Patienten-Kontakte dokumentiert?
  • Voraussetzung für Chroniker-Pauschale geprüft?
  • Chroniker-Pauschale konsequent abgerechnet?
  • Gesprächsleistungen konsequent abgerechnet?
  • Geriatrieleistungen vollständig abgerechnet?
  • Palliativmedizinische Leistungen vollständig abgerechnet?
  • Sind alle Chroniker, geriatrische Patienten definiert?
  • Alle DMP durchgeführt und dokumentiert?
  • Diagnosen und Diagnoseschlüssel geprüft?

Fachärztliche Checkliste zum Quartalsende

  • Alle Versichertenkarten eingelesen?
  • Grundpauschale konsequent abgerechnet?
  • Arzt-Patienten-Kontakte dokumentiert?
  • Chroniker-Pauschale abgerechnet?
  • Onkologische Pauschale abgerechnet?
  • Diagnosen und ICD-10-GM-Kodierung f. onkolog. Pauschale geprüft?
  • Alle DMP durchgeführt und dokumentiert?
  • Ist das Recall-System gepflegt, alle Patienten erfasst?
[28.12.2013, 14:47:40]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Herzlichen Dank, Herr Kollege Peter Schlüter!
Für diese hervorragende Checkliste zur Quartalspremiere des neuen Hausarzt-EBM.

Jetzt müsste sich nur noch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erklären und darüber informieren, warum

• die sogenannte "Chronikerziffer" GOP 03220 (13,00 Euro) in der Abrechnung zunächst korrekt dokumentiert, aber mit dem zweiten "Chroniker"-Kontakt und der GOP 03221 (insgesamt 15,00 Euro) dokumentar- und ersatzlos gelöscht wird?
• die GOP 03230/04230 entgegen allen KBV-Beteuerungen (www.kbv.de/honorar) n i c h t "als Einzelleistung ab(zu)rechnen", sondern budgetiert und pro Patient pro Quartal maximal nur h ä l f t i g abrechenbar ist?
• ein derart substanzieller Unterschied zwischen Hausarztpraxen mit 1.199 und 1.201 Scheinen pro Quartal besteht, das knapp 1.700 Euro Mehrumsatz drin sind - außer Honorar-Dilettantismus und -Protektionismus von Patienten-Massenabfertigung in Großpraxen statt individualisierter Medizin?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
[26.12.2013, 17:14:33]
Dr. Daniela Eckert 
Chroniker Pauschale Facharzt
Welche Chronikerpauschale für Fachärzte gibt es denn? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »