Ärzte Zeitung, 04.02.2015

KV Thüringen

Höheres Honorar ist kein Geschenk

Beim Praxisumsatz liegen die Hausärzte in Thüringen regelmäßig im bundesweiten Spitzenfeld. Zu Recht, wie die KV nun vorrechnet.

WEIMAR.Als Hausarzt in Thüringen zu arbeiten, lohnt sich finanziell. Die rund 1600 Allgemeinmediziner und hausärztlich tätigen Internisten im Freistaat müssen dafür aber auch mehr tun als ihre Kollegen in den meisten anderen Bundesländern.

Beim Praxisumsatz liegen sie inzwischen regelmäßig im bundesweiten Spitzenfeld, was die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) veröffentlichten Honorarberichte belegen.

Das gilt auch für die Hausärzte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. "Dieser höhere Praxisumsatz wird durch mehr Arbeit erzielt, darauf haben wir immer hingewiesen", sagt Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT).

Zuletzt hatte die KBV Ende 2014 den Honorarbericht für das 3. Quartal 2013 vorgelegt (wir berichteten). Darin waren Thüringens Hausärzte mit 63.158 Euro Praxisumsatz bundesweiter Spitzenreiter.

Dividiert man diesen durch den Fallwert von 57,50 Euro, wird klar, was Auerswald meint. Im Schnitt behandelten Thüringens Hausärzte im analysierten Zeitraum 1098 Patienten. Zum Vergleich: in Hamburger Praxen kamen nur 776 Patienten und selbst im Flächenland Westfalen-Lippe waren es im Schnitt nur 861.

Dass ostdeutsche Hausärzte mehr Patienten behandeln, ist kein neues Phänomen. Der im Auftrag von KBV und NAV-Virchow-Bund alle zwei Jahre erarbeitete "Ärztemonitor" dokumentierte dies zuletzt 2014 (wir berichteten).

In den Wartezimmern Thüringer Hausärzte sitzen demnach täglich 58 Patienten, im Bundesschnitt sind es nur rund 40. Ihre Wochenarbeitszeit ist mit 55 Stunden ebenfalls länger als im Bundesdurchschnitt (52,5) und auch bei Hausbesuchen liegen sie darüber: vier Stunden pro Woche (Bund: 2,8 Stunden).

Hauptgrund für diese Situation ist die Bevölkerungsentwicklung. Die Abwanderung junger Leute in westliche Bundesländer seit den 1990er Jahren lässt zwischen Südharz und Sonneberg ganze Regionen vergreisen - alte Menschen aber sind krankheitsanfälliger und behandlungsaufwändiger. Seit Einführung der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) in 2009 berücksichtigt das die Honorierung immerhin stärker.

Vor diesem Hintergrund hält die KVT die deutlichen Sprünge bei der ärztlichen Gesamtvergütung der vergangenen Jahre für gerechtfertigt. 2013 verzeichnete Thüringen die mit fast sieben Prozent bundesweit höchste Steigerung der MGV, 2014 waren es immerhin noch 4 Prozent.

"Gutes Honorar ist ein Baustein - nicht zuletzt, um Nachfolger für frei werdende Praxen zu finden", so Auerswald. Die gestaltet sich vor allem in ländlichen Regionen seit Jahren schwierig, derzeit sind allein 60 Hausarztpraxen unbesetzt. (zei)

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