Ärzte Zeitung online, 18.12.2015

Erstes Quartal 2014

Ein Stück mehr Honorar für alle Ärzte

Erfreulich: Alle Arztgruppen haben Anfang 2014 einen Honorar-Zuwachs verzeichnet, berichtet die KBV. Die Gesamtvergütung ist um 4,7 Prozent auf rund 8,7 Milliarden Euro gestiegen. Auffällig: Der Anteil des extrabudgetären Honorars hat sich weiter erhöht.

Von Hauke Gerlof

Ein Stück mehr Honorar für alle Ärzte

Egal ob Hausärzte oder Fachärzte: Alle Arztgruppen notierten im ersten Quartal 2014 ein Plus an Honorar.

© nyul / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Mühlen der Bilanzabteilung der KVen mahlen offensichtlich langsam: Fast 21 Monate hat es gedauert, bis die Kassenärztliche Bundesvereinigung alle Daten für den Honorarbericht zum ersten Quartal 2014 vorgelegt hat, also sechs Monate länger als beim Bericht für das vierte Quartal 2013.

Doch auch nach so langer Zeit bieten die Zahlen einen guten Überblick über die Trends der Honorarentwicklung im vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Bereich. Auch ein KV-übergreifender Vergleich und ein Blick über die Grenzen der eigenen Fachgruppe sind damit möglich.

Die Zahlen für das erste Quartal 2014 können sich durchaus sehen lassen: Laut Honorarbericht haben sich im Bundesdurchschnitt sowohl die Honorarumsätze der Vertragsärzte und -psychotherapeuten als auch ihre Fallwerte um 3,9 Prozent erhöht.

Fallwert erstmals über 60 Euro

Der Fallwert ist damit nun auch in einem ersten Quartal erstmals über 60 Euro gestiegen. Die Höhe des Honorarumsatzes je Arzt bewegte sich in QI/2014 zwischen 43.275 Euro (KV Berlin) und 65.399 Euro (KV Mecklenburg-Vorpommern). Der Bundesdurchschnitt lag bei 54.081 Euro.

Im hausärztlichen Versorgungsbereich stiegen die Fallwerte schneller als bei allen Ärzten (plus 7,2 Prozent), dennoch stiegen die Honorarumsätze langsamer (plus 2,2 Prozent) auf bundesweit 53.453 Euro.

Mit einem Fallwertzuwachs um 23 Prozent katapultierten sich die Ärzte aus dem hausärztlichen Versorgungsbereich in Thüringen auch beim Honorarumsatz je Arzt bundesweit an die Spitze.

Im fachärztlichen Versorgungsbereich gingen die Fallwerte um 1,7 Prozent auf 66,20 Euro nach oben, der Honorarumsatz je Arzt kletterte um genau fünf Prozent auf 52.590 Euro.

EGV schoss in Hamburg nach oben

Etwas stärker als der Honorarumsatz je Arzt stieg im ersten Quartal 2014 die Gesamtvergütung. Sie legte um 4,7 Prozent auf 8,716 Milliarden Euro zu.

Dies sei insbesondere auf hohe Steigerungen in den extrabudgetären Gesamtvergütungen (EGV) zurückzuführen, heißt es dazu im Honorarbericht.

In Hamburg schoss die EGV gar um 52,7 Prozent nach oben, in Schleswig-Holstein um 24,1 Prozent. In den Regionen liegt der Anteil der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) zwischen 61 und 73,4 Prozent.

"In allen KVen lässt sich ein Sinken dieses Anteils im Vergleich zum Vorjahresquartal beobachten", so der Honorarbericht, der Anteil der EGV stieg im Bundesschnitt von 30,8 auf 32,7 Prozent. Leistungen der EGV werden mit festem Punktwert bezahlt.

Der Honorarbericht im Internet: www.kbv.de

[21.12.2015, 15:01:41]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ein Stück mehr Honorar für alle Ärzte? - Ein Stück mehr Desinformation für Hausärzte?
Bevor der KBV-Vorstandsvorsitzende und orthopädische Kollege Dr. med. Andreas Gassen wieder einmal ob der um durchschnittlich 3,9 Prozent "gestiegenen" Honorarumsätze je Arzt im ersten Quartal 2014 (sic!) gegenüber dem Quartal 1/2013 in ekstatische Verzückungen gerät, sollte er bitte berücksichtigen:

1. wir haben demnächst den Jahreswechsel 2015/2016;
2. sind die Zahlen von 1/2014 und 1/2013 nicht saisonal bereinigt worden;
3. stiegen die Honorar-Umsätze im fachärztlichen Versorgungsbereich um fünf %,
4. während es bei den Hausärzten nur ein Plus von 2,2 Prozent je Arzt gab;
5. das belegt zum Nachteil der Hausärzte eine Disparität von 127 Prozent (!);
6. ein weiterer Nachweis, dass die haus- und fachärztliche Parität, von der KBV-Vertreterversammlung (KBV-VV) bisher immer wieder torpediert, jetzt per Ersatzvornahme des Bundesgesundheitsministeriums gegen die KBV-VV durchgesetzt werden musste.

Dass lediglich nur für jede zehnte Leistung keine Vergütung erfolgt, ist wohl ein KBV-Vorstands-Treppenwitz. Regina Feldmann, stellvertretend für den haus-ärztlichen KBV-Bereich, weiß genau, dass viele haus-ärztlichen Leistungen nach dem neuen Hausarzt-EBM entweder gar nicht, nur teilweise bzw. budgetiert abrechnbar sind. Sie fallen aus jeder Leistungs-Statistik heraus, weil sie bei Mehrfach-Inanspruchnahme gar nicht mehr dokumentierte werden können.

Das scheint auch der eigentliche Grund für das Ausbleiben oder den Totalausfall eines neuen f a c h ä r z t l i c h e n EBM zu sein - denn die Mehrheit der Fachärzte in der KBV-VV würden derart massive Einschränkungen ihrer
Umsatz-Honorare niemals hinnehmen.

Konkretes Beispiel: Die zur letzten Hausarzt-EBM-Reform gehörenden neuen EBM GOP 03230 bzw. 04230 (Problemorientiertes ärztliches Gespräch als "Butter-und-Brot"-Ziffer) sind gar n i c h t als Einzelleistung abrechnbar, denn sie sind budgetiert und pro Patient pro Quartal nur h ä l f t i g berechnungsfähig. Sie betragen 90 Punkte (9,24 Euro); das Gesprächskontingent bei 1.000 Scheinen im Quartal beträgt aber nur 4,12 Euro (45 Punkte) - vgl. www.kbv.de/honorar
Abrechnungen über dieses Kontingent hinaus werden unabhängig von erbrachten Leistungen, Multimorbidität, Mehrfachinanspruchnahme und Mehrbedarf ersatzlos gestrichen.

Den versteckten K.O.-Katalog der jüngsten EBM-Reform, der im EBM gar nicht klar in Erscheinung tritt, hat der ÄZ-Abrechnungsexperte und Kollege Dr. Dr. Peter Schlüter, Allgemeinmediziner in Hemsbach, schon am 27.5.2015 erläutert:
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/article/886767/abrechnungstipps-versteckte-ko-katalog.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[18.12.2015, 19:18:15]
Dr. Henning Fischer 
ist mir jetzt erst aufgefallen: "im ersten Quartal 2014"

wer mit so alten Gurken in Honorarverhandlungen geht, der hat sie doch nicht alle!
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[18.12.2015, 17:29:41]
Dipl.-Psych. Wolff Henschen 
Honorierung nach wie vor nicht BSG konform
Diese Meldungen sind doch wirklich eine Unwahrheit: der EBM zum 01.01.16 zeigt: das Honorar ist NICHT 4,4% höher für Psychotherapie und die jetzt beschlossenen Nachzahlungen sind weder BSG, noch verfassunsgkonform! Welchen Zweck verfolgen diese Fehlinformationen ?  zum Beitrag »
[18.12.2015, 12:11:27]
Dr. Henning Fischer 
Gassen: Jede zehnte Leistung bekommen Ärzte nicht vergütet

aha

und warum sagt die KVWL dann offiziell, die Krankensparkassen bezahlen nur 62% der erbrachten Leistungen?

Das sind ja massive Unterschiede. Versucht Herr Gassen uns zu betuppen?
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