Kongress, 12.04.2016

Festveranstaltung zum DGIM-Kongress

Innovation - die große Herausforderung

Was bringt Innovation, was kann sie bewirken? Ein Thema mit vielen Facetten, wie die Festveranstaltung zum Internistenkongress am Sonntagabend in Mannheim gezeigt hat.

Von Christoph Fuhr

Innovation - die große Herausforderung

Professor Gerd Hasenfuß begrüßt die Gäste bei der Festveranstaltung zum Internistenkongress.

© Andreas Henn

MANNHEIM. "Digitaler Wandel fordert Innovation" - dieses Motto des Internistenkongresses 2016 wollte der Präsident der Bundesärztekammer Professor Frank Ulrich Montgomery in seiner Grußrede bei der Festveranstaltung zum Internistenkongress  genereller fassen.

"Wandel erfordert Innovation" - dieser Anspruch, so Montgomery, sei eine große Herausforderung und die Ärzteschaft sei aufgerufen, selbst das Heft in die Hand zu nehmen.

"Wenn wir nicht von uns aus versuchen zu gestalten, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass über uns entschieden wird und wir keine Chance haben, das zu tun, was wir selber möchten", warnte der BÄK-Präsident und richtete in seiner Rede auch den Blick auf die Dauerdebatte um die GOÄ-Reform .

"Schwierige Verhandlungsposition"

Nur die demokratisch verfasste Ärzteschaft könne die GOÄ für die Ärzte verhandeln, und das seien die Kammern. Es gehe dabei um einen legitimen Interessensausgleich zwischen einer auskömmlichen GOÄ, die die Einkommen der Ärzte berücksichtigt, und den Interessen der Patienten vor Überforderung.

"Wir befinden uns in einer schwierigen Verhandlungsposition, sind aber nach wie vor auf einem guten Weg", gab sich Montgomery optimistisch. "Alle werden beteiligt, wenn es eine Vorlage gibt, an der man sich auch beteiligen kann."

Dr. Hans-Friedrich Spies, neu gewählter Präsident des Berufsverbandes deutscher Internisten (BDI), reagierte direkt auf Montgomerys Ankündigung. "Ich habe Ihr Angebot sehr positiv aufgenommen und freue mich von Seiten der Fachgesellschaften und der Berufsverbände  auf die notwendigen Gespräche", sagte Spies.

Zugleich gehe er davon aus, "dass wir diesen Dialog in einem vernünftigen Stil von beiden Seiten führen wollen." Das sei für die deutsche Ärzteschaft eminent wichtig.

Was bedeutet Innovation?

Mehr vom DGIM-Kongress

Weitere Berichte vom Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim finden Sie hier: aerztezeitung.de/dgim2016

Doch was bedeutet Innovation? Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, richtete in ihrer Begrüßungsrede den Fokus auf ein Ereignis der Medizingeschichte: Stéphane Tarnier, Arzt in einem Geburtskrankenhaus für mittellose Frauen, besuchte 1878 eine Ausstellung von Brutkästen für Hühnereier im Zoo von Paris.

Er wusste: Zu früh geborene Säuglinge brauchen es mollig, damit sie gedeihen.

Tarniers Überlegung: Warum sollte nicht auch den Menschen helfen, was den Vögeln nützt? Er gab einen beheizbaren Brutkasten für Babys in Auftrag, der 1880 zum Patent angemeldet wurde.

Mit seinem Einsatz reduzierte sich die Sterblichkeitsrate von zu früh Geborenen in kurzer Zeit um fast 30 Prozent. Die Technik wurde mehr und mehr verfeinert, der Inkubator gehörte bald darauf zur Standardausrüstung in Kliniken.

Die Lehren sind für Widmann-Mauz auch heute noch hoch relevant: Innovation müssen zwingend einen wirklichen Fortschritt für mehr Lebensqualität und Lebenschancen bieten, sagte sie. Dieser Fortschritt dürfe nicht nur wenige, sondern müsse viele Menschen erreichen.

Innovationen müssten eine nachhaltige Wirkung entfalten und bedürften politischer Unterstützung: Es waren Pariser Behörden, die den Inkubator als Standard in allen Kliniken verbindlich vorschrieben.

Das Thema sei auch aktuell relevant, sagte Widmann-Mauz und nannte in diesem Zusammenhang das E-Health-Gesetz. Es lege die Grundlage für den wichtigen Ausbau einer Telematik-Infrastruktur in Deutschland. "Sie ist längst überfällig", sagte die Staatssekretärin, "jetzt haben wir die Chance, dieses Ziel zu realisieren."

Kongresspräsident Professor Gerd Hasenfuß richtete in seiner Rede den Blick auf die digitale Medizin. "Eine Verweigerung, ja auch schon eine Passivität der Medizin gegenüber der digitalen Revolution ist absolut kontraindiziert", sagte er. Wir würden eine riesige Chance vergeben, den Weg mit zu bestimmen."

Wohin geht die Reise?

Er nannte konkrete Zahlen: 85 Prozent aller erwachsenen Deutschen sind im Internet unterwegs, 60 Prozent haben inzwischen ein Smartphone. "Die DGIM will die Digitale Medizin aktiv mitgestalten und ihre Mitglieder mitnehmen", stellte der Kongresspräsident klar.

Und er ließ keinen Zweifel, dass seine Fachgesellschaft gut aufgestellt ist für künftige Herausforderungen. Hasenfuß: "Wir nehmen unsere Aufgabe als konnektive und integrative Kraft der internistischen Schwerpunkte wahr - zukunftsgerichtet, verantwortungsbewusst und zum Wohl unserer Patienten."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »