Ärzte Zeitung, 13.10.2016

Unverständlich

Warum die Telemedizin in Deutschland nur zögerlich ankommt

Ein Kommentar von Anno Fricke

Die Telemedizin entwickelt sich schneller, wo die Wege in die Arztpraxen oder Kliniken weit und schwer zu bewältigen sind. Australier zum Beispiel haben deshalb wenig Berührungsängste, wenn es um psychotherapeutische Behandlungen per Internet geht. Auch Schweden und Finnen sind vorne mit dabei.

Aber es funktioniert auch in Mitteleuropa. In den Niederlanden und Großbritannien nutzen Therapeuten wie selbstverständlich das Internet zur Behandlung.

Die Schwerfälligkeit im Umgang mit der Telemedizin in Deutschland erschließt sich daher nicht auf den ersten Blick. Die Wege zur Versorgung sind kurz.

Dennoch scheuen viele Menschen mit seelischen Leiden den Gang in die therapeutische Praxis. Für den Agoraphobiker wäre ja schon das der Therapieerfolg schlechthin. Er bräuchte allerdings einen Einstieg. Warum nicht per Internet?

Da die psychotherapeutische Versorgung ohnehin auf Kante genäht ist, sind Erleichterungen bei der Fernbehandlung überfällig. Die Bedächtigkeit der Politik hat aber auch etwas Gutes: Zunächst muss jemand sowohl für Ärzte als auch Patienten eine Schneise in den wuchernden Wildwuchs an Angeboten schlagen.

Klar verständliche Qualitätsstandards müssen her. Auch für die Abrechnung gibt es noch keine Regeln.

Lesen Sie dazu auch:
Keine Wartezeit, weniger Scham: Online-Therapie klopft an die Tür zur Regelversorgung

[15.10.2016, 10:28:27]
Wolfgang P. Bayerl 
Das Trommelfeuer der "Digitalisierung" ist unmenschlich!
Warum bitte soll Telemedizin "zu wenig" sein?
Erst mal vernünftig begründen! Das stimmt doch hinten und vorne nicht. Der verständliche Wunsch irgendwelcher Technikanbieter ist ja verständlich, aber noch keine Begründung!
Ich habe Teleradiologie in der Praxis ausreichend kennen gelernt. Ein Fortschritt?
NEIN, ein Rückschritt selbstverständlich, nur etwas billiger.
Nach der RöV streng genommen VERBOTEN, die ist dann plötzlich nicht mehr so wichtig???
Der Röntgenologe muss danach schon die Indikation zur Untersuchung SELBST stellen, schon vergessen?
Die "Sachleistungsanforderung" ist rechtlich ein Konsiliarauftrag.
Wie kann er das, wenn er teleradiologisch 200km entfernt ist? Das ist Realität.
Der Radiologe sitz also nicht da, wo sich das Rö-Gerät befindet.
Und das Ergebnis ist selbstverständlich SCHLECHTER als ohne Teleradiologie, sowohl bei der exakten Ausführung der Untersuchung selbst, also was und wie man hier am besten untersucht,
als auch,
der nächste noch wichtigere Punkt, darauf lege ich den größten Wert,
die exakte SCHRIFTLICHE (vorgeschrieben in der RöV) fachärztliche Befundung.
Wofür ist man sonst Facharzt. Die erfolgt oft erst Tage später.
Diese möchte man nicht selten sofort, zumindest am gleichen Tag sehen.
Da hapert es auch zunehmend und (falsche) "Vorabbefunde" von irgendwelchen Assistenten sind oft schlimmer als gar keine.
Das ist der FORTSCHRITT.
"Digitalisierung" ist beides, nicht nur Fortschritt, auch die Kehrseite, die Gefahr, die Entmenschlichung wird geradezu vorsätzlich ausgeblendet. Der Mensch ist kein Auto.
Auch wenn eine Autoreparaturwerkstatt weniger in Frage gestellt wird wie ein Krankenhaus.
Es kommen also Menschen zu Schaden durch "Telemedizin"!!! zum Beitrag »
[14.10.2016, 09:27:08]
Johannes Bittner 
Telemedizinische Arzt-Konsultationen können sinnvoll sein
Es gibt zahlreiche Behandlungsanlässe, bei denen Telemedizin – zum Beispiel in Form von Video-Sprechstunden – sinnvoll für Arzt und Patient ist. Bei psychotherapeutischer Versorgung ist tatsächlich vorstellbar, dass ein telemedizinischer Kontakt die Hürde herabsenkt, bei Beschwerden einen Arzt zu konsultieren. "Warum nicht?" ist eine Frage, die wir in diesem Kontext öfter stellen sollten. Empfehlenswert zu diesem Thema ist auch der Beitrag von Timo Thranberend zur digitalen Arzt-Patient-Kommunikation http://blog.der-digitale-patient.de/digitale-arzt-patienten-kommunikation-video-sprechstunde/ zum Beitrag »

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