Ärzte Zeitung, 16.09.2008

Betongold gibt es momentan zu Schnäppchenpreisen

Nach den hohen Kursverlusten bis zum Frühsommer scheinen die Kurse für Immobilienaktien wieder gut zu stehen. Analysten zeigen sich optimistisch.

Von Richard Haimann

Büroimmobilien: Die Aktien stehen günstig.

Foto: FCS Photography©www.fotolia.de

Die Finanzkrise hat die Kurse von Immobilienaktien in der Vergangenheit kräftig abstürzen lassen. Weil Banken nur noch zurückhaltend und gegen Risikozinsaufschläge Darlehen für Immobilieninvestments zur Verfügung stellen, erwarteten viele Anleger, dass die Gesellschaften hohe Verluste einfahren - und warfen die Papiere bis zum Frühsommer dieses Jahres auf den Markt. "Die zuvor als Betongold gepriesenen Papiere gerieten zu Betonblech", sagt Dieter Thomaschowski, Immobilienaktienanalyst bei Investment Research in Change (IRICIC).

Deutsche Immobilienaktien traf es dabei am härtesten. Nach Berechnungen von Global Property Research (GPR) fielen ihre Kurse in den zwölf Monaten von Anfang Juli 2007 bis Ende Juni dieses Jahres um durchschnittlich 48,7 Prozent - ein weltweiter Negativrekord. Selbst in Großbritannien gaben die Börsennotierungen der Papiere im Schnitt nur um 30,8 Prozent nach.

Dabei war im Herbst 2007 die bislang größte Spekulationsblase am Immobilienmarkt der Insel geplatzt, fielen die Preise von Gewerbeimmobilien seither um 25 Prozent, die von Eigenheimen um elf Prozent. In Deutschland gaben die Immobilienwerte dagegen nur um rund fünf Prozent nach.

Sinkende Leitzinsen erhöhen die Attraktivität der Papiere

In den USA, Epizentrum der globalen Finanzmarktkrise, stiegen in den vergangenen sechs Monaten die Kurse von Immobilienaktien nach der GPR-Statistik sogar wieder um 0,7 Prozent. "Die US-Notenbank hat ihren Leitzins als Antwort auf die Krise an den Kapitalmärkten schnell auf zwei Prozent herabgesenkt", erläutert Thomaschowski. "Das hat die Renditen von Staatsanleihen gedrückt und Anlegern Appetit auf die dividendenstarken Immobilienwerte gemacht."

Auch deutsche Immobilienaktien könnten nun wieder in den Fokus der Börsianer geraten, glaubt der Analyst. "Am Jahresende werden die Papiere vermutlich wenigstens zehn Prozent höher notieren als heute." Bereits im Juli und August seien die Kurse nicht weiter gefallen. Wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung werde die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen senken müssen. "Das wird Immobilienaktien mit ihren Dividendenrenditen von teilweise mehr als fünf Prozent wieder attraktiv machen", sagt Thomaschowski.

Ähnlich argumentiert HSH-Nordbank-Experte Stefan Goronczy: "Die zurückgehenden Rohstoffnotierungen mildern den Inflationsdruck und ermöglichen damit der EZB Spielraum für Zinssenkungen." Das sollte Immobilienunternehmen trotz der Kreditklemme Zugang zu günstigeren Darlehen verschaffen und zugleich dividendenstarke Aktien stärker in den Fokus der Anleger rücken lassen. Was nach Goronczys Meinung noch für die Papiere spricht: "Die Börsenkurse der meisten deutschen Immobilienunternehmen notieren deutlich unter ihrem Nettovermögenswert."

Deutsche Firmen sind meist noch unterbewertet

Das zeigen auch die jüngst veröffentlichten Halbjahreszahlen der deutschen Immobilienunternehmen. Die IVG, Deutschlands größte börsennotierte Immobilienfirma, hatte im ersten Halbjahr ihr Portfolio um 168,3 Millionen Euro oder 2,9 Prozent auf 5,66 Milliarden Euro oder 27,62 Euro je Aktie abgewertet. An der Börse wird das Papier jedoch für weniger als 15 Euro gehandelt.

Beim Projektentwickler IFM Immobilien beträgt der Nettovermögenswert 16,30 Euro je Aktie, er liegt damit rund 50 Prozent über dem gegenwärtigen Börsenkurs. Frank Neumann, Analyst beim Bankhaus Lampe: "Langfristig orientierte Anleger können sich deutsche Immobilienaktien zu Schnäppchenpreisen ins Depot legen."

Das empfehlen Analysten

Auf den Empfehlungslisten der meisten Analysten stehen derzeit neben der IVG (WKN 620570), der Einkaufscenter-Betreiber Deutsche Euroshop (WKN 748020) und der Büroimmobilienverwalter Alstria Office (WKN A0LD2U), dessen Dividendenrendite auf dem gegenwärtigen Kursniveau rund sechs Prozent beträgt. Beim Wohnungskonzern Gagfah (WKN A0LBDT) beträgt die Dividendenrendite aktuell sogar mehr als acht Prozent. Wegen der hohen Verschuldung der Gesellschaft sehen die meisten Analysten in dieser Aktie jedoch noch nur eine Halteposition.

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