Ärzte Zeitung, 10.02.2009

Aktienfonds eignen sich nicht fürs schnelle Geld

Anleger müssen ihre Engagements in Aktienfonds aktiv managen. Sonst drohen bei Börseneinbrüchen hohe Verluste.

Von Richard Haimann

Wer die vergangenen 20 Jahre in offene Immobilienfonds investierte, erzielte im Schnitt die höchste Rendite.

Nach einer neuen Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) haben Fonds, die in deutsche Aktien investierten, ihren Sparern von Anfang 1999 bis Ende vergangenen Jahres im Schnitt einen Verlust von 9,8 Prozent beschert. Bei Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Europa betrug das Minus über den Zehnjahreszeitraum sogar 28,6 Prozent und bei internationalen Aktienfonds 18,2 Prozent. Hingegen konnten Anleger mit Euro-Rentenfonds, die in Anleihen von Staaten der europäischen Gemeinschaftswährung investieren, in diesem Zeitraum eine Rendite von durchschnittlich 39,8 Prozent erzielen. Offene Immobilienfonds warfen im Schnitt sogar einen Ertrag von 47,1 Prozent ab.

Statistik berücksichtigt Ausgabeaufschläge nicht

"Die hohen Verluste der Aktienfonds seit 1999 sind die Folge der beiden Börseneinbrüche von 2001 und 2008", sagt ein BVI-Sprecher. Von Anfang 1999 bis zu Beginn des vergangenen Jahres hatten internationale Aktienfonds noch ein Plus von 37,3 Prozent erwirtschaftet. Durch die Finanzkrise verzeichneten diese Fonds 2008 im Schnitt jedoch einen Verlust von 40,4 Prozent. Das trübt auch die langfristige Rendite: Über die vergangenen 20 Jahre hingegen warfen internationale Aktienfonds einen Gesamtertrag von 144,2 Prozent ab. Mit Euro-Rentenfonds kamen Sparer aber auf eine Rendite von 189,3 Prozent und mit Immobilienfonds auf 176,9 Prozent.

Nicht berücksichtigt in der BVI-Berechnung ist der Ausgabeaufschlag von meist fünf Prozent, den Anleger zahlen müssen, wenn sie Fonds über Banken und Sparkassen erwerben. Werden diese Provisionsgebühren an die Finanzinstitute einberechnet, ergibt sich bei internationalen Aktienfonds über den Zehnjahres-Zeitraum hinweg ein Minus von 22,3 Prozent. Bei den offenen Immobilienfonds fällt durch den Ausgabeaufschlag die Rendite von 47,1 auf 39,8 Prozent. "Anleger können die Provisionsgebühren sparen, wenn sie Fonds über Discountbroker erwerben", rät Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen.

Auch die Inflationsrate von durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr ist in der BVI-Statistik nicht berücksichtigt. Wird die Teuerung mit berechnet, hätten Anleger mit internationalen Aktienfonds seit 1999 pro Jahr vier Prozent an Kaufkraft verloren, mit Rentenfonds hingegen 1,4 Prozent und mit Immobilienfonds 1,9 Prozent pro Jahr an Kaufkraft gewonnen.

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