Ärzte Zeitung, 25.01.2010

Bei Lebensversicherungen bleibt die Verzinsung hoch

In der Wirtschaftskrise sind die Lebensversicherungen und die privaten Rentenversicherungen immer noch ein relativ sicherer Hort - jedenfalls bis jetzt. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Rating-Agentur Assekurata.

Von Friederike Krieger

KÖLN. Gute Nachrichten für niedergelassene Ärzte, die eine Lebensversicherung oder private Rentenversicherung abgeschlossen haben: Die Kölner Ratingagentur Assekurata rechnet damit, dass das gegenwärtige Zinsniveau in Zukunft weitgehend stabil bleibt. "Große oder schnelle Veränderungen in die eine oder andere Richtung sind kurzfristig nicht zu erwarten", sagt der Geschäftsführer Dr. Reiner Will. Die RatingAgentur analysiert jährlich, was die Lebensversicherer ihren Kunden gutschreiben.

Versicherte, die eine klassische Lebensversicherung abgeschlossen haben, erhalten eine fixe Mindestverzinsung und eine variable, jährlich vom Versicherer neu bestimmte Überschussbeteiligung. Wer heute einen Vertrag abschließt, erhält garantierte 2,25 Prozent. Die Verzinsung gewährt die Gesellschaft aber nur auf den Sparanteil der Prämien. Von den Beiträgen des Kunden zieht der Versicherer teils mehr als 20 Prozent für Vertrieb und Verwaltung ab.

"Die Versicherer haben die laufende Verzinsung der Verträge 2010 nur moderat abgesenkt", sagt Lars Heermann von Assekurata. Die Verzinsung der Sparanteile in der Lebensversicherung sank gegenüber 2009 von durchschnittlich 4,25 Prozent auf 4,19 Prozent. Bei den privaten Rentenversicherungen, der wichtigsten Sparte in der Lebensversicherung, ging sie von 4,28 Prozent auf 4,20 Prozent zurück. "Trotzdem liegen sie damit noch über den aktuellen Renditen festverzinslicher Wertpapiere guter Bonität", sagt Will.

41 der 72 analysierten Gesellschaften hielten ihre Verzinsung konstant. Vier Gesellschaften - die Axa, die Direkte Leben, die Familienfürsorge und die Victoria - erhöhten die Verzinsung für Neuverträge sogar um durchschnittlich 0,23 Prozentpunkte, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Die höchsten Zinsen boten die Versicherer CiV und Europa mit 4,80 Prozent. Schlusslicht war Delta Lloyd mit 3,25 Prozent.

Unter Berücksichtigung der nicht festgeschriebenen Schlusszahlungen sank die durchschnittliche Verzinsung in der privaten Rentenversicherung von 4,99 auf 4,90 Prozent.

Die Lebensversicherer stehen aufgrund der niedrigen Kapitalmarktzinsen stark unter Druck. "Die Versicherer müssen ihre Garantien erwirtschaften, aber es mangelt an konservativen Anlagen, die die nötige Rendite dazu bieten", sagt Will. Die relativ hohe Überschussbeteiligung hätten die Firmen vor allem durch Rückgriff auf ihre Reserven realisieren können.

Trotzdem erwartet Will auch in Zukunft keine starken Einbrüche bei der Überschussbeteiligung. "Eine Stagnation beziehungsweise eine weitere moderate Absenkung erscheint daher die wahrscheinlichste Prognose."

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