Ärzte Zeitung, 20.12.2010

Auch Vermögensaufbau erfordert Compliance

Ein Vermögen fällt nicht vom Himmel, es muss erarbeitet und dauerhaft abgesichert werden. Wichtig dafür ist vor allem die strategische Planung und getreue Realisierung.

Von Jürgen Lutz

Auch Vermögensaufbau erfordert Compliance

Die Gründe für eine Entscheidung sollten Anleger dokumentieren, um später nicht von ihrer Zielsetzung abzuweichen.

© Monkey Business / fotolia.com

Wer sich ein Vermögen aufbauen oder sein Erspartes anlegen möchte, braucht dafür einen Plan. Denn ohne ein strukturiertes Vorgehen geht das Vorhaben wahrscheinlich schief und kann unter Umständen teuer werden. "Damit das nicht passiert, müssen sich Anleger vor der Entscheidung, Geld zu sparen oder zu investieren, wichtige Fragen stellen und diese auch beantworten", sagt Vermögensverwalter Gerhard Selig von SRQ Finanzpartner in Konstanz.

Schritt eins: Zielbestimmung
Getreu dem Motto "Wer nicht weiß, wohin er will, der kommt auch nicht an" sollte der Anleger auf jeden Fall klären, welche Ziele er verfolgt. "Wer etwa Geld für einen Autokauf in fünf Jahren ansparen will, dem stehen andere Anlageklassen offen, als einem Sparer, der wegen eines unvorhergesehenen Notfalls seinen Notgroschen wieder auffüllen muss", so Selig.

Anders sieht es aus, wenn es um die private Altersvorsorge geht: Sind es bis zum Ruhestand noch 20 oder mehr Jahre, könne sich ein Anleger auch auf risikoreiche Anlageklassen wie Aktien einlassen.

Schritt zwei: Potenzialdefinition
Hat der Anleger konkrete Ziele definiert, so steht die Entscheidung an, wie viel Geld in die einzelnen Spar- oder Investitionstöpfe fließen soll. "Das hängt von zwei Dingen ab - zum einen von den Zielen, zum anderen von der Summe, auf die der Anleger beim Konsum verzichten kann", sagt Rolf Kazmaier von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart.

Um diese Summe zu bestimmen, ist ein Kassensturz geboten. "Wer Posten wie die Berufsunfähigkeitsversicherung vergisst oder sich künftige Ausgaben schönrechnet, verplant Geld, das ihm nicht zur Verfügung steht. Auf Dauer hat man damit keinen Erfolg", so Kazmaier.

Schritt drei: Portfoliofestlegung
In der Folge geht es darum, die Anlageklassen zu bestimmen und sich für konkrete Produkte zu entscheiden. Ein Beispiel: Ein Anleger mit 100 000 Euro, der 25 000 Euro als dauerhafte flüssige Reserve hat und sich in drei Jahren ein Auto für 25 000 Euro kaufen möchte, sollte die insgesamt 50 000 Euro ohne Risiko anlegen. "Für die Liquidität empfiehlt sich ein Tagesgeldkonto, für den Autokauf etwa Festgeld oder festverzinsliche Wertpapiere", so Finanzprofi Selig.

Im konkreten Beispiel sollen die weiteren 50 000 Euro über 20 Jahre so angelegt werden, dass sie für den Ruhestand ein Polster bilden. "Hier kommt die Risikotoleranz des Anlegers ins Spiel. Wer nicht mehr schlafen kann, wenn das Geld, das im Risiko steht, zeitweilig mehr als 20 Prozent verliert, sollte maximal 40 Prozent dieser Summe in Aktien stecken", rät Selig.

Denn: "Brechen die Aktien, also 40 Prozent des Depots, um 50 Prozent ein, verliert das gesamte Depot 20 Prozent an Wert", rechnet der Vermögensverwalter vor.

In der Tat zeigt die Börsengeschichte, dass breite Aktienmärkte um bis zu 50 Prozent einbrechen können, bevor sie sich wieder erholen. Den Rest der 50 000 Euro würden Selig wie auch Kazmaier für Zinspapiere von Staaten und Industrieunternehmen reservieren.

Schritt vier: Entscheidungstreue
Sind die strategischen Entscheidungen einmal getroffen, kommt der schwerste Teil für den Anleger: seiner Entscheidung treu zu bleiben. Martin Weber, Professor für Behavorial Finance an der Universität Mannheim, hat mit seinem Team je 20 000 Depots von Männern und Frauen über einen Zeitraum von mehreren Jahren untersucht.

Die Performance von Frauen liegt um ein bis zwei Prozentpunkte höher als die von Männern - und das pro Jahr! "Frauen schichten ihr Wertpapier-Portfolio deutlich weniger um. Männer glauben offenbar, sie könnten durch Markt-Timing, also durch häufiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren, erfolgreicher sein", so Selig.

Doch ob ein Anleger erfolgreich ist, hängt von anderen Faktoren ab. Denn über die Rendite und die Schwankungen eines Wertpapierportfolios entscheiden laut Forschungsergebnissen zu 90 Prozent dessen Zusammensetzung aus verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffen und so weiter.

Seligs Rat: "Treffen Sie in aller Ruhe eine Entscheidung, von der Sie wirklich überzeugt sind, schreiben Sie den Grund für Ihren Entschluss auf - und erinnern Sie sich daran, wenn Sie zu zweifeln beginnen!"

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