Ärzte Zeitung, 23.05.2011

Immobiliendachfonds geraten ins Wanken

Nach der Finanzkrise sind auch Immobiliendachfonds aus der Mode gekommen. Fondsgesellschaften wie die DWS setzen jetzt mit anderen immobiliennahen Produkten auf neue Investmentstrategien.

Von Richard Haimann

Immobiliendachfonds geraten ins Wanken

Für Immobiliendachfonds wird die Situation wackelig: Immer mehr Menschen fliehen aus dieser Form der Geldanlage.

© Brian Jackson / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Jetzt geraten auch die Immobiliendachfonds in den Sog der krisengeschüttelten offenen Immobilienfonds. Drei Anlagevehikel wurden bereits eingefroren. Anleger gelangen nicht mehr an ihr Geld im Gesamtwert von mehr als 2,1 Milliarden Euro. Jetzt wollen die Manager ihre Investmentstrategie ändern.

Immobiliendachfonds können in offene Immobilienfonds, Aktien börsennotierter Immobilienunternehmen und immobiliennahe Anlageprodukte wie Hypothekenpfandbriefe investieren. Die Gesellschaften wollten durch breit gestreute Investments Risiken für ihre Anleger reduzieren und die Renditechancen steigern.

"Viele Dachfondsmanager setzten jedoch fast ausschließlich auf offene Immobilienfonds", sagt Dieter Thomaschowski, Geschäftsführer des Analysehauses Investment Research in Change IC (IRICIC).

Hohe Verluste bei den offenen Immobilienfonds

Das rächte sich, als immer mehr Anleger ihr Geld aus offenen Immobilienfonds abzogen. Sie befürchteten massive Wertberichtigungen, nachdem die Spekulationsblase an den weltweiten Gewerbeimmobilienmärkten mit Ausbruch der Finanzkrise platzte.

Zehn offene Publikumsfonds mit einem Gesamtvolumen von mehr als 26 Milliarden Euro sind daher eingefroren, drei von ihnen werden bereits abgewickelt. Dass die Befürchtungen richtig waren, zeigen die Verluste der offenen Fonds.

Mit ihnen verloren die Sparer 2010 im Schnitt 2,7 Prozent. Bei einigen Produkten betrug das Minus mehr als 15 Prozent. Der P2 Value von Morgan Stanley verlor sogar 39,1 Prozent.

DWS: Stärkere Investitionen in Hypothekenpfandbriefe

Seit sich die schlechten Nachrichten bei den offenen Fonds häufen, fliehen auch immer mehr Anleger aus den Dachfonds. Als erste mussten die 1,8 Milliarden Euro schweren Premium Management Immobilienanlagen von Allianz Global Investors schließen.

Warburg Invest sperrte jüngst seinen Dachfonds RP Global Real Estate. Vergangene Woche machte die Deutsche-Bank-Tochter DWS auch ihren DB Immoflex zu. Das Fondsvolumen war durch Mittelabflüsse von 830 Millionen Euro auf 259 Millionen Euro zusammengeschmolzen.

"Als Anlegergelder abflossen, haben wir kontinuierlich Anteile der Zielfonds verkauft", sagt DWS-Geschäftsführer Holger Naumann. Am Ende sei der DB Immoflex deshalb zu 92 Prozent in eingefrorenen Zielfonds investiert gewesen. Als noch mehr Anleger ihr Geld zurückforderten, musste der Fonds gesperrt werden.

Nach dem Investmentgesetz müssen eingefrorene offene Fonds abgewickelt werden, wenn sie binnen zwei Jahren nicht wieder öffnen können. "Dieses Schicksal würde dann auch den Dachfonds drohen", sagt Hennig Voigt, Leiter Vertrieb bei Warburg Invest. "Sie hängen bislang wie die Fliegen am Klebestreifen an den Zielfonds."

Das soll sich nun ändern. "Wir wollen den RP Global Real Estate so umbauen, dass er künftig stärker in anderen immobiliennahen Produkten investiert ist", sagt Voigt.

Das plant auch die DWS. "Wir werden den Anteil der offenen Immobilienfonds reduzieren und dafür stärker in Immobilienaktien und immobiliennahe Assetklassen wie Hypothekenpfandbriefe investieren", sagt Geschäftsführer Naumann.

Beim zweiten Dachfonds, dem DWS Immoflex, habe der Umbau bereits begonnen. "Der Anteil der offenen Immobilienfonds wurde seit Ende April 2010 von 75 auf 69,2 Prozent heruntergefahren", so Naumann.

Viel weiter ist die DJE Kapital AG bei ihrem DJE Real Estate. "Der Dachfonds ist heute nur noch zu sechs Prozent in offenen Immobilienpublikumsfonds investiert", sagt Privatkundenbetreuer Jens Egerer.

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