Ärzte Zeitung, 30.05.2011

Kfz-Versicherung pleite? Kunden haben das Nachsehen

Im Fall der insolventen Versicherer Ineas und LadyCar müssen Kunden jetzt mit Folgekosten rechnen.

Von Anja Krüger

BERLIN. Die Pleite der niederländischen Kfz-Versicherer Ineas und LadyCar hat für ehemalige Kunden in Deutschland unter Umständen ein übles Nachspiel. Wer durch die Zahlungsunfähigkeit den Haftpflichtschutz für sein Fahrzeug verloren und einen Unfall mit Personenschäden verursacht hat, muss möglicherweise die Kosten für Behandlung und Arbeitsausfall des Opfers zahlen.

"Es können existenzielle Risiken auftreten, wenn die Haftpflicht wie in diesem Fall einfach entfällt", sagte der Versicherungsombudsmann Günter Hirsch bei der Vorstellung des Jahresberichts der Schiedsstelle. Er fordert den Gesetzgeber auf, aus dem Fall Konsequenzen zu ziehen, um Verbraucher zu schützen.

Mit der International Insurance Corporation (IIC), die unter den Marken INEAS und LadyCarOnline in Deutschland rund 57.000 Kfz-Haftpflicht- und Kaskoverträge im Bestand hatte, ist seit Bestehen der Bundesrepublik zum ersten Mal ein Autoversicherer zahlungsunfähig. In der Sparte besteht ein heftiger Preiskrieg, in dem der Versicherer mit niedrigen Prämien aggressiv mitgemischt hat.

Rund 100 Beschwerden beim Ombudsmann

Beim Ombudsmann sind in dieser Sache rund 100 Beschwerden und unzählige telefonische Anfragen eingegangen. Der in Schwierigkeiten geratene Versicherer hat Schäden nicht mehr reguliert. Das ist besonders in der Haftpflichtversicherung brisant, wenn es zu Personenschäden gekommen ist.

Zwar können sich Unfallopfer an den Verein Verkehrsopferhilfe wenden, um eine Entschädigung zu bekommen. "Aber er leistet nicht, wenn der Geschädigte von Dritten den Schaden ersetzt bekommt", erklärte Hirsch.

Bei Verletzungen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung und den Arbeitsausfall. "Aber sie fordern sie von dem Verursacher zurück", sagte er. Der Schiedsstelle ist mindestens ein ehemaliger Ineas-Kunde bekannt, bei dem das der Fall ist.

Nach Auffassung der Schiedsstelle könnte ein deutscher Versicherer aufgrund der strengeren Aufsicht nicht in eine vergleichbare Schieflage geraten. Wenn es schon keine europaweit einheitlichen Insolvenzabsicherungen gäbe, müssten Versicherer aus anderen europäischen Staaten Verbraucher wenigstens auf die unterschiedliche Standards hinweisen, forderte er.

Streitpunkt Sonderkündigungsrecht

Strittig ist die Frage, ob Kunden ein Sonderkündigungsrecht hatten, als sich die Insolvenz des Versicherers ankündigte - denn damit zeichnete sich ab, dass sie im Schadenfall keine Leistung mehr erhalten würden. Hirsch ist der Überzeugung, dass sie es hatten.

Der Insolvenzverwalter von Ineas sieht das anders und hat Kunden, die mit Verweis auf dieses Recht den Vertrag beendet hatten, eine Rechnung geschickt. "Das werden die Gerichte entscheiden", sagte Hirsch.

Fühlen sich Kunden von ihrem Versicherer schlecht behandelt, können sie sich kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden. Er ist für Fälle mit einem Streitwert bis zu 100.000 Euro zuständig, bis 10.000 Euro kann er für die Versicherer verbindliche Entscheidungen treffen.

Kunden steht dagegen auch nach einer negativen Entscheidung der Schiedsstelle der Weg zum Gericht offen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Eingaben unzufriedener Kunden um 1,2 Prozent auf 18.357 gestiegen (wir berichteten kurz). Die meisten Kunden beschwerten sich über Lebens- und Rentenversicherer, danach folgten Rechtsschutz- und Kfz-Versicherer.

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