Ärzte Zeitung, 30.11.2011

Treibt die Eurokrise Baugeld in die Höhe?

Die Zinsen für Baugeld sind zuletzt immer nur gesunken. Jetzt prognostizieren manche Experten einen Zinsanstieg. Mit Forward-Darlehen können sich Ärzte die aktuell günstigen Konditionen für Anschlussfinanzierungen sichern.

Von Richard Haimann

Treibt die Eurokrise Baugeld in die Höhe?

Wer bauen will, muss genau rechnen - und die Entwicklung der Zinsen mitbedenken.

© Marina Lohrbach / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Naht das Ende der Niedrigzinsphase am Baugeldmarkt? Manche Experten sehen das so. Ärzte, die demnächst ihre Hypothek refinanzieren müssen, können sich über Forward-Darlehen jedoch die aktuell besonders günstigen Konditionen sichern.

Bislang waren deutsche Bauherren die Gewinner der Eurokrise. Weil Investoren in den vergangenen beiden Jahren in Scharen aus südeuropäischen Staatsanleihen in Bundesanleihen und deutsche Pfandbriefe geflüchtet sind, konnten Hypothekenbanken sich besonders refinanzieren.

Wegen des scharfen Wettbewerbs am Baugeldmarkt gaben die Institute ihre Kostenersparnis an die Kunden weiter.

Die Krise greift auf immer mehr Länder über

"Aktuell verlangen Banken für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindungsfrist über 60 Prozent des Immobilienwerts im Schnitt nur einen Zinssatz von 3,2 Prozent", sagt Marcus Preu, Geschäftsführer des Verbraucherfinanzportals Biallo.de.

Damit befinden sich die Zinssätze am untersten Ende im historischen Vergleich. "Der langfristige Mittelwert für Zinsen von zehnjährigen Baudarlehen liegt bei rund sechs Prozent", sagt Michiel Gories, Vorstandschef des Finanzierungsvermittlers Interhyp.

Lange dürfte die Niedrigzinsphase jedoch nicht mehr anhalten. Denn die Eurokrise greift auf immer mehr Länder über. Nicht nur die Bonität Belgiens, Frankreichs und Österreichs wird inzwischen an den Kapitalmärkten in Frage gestellt.

Vergangene Woche verfehlte sogar die deutsche Bundesregierung bei der Platzierung einer zehnjährigen Bundesanleihe das Zielvolumen. Statt der geplanten sechs Milliarden Euro konnte sie nur 3,9 Milliarden Euro aufnehmen.

Werden Darlehen auf Hypotheken teurer?

An den Börsen fielen daraufhin die Kurse deutscher Staatsanleihen. Spiegelbildlich stiegen die Zinssätze für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit von zuvor 1,9 Prozent auf 2,15 Prozent.

Experten gehen davon aus, dass sich nun sukzessive auch Hypothekendarlehen verteuern könnten. "Die extrem niedrigen Baugeldzinsen stellen eine historische Anomalie dar, die nicht von Dauer sein kann", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

"Einige Banken haben bereits begonnen, ihre Baugeldzinsen zu erhöhen", sagt Gories. Grundeigentümer, deren Kredite demnächst auslaufen, sollten sich deshalb über ein Forward-Darlehen die aktuell günstigen Zinskonditionen sichern.

Oft verzichten die Banken auf Zinsaufschläge

Diese Vorauskredite werden erst abgerufen, wenn das bisherige Darlehen in einigen Monaten abgelöst werden muss. Dennoch müssen Kunden dabei nur die heute aktuellen Zinssätze zahlen.

Bei Wartezeiten von bis zu sieben Monaten würden die meisten Banken für diese Anschlusskredite auf Zinsaufschläge verzichten, sagt Biallo-Geschäftsführer Preu. "Bei einigen Instituten sind es sogar zwölf Monate."

Allerdings sollten sich Ärzte nicht nur bei ihrer Hausbank nach einem Forward-Darlehen erkundigen, rät Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

"Fremdinstitute bieten oftmals deutlich attraktivere Konditionen, weil sie Neugeschäft gewinnen wollen." Die Kosten für einen Bankwechsel seien gering. "Die Gebühren für die Umschreibung im Grundbuch betragen nur rund 200 Euro", sagt der Experte.

Vergleiche von bis zu 200 Banken

Über Vermittler wie Dr. Klein, Hypothekendiscount und Interhyp lassen sich auf einen Schlag viele Vergleichsangebote einholen. Sie können bis zu 200 Banken und Versicherungen auf einen Schlag abfragen.

Weil die Institute den Vermittlern unterschiedliche Provisionen bieten, sollten Kunden jedoch nicht nur ein Angebot einfordern, sondern sich die zehn günstigsten Offerten aushändigen lassen, rät Nauhauser.

"Dann können die Bauherren sich die für sie individuell günstigste Finanzierung auswählen." Mit dem Angebot sollte dann die Hausbank konfrontiert werden, sagt der Experte. "In vielen Fällen ziehen die Institute mit, um ihren Kunden zu halten."

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