Ärzte Zeitung, 12.11.2012

Obamas Sieg

Kommt der Auftrieb an den US-Börsen?

Analysten sehen nach Obamas Wiederwahl als US-Präsident hohe Renditechancen bei amerikanischen Werten. Kurzfristig droht wegen der Fiskalklippe jedoch eine Hängepartie an den Börsen.

Von Richard Haimann

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Dynamik an der Wall Street.

© dpa

NEU-ISENBURG. Nach der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama raten Analysten zum Einstieg in Aktien amerikanischer Unternehmen. Denn Studien zeigen, dass die US-Börsen besonders gut abschneiden, wenn ein Demokrat im Weißen Haus sitzt - insbesondere in dessen zweiter Amtszeit.

Die Republikaner stehen zwar im Ruf, besonders wirtschaftsfreundlich zu sein. Die amerikanischen Aktienmärkte laufen jedoch besser unter demokratischer Regentschaft.

Das zeigt eine Auswertung von Dexia Asset Management über die Kursentwicklung der vergangenen 68 Jahre.

Danach betrug der durchschnittliche Aktienertrag aus Kursgewinnen und Dividenden pro Jahr 8,74 Prozent unter demokratischer Präsidentschaft.

War ein Republikaner im Amt, warfen die Börsen im Schnitt hingegen nur 6,74 Prozent pro Jahr ab. Während der zweiten Amtszeit eines Präsidenten lag der Jahresertrag im Mittel sogar bei 10,2 Prozent.

Fundamentaldaten geben Rückenwind

Auch die Fundamentaldaten sprechen für steigende Aktienkurse im kommenden Jahr. "Die USA profitieren von einer Wiederbelebung des Immobilienmarktes und einer Renaissance der Industrie", sagt Cormac Weldon, Fondsmanager bei der US-Investmentgesellschaft Threadneedle.

Obama war es zu Beginn seiner ersten Amtszeit gelungen, die amerikanische Automobilindustrie mit milliardenschweren Finanzhilfen vor dem Kollaps zu bewahren.

Heute fahren Ford, General Motors und Chrysler wieder hohe Gewinne ein. Die Arbeitslosenrate ist seit Jahresbeginn sukzessive zurückgegangen.

Insbesondere Aktien von Pharmaherstellern und Krankenhausbetreibern könnten in den kommenden Jahren deutliche Kursgewinne verzeichnen, meint Weldon. "Der Sektor sollte von Obamas Gesundheitsreform profitieren."

Die Demokraten wollen dafür sorgen, dass alle Amerikaner eine Krankenversicherung haben. Das würde der Pharmabranche und Kliniken zu erheblichen Umsatzsteigerungen verhelfen.

Bislang können sich rund ein Viertel der Haushalte im 314 Millionen Einwohner zählenden Land mangels Versicherung im Krankheitsfall keine aufwändigen Therapien leisten.

Zudem sind US-Konzerne bei ihrer Finanzierung in weit geringerem Umfang von Banken abhängig als europäische Konzerne.

"In den USA besorgen sich Unternehmen zwei Drittel ihres Fremdkapitals über Anleihen direkt am Kapitalmarkt und nur ein Drittel über Kredite bei Banken", sagt Pierre Ciret, Ökonom bei Edmond de Rothschild Asset Management.

In Europa hingegen dominieren Bankenfinanzierungen. Deshalb haben hiesige Unternehmen stärker damit zu ringen, dass die von den Nachwehen der Finanzkrise belasteten Institute in geringerem Umfang und zu höheren Zinsen Darlehen ausreichen.

US-Konzerne hingegen können sich schnell frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen, um zu expandieren.

In den nächsten Wochen dürfte es an den US-Börsen zunächst aber noch holprig zugehen, meint Michael Beck, Leiter Portfolio Management beim Bankhaus Ellwanger & Geiger. "Das Aufwärtspotenzial ist vorerst begrenzt."

Denn die Demokraten, die den Senat kontrollieren, müssen sich mit den Republikanern, die weiterhin die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben, auf einen Kompromiss beim Haushalt einigen.

Defizitabbau ist wichtigstes Ziel

Um bis Jahresende eine gemeinsame Lösung beim Defizitabbau zu erzwingen, hatten Vertreter beider Parteien beschlossen, dass im Januar automatisch die Steuern erhöht und staatliche Ausgabenkürzungen im Volumen von 600 Mrd. Dollar (465 Mrd. Euro) in Kraft treten, sollten sich Repräsentantenhaus und Senat nicht bis Ende 2012 gemeinsam auf einen Haushalt einigen.

"Die Fiskalklippe zu bewältigen, muss jetzt das erste Ziel Obamas sein", sagt Craig Johnson, Stratege bei der Investmentgesellschaft Piper Jaffray. "Sobald sich abzeichnet, dass die Klippe umschifft wird, dürften die Börsen richtig durchstarten."

Neben Pharmawerten sehen Analysten auch Kurspotenzial bei Aktien von amerikanischen Automobilherstellern. Denn mit der Konjunkturerholung werde die Nachfrage nach Neuwagen zulegen.

Die Analysten der UBS empfehlen das Papier von General Motors. Der größte der drei US-Fahrzeughersteller werde am stärksten vom wachsenden Bedarf profitieren. In den kommenden zwölf Monaten könne die Aktie um mehr als 30 Prozent steigen.

Joseph Spak von RBC Capital Markets sieht hingegen bei der Ford-Aktie sogar 50 Prozent Kurspotenzial. Ford habe zahlreiche neue Modelle mit Sprit sparenden Motoren im Programm.

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