Ärzte Zeitung, 11.02.2014

Staatsanleihen

In der Kürze liegt die Würze

Experten rechnen mittelfristig mit steigenden Renditen bei Staatsanleihen. Das hilft nicht allen Anlegern. Denn Renditen und Anleihen entwickeln sich spiegelbildlich. Somit wird die Laufzeit zur Stellschraube für Anleger.

Von Richard Haimann

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Je kürzer Anleihen laufen, desto höher ist mittelfristig die Rendite, prognostizieren Experten.

© Stefan Rajewski /fotolia.com

NEU-ISENBURG. Experten erwarten steigende Renditen bei deutschen und amerikanischen Staatsanleihen. Das ist eine gute Nachricht für sicherheitsorientierte Anleger, die gern auf diese Papiere setzen. Es birgt aber Tücken bei der kurzfristigen Investmentplanung.

Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen und amerikanischer Treasuries gleicher Laufzeit haben sich seit Frühjahr 2013 deutlich erholt. Warfen deutsche Staatsanleihen damals nur 1,2 Prozent pro Jahr ab, sind es inzwischen 1,85 Prozent. US-Staatsanleihen rentieren mittlerweile sogar bei 2,86 Prozent.

Finanzfachleute erwarten, dass die Staatspapiere bald noch höhere Erträge abwerfen werden. "Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen könnten dieses Jahr auf bis zu 2,6 Prozent anziehen", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

Mit der weiteren globalen Konjunkturerholung würden Investoren stärker auf Aktien setzen. Damit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble neues Geld an den Finanzmärkten aufnehmen kann, werde er deshalb Investoren höhere Zinsen bieten müssen, prognostiziert Hellmeyer.

Auch in den USA würden die Renditen zehnjähriger Treasuries weiter zulegen, meint Peter Brezinschek, Researcher für US-Staatsanleihen bei der Raiffeisenbanken-Gruppe in Wien. "Die guten Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten und die Reduktion der Anleihenkäufe durch die US-Notenbank werden für einen Renditeanstieg sorgen."

Um die Wirtschaft in den USA auf Fahrt zu bringen, hat die Federal Reserve Bank seit 2012 jeden Monat Staatsanleihen im Gesamtwert von 85 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Mit den Käufen wollte die Notenbank die Renditen der Staatsanleihen senken und Investoren dazu verleiten, stärker in Unternehmensanleihen zu investieren.

Ertragsschwache deutsche Kurzläufer

Dies sollte den Firmen zu niedrigeren Zinsen verhelfen. Weil die Konjunktur nun anzieht, werden die Anleihenkäufe auf 76 Milliarden US-Dollar pro Monat zurückgefahren und sollen 2015 möglicherweise eingestellt werden.

Anleger sollten deshalb jetzt nicht Staatsanleihen mit langer Laufzeit erwerben, raten Experten. Denn Renditen und Börsennotierungen bei Anleihen entwickeln sich spiegelbildlich: Steigen die Renditen, sinken die Kurse. Dies liegt daran, dass staatliche Schuldverschreibungen immer mit einem festen Zinskupon emittiert werden.

"Werden neue Papiere mit einem höheren Zinskupon begeben, fallen automatisch die Kurse älterer Anleihen mit geringerem Zinskupon vergleichbarer Laufzeit, damit die Renditen im Einklang sind", erläutert Dieter Thomaschowski, Inhaber des Analysehauses Thomaschowski Research & Advisory.

Bill Gross, Gründer und Chefstratege der Allianz-Fondstochter Pimco, rät, nun zu US-Anleihen mit Laufzeit von zwei bis maximal fünf Jahren zu greifen. Sind diese Papiere ausgelaufen, sollten Anleger das frei werdende Geld in zehnjährige Anleihen reinvestieren.

Deren Renditen dürften dann ein nachhaltig hohes Niveau erreicht haben. Da viele Investoren so verfahren dürften, könnten die Börsennotierungen kurz laufender US-Papiere im Jahresverlauf steigen. Anleger könnten dies nutzen, um die Papiere vor Endfälligkeit weiterzuverkaufen. "Bei kurz laufenden US-Staatsanleihen ist dieses Jahr eine Gesamtrendite von drei bis vier Prozent durchaus realistisch", sagt Gross.

Bei kurz laufenden deutschen Anleihen dürfte der Ertrag aber geringer ausfallen, da deren Kurse bereits stark zugelegt haben. Aktuell werfen zweijährige Bundesanleihen Renditen von weniger als 0,2 Prozent ab; bei fünfjährigen sind es rund 0,7 Prozent.

Hingegen könnten hiesige Anleger bei Investments in US-Anleihen noch zusätzlich von einem Anstieg des Dollars profitieren. Hellmeyer erwartet, dass die US-Währung gegen den Euro dieses Jahr um bis zu fünf Prozent zulegen wird.

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