Ärzte Zeitung online, 23.04.2014

Anlagen-Kolumne

Vorsicht vor südeuropäischen Anleihen

Die Abhängigkeit der Börse von den Notenbanken schlägt sich unmittelbar auf die Anlagestrategie privater Investoren nieder. Dabei müssen sie vor allem die Märkte in Europa, Japan sowie den USA im Blick haben, wenn sie von den Entwicklungen profitieren möchten.

Von Jens Ehrhardt

Vorsicht vor südeuropäischen Anleihen

Die Politik der Notenbanken wird die Entscheidungen an der Börse weiter dominieren. Nachdem in den letzten Jahren vor allem die USA großzügig stimulierten, geht es dort inzwischen um die Rückführung der monetären Ankurbelung.

Seit 2013 ist Japan ebenfalls mit Maßnahmen in ungekannten Ausmaßen aufgetreten und wird potenziell in den nächsten Jahren weiter einschreiten müssen, wenn die Käufer für japanische Anleihen ausbleiben und ein Zinsanstieg vermieden werden soll - was angesichts der enormen Verschuldung unvermeidlich ist.

Die jüngsten Spekulationen der Börsianer drehen sich nun aber um ein eventuelles "QE" (Quantitative Easing, sprich den Aufkauf von Staatsanleihen) der EZB. Hintergrund sind Äußerungen von EZB-Vertretern, die sich um deflationäre Tendenzen und den starken Euro sorgen.

Selbstverständlich wurde in Interviews nicht ausgeschlossen, dass die EZB auch QE-Maßnahmen in Erwägung zieht, doch wahrscheinlich ist der Wunsch der Börsianer nach einem solchen Programm kurzfristig etwas überzogen. Das dürfte zu Enttäuschungen führen, wenn in den nächsten EZB-Meetings noch keine solche Entscheidung getroffen wird.

Zinssenkende Effekt verpufft

Im Moment ist der Bedarf respektive der Entscheidungsdruck für solche extremen Maßnahmen noch nicht groß genug, zumal das Zinsniveau auch in Südeuropa inzwischen so niedrig ist, dass der zinssenkende Effekt verpuffen würde.

Für den Aktienmarkt hätte ein solcher Schritt sicherlich positive Auswirkungen, da die Zinsen damit niedrig gehalten würden und auf der Suche nach Rendite der Aktienmarkt, wie bisher, eine gute Alternative bietet. Hinzu käme die vermutliche - aber nicht zwangsläufige - Schwächung des Euro, welche insbesondere deutschen Exportaktien helfen würde.

Während derzeit die Aussichten für den Aktienmarkt durchaus gemischt sind und die Wahrscheinlichkeiten für steigende oder fallende Märkte nicht eindeutig zuzuordnen sind, kann bei historisch niedrigen Zinsen in Südeuropa davon ausgegangen werden, dass weitere Kurssteigerungen bei dortigen Anleihen kaum möglich sind.

Südeuropäische 5-jährige Bonds rentieren sogar auf dem gleichen Niveau wie entsprechende US-Staatsanleihen. Mit der Perspektive einer guten US-Konjunktur, vermutlich steigenden Inflationsraten sowie wahrscheinlichen Zinserhöhungen im 1. Halbjahr 2015 dürften die US-Zinsen demnächst steigen, was auch die Zinsen in Europa steigen lassen bzw. die Kurse unter Druck bringen würde.

Fazit: Anleger sollten jetzt nicht mehr in südeuropäische Anleihen investieren. Aktien defensiver Sektoren mit guten Dividendenrenditen, wie zum Beispiel der Öl-Sektor, bieten interessantere Aussichten und sind zudem antizyklisch attraktiv.

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