Ärzte Zeitung, 10.09.2013

Arztbewertung

Hausärzte sind die klaren Sieger

Die Weisse Liste hat rund 250.000 Online-Bewertungen zu Ärzten analysiert. Das Ergebnis: Mit ihrem Hausarzt sind Patienten am zufriedensten. Aber zwischen den einzelnen Fachgruppen gibt es große Unterschiede.

Hausärzte sind die klaren Sieger

In der Arztbewertung von AOK, Barmer GEK und TK haben Hausärzte gut abgeschnitten.

© Franz-Peter Tschauner / dpa

BERLIN. Die Patienten in Deutschland sind überwiegend zufrieden mit ihren Haus- und Fachärzten. Aber sie sehen teils deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Fachgruppen. Dabei schneiden die Hausärzte in der Bewertung am besten ab.

So das Ergebnis einer aktuelle Auswertung von rund 250.000 Patientenbewertungen im Arztvergleichsportal der Weissen Liste und den darauf basierenden Portalen von AOK, BARMER GEK und Techniker Krankenkasse (TK).

Insgesamt würden rund 85 Prozent der Teilnehmer ihren Arzt weiterempfehlen. Ihren Hausarzt würden die Teilnehmer allerdings häufiger weiterempfehlen (89 Prozent) als ihren Facharzt (76 Prozent). Vor allem Hautärzte (62 Prozent) und Orthopäden (64 Prozent) erhalten im Schnitt deutlich geringere Zustimmungswerte.

"Das Ergebnis der Auswertung ist erfreulich: Die Patienten finden ihre Ärzte gut. Zufrieden sind sie vor allem mit den Hausärzten. Wir sehen aber auch, dass es Unterschiede gibt - auch zwischen den einzelnen Ärzten eines Fachgebiets", kommentiert Jürgen Graalmann, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes das Ergebnis.

Am wichtigsten ist den teilnehmenden Patienten, dass niedergelassene Ärzte gut mit ihnen kommunizieren. Sie möchten, dass die Ärzte auf ihre Fragen, Ängste und Sorgen eingehen und ihnen gut zuhören. Auch hier punkten die Hausärzte bei ihren Patienten: 93 Prozent der Teilnehmer sind mit der Kommunikation ihres Hausarztes zufrieden. Bei den Fachärzten liegt dieser Wert bei 83 Prozent.

Hausärzte bei Praxisorganisation vor Fachärzten

Geht es um das Praxispersonal und die -organisation, dann liegen Hausärzte mit einem Zufriedenheitswert von 87 Prozent ebenfalls vorn (Fachärzte 77 Prozent). Und auch in Sachen Behandlung überzeugen die Hausärzte die teilnehmenden Patienten (89 Prozent sind zufrieden) mehr, als die Fachärzte dies tun. Denn Letzteren bescheinigen nur 77 Prozent der Teilnehmer, dass sie zufrieden mit der Behandlung waren.

Sehr gute Werte für die Arztkommunikation erhalten aber auch die Internisten (93 Prozent), die Urologen (90 Prozent), die Anästhesisten (90 Prozent), die Gynäkologen (89 Prozent), und die Kinderärzte (85 Prozent).

92 Prozent der Patienten stimmen zudem der Aussage zu, dass der Arzt ihnen gut zuhört. Hausärzte und Internisten erhalten wiederum am meisten Zustimmung bei dieser Frage, Hautärzte und Orthopäden am wenigsten.

Die Patienten nehmen laut der Analyse der Weissen Liste allerdings auch deutliche Unterschiede zwischen den Ärzten ein und derselben Fachrichtung wahr. Die Weisse Liste, ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen, nennt das Beispiel der Orthopäden: Über ein Drittel der Ärzte dieser Fachrichtung würden Weiterempfehlungsraten von 80 bis 100 Prozent erreichen.

Gleichzeitig würden aber rund 20 Prozent lediglich eine Rate zwischen 40 und 60 Prozent, jeder zehnte Orthopäde sogar nur von unter 40 Prozent erzielen.

Erfahrungen von Patienten sind ein Wissensschatz

"Patienten erleben tagtäglich, was in Arztpraxen aus ihrer Sicht gut und was weniger gut läuft. Ihre Erfahrungen sind ein bedeutender Wissensschatz. Diesen Schatz gilt es weiter zu heben, wenn wir Verbesserungen erreichen wollen: Mehr Orientierung für Patienten und mehr Qualität in der Versorgung", sagt Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

Beim sensiblen Thema Zusatzleistungen fühlen sich 17 Prozent der Patienten manchmal bedrängt, solche Leistungen in Anspruch zu nehmen. Am seltensten nehmen die Teilnehmer das Angebot von Zusatzleistungen bei Kinderärzten (8 Prozent) und Neurologen (12 Prozent) wahr, am häufigsten bei Augenärzten (37 Prozent) und Orthopäden (27 Prozent).

Bei den Hausärzten sind es 15 Prozent der Patienten, die Zusatzleistungen in Anspruch nehmen. Bis jetzt haben die Versicherten von AOK, Barmer GEK und TK rund 270.000 Bewertungen für rund 70.000 einzelne Ärzte auf dem gemeinsamen Bewertungsportal mit Weisser Liste abgegeben. (reh)

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