Ärzte Zeitung online, 12.03.2014

Prävention

"Die Rückenschule reicht nicht mehr"

Die Simulation der Wirkungen betrieblichen Gesundheitsmanagements am Computer soll kleinen und mittleren Betrieben helfen, gesundheitsfördernde Maßnahmen für Mitarbeiter auszuarbeiten. Ein Entwicklungsteam aus Dortmund hat dafür jetzt den "Leonardo" Gesundheitspreis der AOK bekommen.

Von Christian Beneker

"Die Rückenschule reicht zur Gesunderhaltung nicht mehr"

Jürgen Graalmann, Dr. Matthias Book, Lothar Schoepe, Professor Wolf-Dieter Lukas (v.l.) bei der Verleihung des Preises zur digitalen Prävention "Leonardo". In diesem Jahr ging es um die Förderung des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

© AOK-Bundesverband

HANNOVER. Gar nicht erst krank werden - trotz schwerer körperlicher Arbeit, Stunden vor dem Computer oder anhaltendem Stress: Zum dritten Mal vergab die AOK auf der Hannoveraner Computer-Messe "CeBIT" den Preis zur digitalen Prävention "Leonardo".

In diesem Jahr wurden Konzepte der Prävention am Arbeitsplatz prämiert: "Gesünder arbeiten mit App und Web", titelte die AOK.

"Viele Betriebe kümmern sich bereits um die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz", sagt Jürgen Graalmann, Chef des AOK-Bundesverbandes. "Aber besonders bei kleinen und mittleren Betrieben gibt es noch Reserven. Deshalb haben wir uns mit dem Leonardo auf sie konzentriert."

Zukünftig müssten Arbeitnehmer länger arbeiten und am Arbeitsplatz auch länger gesund bleiben. "Da reicht die Rückenschule nicht mehr."

Die Gewinner kommen aus dem Ruhrgebiet

Den Förderpreis im Höhe von 200.000 Euro gewannen Lothar Schoepe und Dr. Matthias Book von der "paluno - The Ruhr Institute for Software Technology", einem Institut der Uni Duisburg Essen zusammen mit der SmartLiving GmbH aus Dortmund und deren Programm "Sim4BGM".

Die prämierte Software dient dazu, Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) am Computer zu simulieren, um dessen Folgen abschätzen zu können.

"Mit dem Programm wollen wir den Entscheidungsträgern in den Betrieben das BGM bekannter machen", sagte Book bei der Preisverleihung in Hannover. Gerade kleinere Betriebe gingen mit gesundheitsfördernden Maßnahmen mehr finanzielles Risiko ein und brauchten deshalb mehr Sicherheit über die Folgen der BGM.

Zunächst analysiert das Programm anhand von Kriterien wie Altersstruktur, Geschlecht oder Krankenstand der Mitarbeiter den Nutzen verschiedener BGM-Maßnahmen.

Dann vergleicht es kurz-, mittel- und langfristig die Kosten mit und ohne BGM und berücksichtigt dabei auch die demografische Entwicklung in dem fraglichen Zeitraum. Künftig sollen auch Mitarbeiter mittels App über die BGM im Betrieb informiert werden.

Den Praxispreis in Höhe von 25.000 Euro erhielten Detlef Kahrs und seine Mitarbeiter von der "Wissensbilanz Nord" in Bremen mit ihrem Projekt "BGM-Wissensbilanz".

Schon Veränderungen im Kleinen helfen

Mit der Software und der App des Projektes können kleine und mittlere Betriebe den Status quo ihrer Betrieblichen Gesundheitsförderung darstellen, um gezielt Verbesserungen anzusteuern.

"Das Programm haben wir schon in sechs Betrieben vom Pflegeheim bis zum Logistik-Unternehmer eingesetzt", sagte Kahrs anlässlich der Preisverleihung zur "Ärzte Zeitung". Die Wissensbilanz arbeitet mit Workshops und einer Software.

In fünf Workshops ermittelt ein Mitarbeiterteam anhand von rund 20 Parametern (Kooperation, Verpflegung, Suchtmittel, körperliche Belastung etc.) die BGM-Wissensbilanz und gewichtet die verschiedenen Faktoren.

Auch die Mitarbeiter können sich per App an dem Prozess beteiligen. Mit einer Software wird das Ganze ausgewertet und dargestellt.

"Kein Geschäftsführer könnte das, was diese Software kann", sagt Kahrs. Anhand der Ergebnisse kann das Team neue Schritte des BGM planen. Die Auswirkungen auf das BGM müssen nicht groß sein, wie Kahrs in seiner Arbeit erfahren hat.

In einer Spedition mit 350 Mitarbeitern besucht jetzt mal eine Abteilung die andere. Eine kleine Firma mit 15 Mitarbeitern hat eine Montagsbesprechung eingeführt. "Gesundheit am Arbeitsplatz kommt vor allem aus guter Zusammenarbeit", sagt Kahrs.

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