Ärzte Zeitung, 19.05.2016

E-Health

Junge Ärzte wollen mitmischen

Die künftige Generation der Ärzte will Telemedizin und E-Health mitgestalten. Am 17. Juni soll ein Papier vorgestellt werden, das die Position der Medizinstudenten in Deutschland klar macht.

Von Marco Hübner

Junge Ärzte wollen mitmischen

Die künftige Generation von Ärzten will bei E-Health mitreden.

© javiindy / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) arbeitet unter Hochdruck an einem eigenen Positionspapier zum Thema E-Health. Auf der Mitgliederversammlung am 17. Juni soll bereits eine erste Fassung diskutiert werden.

Ein wichtiges Anliegen des Verbands ist, den Einzug von E-Health-Anwendungen in das Gesundheitswesen "konstruktiv zu begleiten". Die neuen digitalen Möglichkeiten können nämlich nicht nur den Patienten helfen, sondern auch dem Arztberuf an sich, heißt es auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

"E-Health könnte die Arbeit als Arzt vereinfachen und die Arbeitszeit flexibler und damit familienfreundlicher gestaltbar machen", betont Medizinstudent Karl Daniel Hörmann. Er ist stellvertretender Bundeskoordinator für Gesundheitspolitik. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern in der Arbeitsgruppe Gesundheitspolitik ist er für die Erstellung des Positionspapiers verantwortlich.

Arbeitsgruppe steht noch am Anfang

Ein gutes Beispiel für die Vereinfachung und Flexibilisierung ist für den 22-Jährigen die Fernassistenz, von der Assistenzärzte in der Klinik profitieren könnten. "Wenn ich Rückfragen durch die Vernetzung von Einrichtungen und Ärzten schneller beantwortet bekomme, werden mir Freiräume geschaffen."

Aktuell steht die Arbeitsgruppe noch am Anfang, was konkret ausgearbeitete Punkte im Positionspapier betrifft.

Allerdings hat die Arbeitsgruppe bereits eine Wunschliste zur elektronischen Gesundheitskarte (E-Card) und der Telematikinfrastruktur aufgestellt: "Die E-Card soll auf jeden Fall Informationsverluste zwischen den einzelnen Stationen der Patienten im Versorgungssystem verringern - oder bestenfalls gleich zu einem Relikt machen", erklärt Hörmann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die Bedeutung dieses Aspekts werde besonders bei der Behandlung geriatrischer Patienten deutlich. "Wenn ein Patient, der etwa an Demenz leidet, in eine neue Praxis kommt, liegt die Dokumentation für den Arzt dort häufig im Dunkeln, was die Behandlung für ihn sehr zeitaufwendig macht", berichtet Hörmann. Die E-Akte und ihr Potenzial auf der E-Card werde daher in der Diskussion der Medizinstudenten auf den Prüfstand gehoben.

Ein weiterer Punkt auf der Liste, die in das Positionspapier einfließen soll, ist das Thema Ärztemangel im ländlichen Raum. "E-Health kann in der Versorgung auf dem Land große Räume überbrücken, und Ärzten und Patienten sehr viel Zeit und Kilometer sparen", betont Hörmann. Etwa dann, wenn in bestimmten Fällen ärztliche Aufgaben per Telekonsultation erledigt werden könnten oder AGnES und Co mehr digitale Helfer an die Hand bekämen.

Arbeit im Home-Office denkbar

Das seien greifbare Chancen. "Denkbar ist zum Beispiel, dass qualifizierte Praxismitarbeiter vor Ort Wundfotos machen, die der Arzt über die Distanz hinweg auswerten kann, um dann in Echtzeit weitere Schritte vor Ort einzuleiten", beschreibt der Medizinstudent. Hoffnung der Studierenden sei, dass einige Aufgaben dank Telemedizin auch im Home-Office von Ärzten erledigt werden können.

Mit ihrem Positionspapier will die bvmd solche Chancen ausloten, Visionen für die Versorgung aufstellen und die Debatte um Telemedizin und das E-Health-Gesetz konstruktiv einbringen, um ihre eigene Zukunft mitgestalten zu können.

Dennoch sehen die angehenden Ärzte Telemedizin nicht per se positiv. Versicherungsunternehmen wollen E-Health nutzen, um spezielle Versicherungsangebote zu erstellen. Beispiel dafür ist Generali Deutschland, die gesundheitsbewusstes Verhalten der Kunden mit speziellen Tarifen belohnen will.

Dafür sollen von Gesundheits-Apps gemessene Fitnessdaten ausgewertet werden."Wir setzen uns bei unserem Positionspapier mit telemedizinischen Tarifen auseinander und nehmen dabei die öffentliche Kritik, dass diese die Gefahr bergen könnten, das Solidaritätsprinzip im GKV-System zu unterlaufen, natürlich ernst", gibt Hörmann zu verstehen.

Was die gemeinschaftliche Umsetzung des Positionspapiers angeht, ist der Medizinstudent, der selbst entweder HNO-Arzt oder allgemeiner Internist werden will, zuversichtlich. "Ich bin gespannt auf die Änderungsanträge und die Anfragen, die auf uns zukommen, und freue mich auf eine interessante Diskussion."

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