Ärzte Zeitung, 22.09.2009

Kommentar

Abstimmung mit den Füßen

Von Ilse Schlingensiepen

Wenn Patienten ein gutes Krankenhaus suchen, verlassen sie sich häufig auf die Empfehlung ihres behandelnden Arztes oder die Erfahrungsberichte von Patienten. Viele wünschen sich darüber hinaus auch eine objektivere Orientierungshilfe. Allerdings lässt sich Qualität im Gesundheitswesen nur schwer messen und transparent darstellen. Die Qualitätsberichte der Kliniken sind für Laien kaum verständlich und keine wirkliche Unterstützung bei der konkreten Entscheidung: In welches Haus gehe ich am besten?

Diese Lücke versuchen Publikationen wie der Klinikführer Rhein-Ruhr zu schließen. Zwar können auch die dort versammelten Informationen keine Objektivität beanspruchen. Bei der Bewertung durch Patienten und einweisende Ärzte sowie der Selbstdarstellung der Häuser spielt immer auch Subjektivität mit.

Das Zusammenspiel der Faktoren hilft dem Nutzer aber, sich ein Bild zu machen. Eine Untersuchung von Gesundheitsökonomen der Unit Witten/Herdecke zeigt, dass Patienten solche Angebote dankbar aufgreifen. Der Klinikführer beeinflusst die Abstimmung mit den Füßen. Dabei gewinnen Kliniken, die von ihrem Leistungsangebot überzeugt sind und den Vergleich mit anderen nicht scheuen. Wer sich versteckt, hat schlechte Karten. Solange es keine besseren Alternativen gibt, sollten Kliniken mit Klinikführern offensiv umgehen - auch in ihrem eigenen Interesse.

Lesen Sie dazu auch:
Mehr Patienten durch Klinikführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »