Ärzte Zeitung, 12.05.2010
Wildwuchs bei Zuweiserprämien: Ärzte sorgen selbst für Ordnung
Der Urologe Manfred Wirth - Urheber der Debatte um
Zuweiserprämien - attestiert zuweisenden Ärzten und Kliniken nach knapp
einem halben Jahr Lernfähigkeit.
Von Monika Peichel

Handlungsbedarf besteht noch bei Klinikträgern. © Gina Sanders / fotolia.com
FRANKFURT/MAIN. In Sachen Zuweiserprämien hat die Ärzteschaft
ihre Hausaufgaben gemacht. Dieses Fazit zieht Professor Manfred Wirth
aus Dresden, der die Debatte im Spätsommer 2009 angestoßen hat.
Wirth, damals Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie
(DGU), hatte die Kopfprämien kritisiert, weil dadurch die
Unabhängigkeit des ärztlichen Handelns und das Selbstbestimmungsrecht
der Patienten verletzt würden (wir berichteten).
Er freue sich, dass die Bundesärztekammer mit einer Verschärfung des
Paragrafen 31 der Musterberufsordnung (MBO) gegen diese Auswüchse des
Wettbewerbs vorgehen wolle. Damit handle die Ärzteschaft sehr
konsequent. Der kürzlich in den Medien erhobene Vorwurf, dass bisher
kaum etwas gegen die Zuweiservergütungen unternommen worden sei, sei
sicherlich überzogen. "Wir halten unseren Berufsstand selbst in
Ordnung", so Wirth.
Der Deutsche Ärztetag hatte am Dienstag in Dresden den Beschluss zur
Änderung der MBO auf der Agenda. Zum Redaktionsschluss stand das
Ergebnis der Abstimmung über diesen Tagesordnungspunkt noch aus.
Handlungsbedarf besteht nach Wirths Eindruck noch bei den
Krankenhausträgern, von den kommunalen über die privaten bis hin zu
Universitätskliniken, und bei den Bundesländern.
Vorbildlich sei hier Nordrhein-Westfalen, das durch Änderung des
Landeskrankenhausgesetzes Sanktionen für Krankenhäuser eingeführt hat,
die ihre Patientenzahlen durch Prämien für Zuweiser zu steigern
versuchen.
Darüber hinaus haben Kammern, KVen und Landeskrankenhausgesellschaft
in Nordrhein-Westfalen zwar keine Clearingstelle, aber ein
Clearingverfahren installiert.
Auch in Baden-Württemberg haben Landesärztekammer, KV und
Landeskrankenhausgesellschaft ein Clearingverfahren beschlossen. In
Presseberichten hatte es dagegen geheißen, diese beiden Bundesländer
lehnten Clearingstellen ab.
Der Generalsekretär der DGU, der Homburger Urologe Professor Michael
Stöckle, sagte, er sei vorsichtig optimistisch. Es bleibe abzuwarten,
ob die Maßnahmen, etwa die auf Länderebene geplanten oder schon
eingerichteten Clearingstellen, greifen und ob sie den Grauzonen
beikommen können. Als Beispiel für Grauzonen nannte er das
"hartnäckige" Gerücht, wonach eine Klinikkette niedergelassenen
Kollegen die Praxisgründung mit zinslosen Darlehen finanziere. Diese
Darlehen würden dann durch die Zuweisung von Patienten getilgt.
Die "ganz plumpen" Vergütungsmodelle würden aber wohl verschwinden.
Dazu zähle etwa das Vorgehen eines Krankenhauses, das seinen
zuweisenden Ärzten für "fünf Kreuzchen auf einem Fax-Fragebogen" eine
Vergütung von 100 Euro offeriere.

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