Ärzte Zeitung, 03.06.2011

Saar-Kliniklandschaft wird neu geordnet

Im Saarland ist der neue, bis 2015 laufende Krankenhausplan verabschiedet worden. Zahlreiche Kliniken müssen sich auf eine Neuorganisation einstellen.

Von Michael Kuderna

Saar-Kliniklandschaft wird neu geordnet

Im Saarland sollen in den nächsten Jahren viele Klinikbetten abgebaut werden.

© broker / fotolia.com

SAARBRÜCKEN. Die saarländische Landesregierung hat einen neuen Krankenhausplan für die Jahre 2011 bis 2015 gebilligt. Neben einer Bettenkürzung und zahlreichen Detailentscheidungen gibt der Plan auch die Richtung für eine umfassende Neuordnung der Kliniklandschaft vor.

Im vergangenen Jahr hatte Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP) angekündigt, er wolle den bestehenden Flickenteppich durch ein abgestuftes, um zwei Maximalversorger gruppiertes Versorgungskonzept ersetzen.

Nun werden in einem ersten Schritt Kliniken in Saarbrücken-Rastpfuhl und Dudweiler sowie in Saarlouis und Dillingen zusammengelegt. Die katholischen Träger Marienhaus und ctt wollen am Ende ihre derzeitigen Häuser sogar in ein einziges Krankenhaus mit bis zu acht Standorten einbringen. Gleichzeitig sprechen sie mit den Unikliniken über eine gemeinsame Konzeption.

Für eine zweite angestrebte, so genannte "kommunale" Schiene, voraussichtlich um das Klinikum Saarbrücken als Kristallisationskern gruppiert, bekommt Weisweiler Rückenwind durch die Forderung des Bundesrechnungshofs, die Deutsche Rentenversicherung Saarland müsse sich rasch von ihren Anteilen an der Saarland-Heilstätten eGmbH (SHG) trennen.

Es wird erwartet, dass die Knappschaft dafür stärker einsteigt und ihre zwei Kliniken in den SHG-Verbund einbringt.

So wird bereits jetzt für das kommende Jahr eine erste Revision des Plans in Aussicht gestellt. Zudem soll noch 2011 ein Geriatriekonzept erstellt werden. Beides unterstreicht den Übergangscharakter des neuen Krankenhausplans, der aber dennoch einige Akzente setzt.

Die Bettenzahl wird bis 2015 um 3,8 Prozent reduziert, Disziplinen zur Behandlung altersbedingter Erkrankungen werden gestärkt und erstmals eigene Fachabteilungen für Gefäßchirurgie eingerichtet. Bis Ende des Jahres 2013 muss für sie allerdings die von Fachgesellschaften vorgeschlagene "Dreier-Zertifizierung" nachgewiesen werden.

Die Saarländische Krankenhausgesellschaft (SKG) kritisierte, diese strenge Anforderung mache Investitionen unsicher. Weiter monierte sie, die relativ hohe Morbidität und die demographische Entwicklung seien im Plan zu wenig berücksichtigt und der Bettenabbau falle zu stark aus.

Kassen und SPD stören sich daran, dass Weisweiler einen weiteren Standort für einen Linksherzkatheter-Messplatz akzeptieren will. Dieser soll aber - abgesehen von Notfällen - nur als Außenstelle einer andernorts bereits bestehenden Kardiologie-Abteilung betrieben werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »