Ärzte Zeitung, 23.10.2012

Mannheim

Uni-Augenklinik feuert Chef

Wieder Ärger an der Uniklinik Mannheim: Jetzt wurde der Direktor der Augenklinik von seinen Aufgaben entbunden. Fachliche Gründe gibt es offenbar keine - aber eine "tief greifenden Vertrauensstörung".

Uni-Augenklinik feuert Chef

Uni Mannheim: Der Chef der Augenklinik muss gehen.

© imagebroker / imago

Von Marion Lisson

MANNHEIM. Das Mannheimer Universitätsklinikum hat mit sofortiger Wirkung den bisherigen Direktor der Augenklinik, Professor Jost B. Jonas, von seinen Aufgaben als Klinikdirektor entbunden.

Die Klinikleitung macht zu den Gründen dieser Trennung bislang keine weiteren Angaben, sondern spricht von einem "tief greifenden gestörten Vertrauensverhältnis". Betont wird jedoch, dass fachliche Gründe keinerlei Rolle gespielt haben.

Seit zwölf Jahren genießt Jonas in Mannheim einen hervorragenden Ruf als Arzt und Wissenschaftler. Er gilt als Spezialist für Erkrankungen der Netzhaut und des Augenglaskörpers.

"Um einer eventuellen Verunsicherung von Patienten vorzubeugen, weist das Klinikum ausdrücklich darauf hin, dass es keine Zusammenhänge zwischen der Qualität der medizinischen Versorgung und dieser Personalentscheidung gibt", so Pressesprecher Klaus Wingen.

Doch auch wenn das Uniklinikum Mannheim selbst über die Gründe für die Trennung schweigt, spricht man schon seit einiger Zeit über Probleme in der Augenklinik. So sind beispielsweise die langen Wartezeiten in der Klinikambulanz bekannt.

Medikamentenproviant angeraten

Auf der Homepage wurde den Patienten bislang sogar geraten, sich Proviant sowie die Tagesration notwendiger Medikamente mitzubringen. Von der Anmeldung bis zum Abschlussgespräch dauert es nicht selten mehrere Stunden.

Der "Mannheimer Morgen" berichtete zudem, dass Jonas dem Klinikum vorgeworfen habe, die Vereinbarung mit der Medizinischen Fakultät Mannheim, die zur Universität Heidelberg gehört, zum eigenen finanziellen Vorteil zu nutzen - was für seine Forschungsprojekte massive Nachteile bringe.

Jonas habe in diesem Zusammenhang sogar eine Selbstanzeige initiiert, um Vergabemodalitäten überprüfen zu lassen.

Nach Angaben der Klinikleitung haben sowohl der Aufsichtsrat als auch der Betriebsrat zugestimmt, Jonas von seinen Aufgaben als Klinikleiter zu entbinden.

Jonas Tätigkeit als Lehrstuhlinhaber der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg bleibt jedoch von dieser Trennung unberührt.

Vorerst führt der Leitende Oberarzt Professor Frank Schlichtenbrede die Augenklinik kommissarisch.

[24.10.2012, 09:45:14]
Dr. Eberhard Wochele 
Wissen kostet Geld
Erst entstehen Kosten für das Medizinstudium, das bezahlt die Allgemeinheit mit den Steuern, danach entstehen Kosten für die Weiterbildung, meist im Krankenhaus, aber mitfinaziert durch die Arbeit des Arztes im Krankenhaus,bislang mitfinanziert durch die Allgemeinheit durch Zuschüssse vom Land oder der Stadt. Das Krankenhaus lief unter dem Namen Städtische Krankenanstalten. Jetzt ist das Krankenhaus eine GmbH geworden und muß schwarzen Zahlen schreiben. Da ist für Wissenschaft und Ärzte wohl nicht mehr viel Geld da. Hut ab vor diesem couragierten Arzt, der sich da zur Wehr gesetzt hat. Aber Geld regiert die Welt. Hoffentlichlich merken auch die Patienten bald, was da in der Politik gespielt wird. Ansehen und Macht, es darf aber nichts kosten. Der Profit dar nur zum Unternehmen fliesen. Investitionen ? Reformstau ! Sollte in unserer Gesellschaft ein Umbruch stattgefunden haben?
Wissen ist keine Macht mehr ? Schade, da werden viele auswandern aber auch keine mehr einwanden, oder nur noch die, die das noch nicht begriffen haben. zum Beitrag »

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