Ärzte Zeitung, 30.04.2013

Protest an der Saale

Unimedizin Halle vor dem Aus

Aufstand in Sachsen-Anhalt: Die Universitätsmedizin Halle soll geschlossen werden. Die Pläne der Landesregierung lösen bei Bürgern und Verbänden Entsetzen aus. Heute kommt es zum Protest. Der Ruf nach dem Bund wird lauter.

Von Petra Zieler

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Formulierten eine Resolution für den Erhalt: Studierende und Mitarbeiter der Uni Halle am Mittwoch.

© Universitätsklinikum Halle

HALLE. Der Unmut gegen die Rotstiftpolitik der Landesregierung in Sachsen-Anhalt, der auch die Universitätsklinik in Halle zum Opfer fallen soll, wird lauter. Am Dienstag wollen Mitarbeiter und Studierende, aber auch besorgte Saalestädter und Patienten auf die Straße gehen. Ihr Motto: "Halle bleibt".

Bereits am vergangenen Mittwoch hatten 1500 Studierende und Mitarbeiter bei einer Versammlung eine Resolution für den Erhalt der Universitätsmedizin verabschiedet. Gegen Kürzungen im Hochschulbereich hatte sich bereits Ex-Wirtschaftsministerin Brigitta Wolff starkmachen wollen.

Vergebens: Sie wurde am 19. April von Ministerpräsident Reiner Haseloff (beide CDU) geschasst. Gegen ihn, aber auch Wolffs Nachfolger Hartmut Möllring (CDU), vormals Finanzminister in Niedersachsen, wächst der Druck.

Erst am Samstag hat sich ein landesweites Bündnis aus Hochschulgruppen, Studenten- und Personalvertretungen sowie Gewerkschaften gegen die Sparpolitik formiert, das auch von Landtags- und Bundestagsabgeordneten unterstützt wird.

"Der Wegfall einer der medizinischen Hochschulstandorte wäre fatal", warnt die Präsidentin der Landesärztekammer, Dr. Simone Heinemann-Meerz.

Vorschläge zur Einsparung

Abgesehen davon, dass dort der dringend erwartete ärztliche Nachwuchs ausgebildet werde, sei die Hochleistungsmedizin durch die enge Verzahnung von Forschung und Lehre eine zentrale Säule für die Behandlung von Patienten mit schweren oder seltenen Erkrankungen.

Haseloff und sein SPD-Finanzminister Jens Bullerjahn argumentieren, ein steuerschwaches Land wie Sachsen-Anhalt könne sich zwei medizinische Fakultäten nicht leisten.

Dem wird entgegengehalten, der Wegfall von 4000 Arbeitsplätzen und weiteren Jobs in kooperierenden Firmen hätte katastrophale wirtschaftliche Folgen für die Stadt Halle und die Region.

Abgesehen davon würde die Schließung des Hallenser Standortes immense Restrukturierungskosten in Magdeburg nach sich ziehen. Haushaltskürzungen um jeden Preis kämen nach Ansicht von Thomas Voß, verdi-Landesbezirksleiter Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, einem Kaputtsparen gleich.

"Eine Uniklinik kann nicht von heute auf morgen geschlossen werden", sagt Dr. Bettina Hailer, Kaufmännische Direktorin der Uniklinik Halle. "Wir haben der Landesregierung bereits Vorschläge zu möglichen Einsparungen unterbreitet."

Bereits vor einigen Jahren sei der Lehrstuhl Rechtsmedizin auf ein Uniklinikum konzentriert worden. Halle habe sich zudem auf die Transplantation von Nieren, Magdeburg auf die Lebertransplantation spezialisiert. Weitere Einspareffekte seien denkbar.

Drohende Versorgungsengpässe

Für den Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) ist die angedachte Schließung eine Folge "grundlegend falscher politischer Weichenstellungen in der Finanzierung der Hochschulmedizin".

Der Bund müsse hier "mehr Mitverantwortung übernehmen", forderte Professor Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentags (MFT). Die Sonderaufgaben der Hochschulmedizin wie die Versorgung Schwerstkranker oder die Vorhaltung spezialisierter Zentren müssten durch eine eigenständige Finanzierungssäule vergütet werden - gespeist aus Bund und Krankenkassen, fordert der VUD.

Der Hartmannbund verlangte von der Landesregierung, von ihren Plänen Abstand zu nehmen. Das Vorhaben lasse keinen Weitblick erkennen, sagte Kristian Otte, Vorsitzender der Medizinstudierenden im Hartmannbund.

Ohne die Universitätsmedizin in Halle könne die Versorgung in der Region auf Dauer nicht gewährleistet werden. "Unser Land braucht zwei Universitätsklinika", erklärten die Hartmannbund-Univertreter in Halle und Magdeburg, Babette Fischer und Martin Rohracker.

Sie verwiesen darauf, dass pro Jahr im Land mehr als 200 Ärzte altersbedingt aus der Versorgung ausscheiden. "Wer soll deren Job künftig übernehmen, wenn in unserem Land nicht mehr genügend Mediziner ausgebildet werden?".

[18.05.2013, 14:30:31]
Dr. Jürgen Groß 
Sachsen-Anhalts Regierung dient dem Mammon
Jesus sagte einmal (Luk. 16, 13): „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“. Die sich christlich nennende Regierung will ein außerordentlich traditionsreiches Uni-Klinikum, das eng mit der Leopoldina verbunden ist, schließen. Lieber Gott, was ist das für ein Land?!
Dr. med. Jürgen Groß, aufgewachsen am MLU-Uni-Klinikum zum Beitrag »
[01.05.2013, 16:45:07]
Sandro Taumer 
Schließung der Universitätsmedizin
Sollte dieses beispiellose Vorhaben von der verantwortungslosen Politk umgesetzt werden, wäre es das erste große Universtätskrankenhaus (und zugleich Großkrankenhaus) in Deutschland, das geschlossen würde!!! Dieses Beispiel macht dann Schule, so daß noch viele weitere Häuser dieser Art überall in Deutschland folgen werden! Private Gesundheitskonzerne sind offenbar derzeit an der Übernahme öffentl. Häuser wohl eher wenig interessiert (s. Vorgänge am Uni.-Klinikum Marburg/ Gießen)!
Wie will die Politik ihrer Bildungsverpflichtung so gerade in Zeiten des Ärztemangels nachkommen und wo sollen dann künftig die mehreren tausend Patienten aus den verschiedensten Fachabteilung dieser Häuser behandelt werden?!
Diese Vorhaben ist unbedingt zu verhindern! Es zeigt, daß diese völlig inkompetente Landesregierung in Sachsen-Anhalt offenbar völlig überfordert und unfähig ist! Wie viele weitere Fachkräfte habe ich nicht zuletzt dieses Bundesland daher schon vor vielen Jahren verlassen, eine gute Entscheidung, wie sich gerade zum jetzigen Zeitpunkt bestätigt!
Es wird auch deutlich, daß ein Ausstieg aus der Eurozone (die wohl alles noch vorhandene Geld verschlingt!!!) dringend geboten scheint, soll sich das deutsche Gesundheitssystem nicht an die dritte Welt angleichen! zum Beitrag »

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