Ärzte Zeitung online, 16.04.2014

Ambulante OP-Zentren

Drohen im Norden Einbußen?

Kassen im Norden haben den Strukturvertrag für ambulante OP-Zentren gekündigt. Im Einzelfall drohen den betroffenen Einrichtungen Einbußen bis zu 200.000 Euro.

Drohen im Norden Einbußen?

Ambulante Op sollen unter anderem Kassen Kosten sparen helfen. Im Norden haben sie nun aber einen Strukturvertrag gekündigt.

© Ulrich Perrey/dpa

KIEL. Ambulante Operationszentren im Norden müssen sich auf finanzielle Einbußen einstellen. Grund ist die Kündigung eines Strukturvertrages durch die Krankenkassen. Die Einbußen summieren sich in großen Einrichtungen auf bis zu 200.000 Euro.

"Wir hoffen nun auf einen möglichst umfassenden Selektivvertrag", sagte Dr. Karl-Heinz Gnutzmann aus der Praxisklinik Kronshagen der "Ärzte Zeitung".

Die Ärztegenossenschaft Nord bestätigte, dass bereits erste Gespräche mit Krankenkassen stattgefunden haben.

Über 300 Ärzte waren in Vertrag eingeschrieben

Grund für die Bemühungen ist die Kündigung des Strukturvertrages mit der KV. Hier waren über 300 Ärzte eingeschrieben. Hauptbetroffene sind zehn große Anbieter wie die Praxisklinik, die zusammen rund zwei Drittel der ambulanten Op im Norden erbringen.

Ihre ärztlichen Leistungen werden künftig über den EBM vergütet. Im Vergleich zum Strukturvertrag ist diese Vergütung niedriger. Beispiel Adenotomie ohne Tonsillektomie:

Für die Operation gibt es laut EBM 97,78 Euro (Strukturvertrag: 116,20 Euro), für die Anästhesie 96,03 Euro (Strukturvertrag 114,12 Euro) und für die postoperativen Leistungen 25,59 Euro (Strukturvertrag: 34,24 Euro).

Die wegfallenden Zuschläge machen laut KV im Durchschnitt 19 Prozent bei den Operationen und jeweils 34 Prozent bei Anästhesien und den postoperativen Leistungen aus.

Nun stehen Kassen unter Druck

"Die KVSH hätte den Strukturvertrag gern in einer anderen Form fortgeführt", bedauerte die KV die Kündigung. Ein Selektivvertrag ist der Körperschaft aber gesetzlich nicht möglich. Nun hoffen die Beteiligten im Norden, dass die Kassen sich mit der Genossenschaft einigen.

Druck für die Kassen besteht, weil durch die Kündigung des Strukturvertrages auch das für eine Nacht nach dem Eingriff mögliche betreute Schlafen nicht mehr bezuschusst wird. Bislang mussten die Patienten dafür nur zehn Euro bezahlen.

Nun legen die Einrichtungen die Echtkosten in Höhe von 129 Euro auf die Patienten um. In der Praxisklinik haben rund 550 Patienten im Jahr eine Nacht nach einem ambulanten Eingriff zugebracht.

Anästhesist Gnutzmann erwartet, dass künftig jeder zweite wegen der hohen Kosten darauf verzichtet, obwohl dies sinnvoll ist. Die Kassen argumentieren zwar, dass betreutes Schlafen nichts mit ambulantem Operieren zu tun habe.

Gnutzmann aber hält dagegen: Das ist ein Instrument, um die Patienten aus dem stationären in den ambulanten Bereich zu ziehen. (di)

[16.04.2014, 07:25:30]
Gerhard Leinz 
Qualitätssicherung als Chance
Diese Situation könnte genutzt werden um den ramponierten Ruf (es wird zuviel operiert) des Operierens zu verbessern. Es ist fragwürdig, wenn der Operateur selbst die Indikation stellt und die Kasse zahlen muss und erst nachherbei den Kassen Fragen nach der Berechtigung der Operation auftauchen und bevorzugt in der Presse diakutiert werden. Da steht der Ruf des Operateurs ( Indikationsstellung zu Fütterung der eigene Tasche ) zu sehr im Wind. Die Lösung könnte sein: Antragspflicht (wie zum Beispiel in der ambulanten Psychotherapie) bei der Kasse, verbesserte Bezahlung der einzelnen Leistung, nachgelagerte zusätzliche Bezahlung bei "Erfolg" (Patientenzufriedenheit). Eine alleinige Orientierung auf den Preis bei den Kassen fordert eine "Fließbandmedizin" mit lockerer Indikationsstellung geradezu heraus.

Gerhard Leinz - Kiel zum Beitrag »

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