Ärzte Zeitung, 14.12.2015

Medizinforschung

Förderung belohnt Institute und spezielle Ausrichtungen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft zieht Bilanz: Im Zeitraum von 2011 bis 2013 förderte sie mit mehr als 1,5 Milliarden Euro Projekte der Medizinforschung. Spezialisierte Forschungsverbünde profitierten zusätzlich von Fördermitteln des Bundes.

Von Matthias Wallenfels

NEU-ISENBURG. Medizinische Forschung hat bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen hohen Stellenwert. So flossen im Zeitraum 2011 bis 2013 laut dem DFG-Förderatlas 2015 insgesamt 1,652 Milliarden Euro an Fördermitteln in die medizinische Forschung an Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen.

Damit entfällt auf die Medizin der Löwenanteil innerhalb des Förderbereichs Lebenswissenschaften, zu dem noch die Grundlagen der Biologie und Medizin, die Pflanzenwissenschaften, die Zoologie, die Mikrobiologie, Virologie und Immunologie, die Neurowissenschaft sowie die Agrar-, Forstwissenschaften, Gartenbau und Tiermedizin zählen.

"Die Lebenswissenschaften machen mit knapp 2,6 Milliarden Euro fast genau ein Drittel der gesamten DFG-Bewilligungen der Jahre 2011 bis 2013 aus und bilden so in der monetären Betrachtung vor allem mit den Fachgebieten Medizin und Biologie einen Schwerpunkt der DFG-Förderung", heißt es in dem Bericht.

Zentren werben weitere Fördermittel ein

Von den 1,652 Milliarden Euro, mit denen die DFG im genannten Zeitraum im Fachgebiet Medizin Projekte gefördert hat, flossen laut Förderatlas fast 1,45 Milliarden Euro an 76 Hochschulen, der Rest an 152 außeruniversitäre Einrichtungen.

Letztere beziehen ihre Fördergelder, wie der Bericht zeigt, eher aus der Einwerbung von Drittmitteln. Und profitieren dabei davon, Institute großer Forschungsverbünde, wie der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) oder der Leibniz-Gemeinschaft (WGL), zu sein.

Dazu gehören, so die DFG, zum Beispiel das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin, aber auch das Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) in München, das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (MPIBPC) in Göttingen oder das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin.

Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen werben laut DFG in den Lebenswissenschaften dabei vor allem Mittel im Rahmen der direkten Projektförderung des Bundes ein und machen bei diesem Förderer 30 Prozent der Gesamtbewilligungen aus.

Gerade die Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) seien hier sehr aktiv. So habe das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und experimentelle Medizin (ITEM) in Hannover fast 15 Millionen Euro im Rahmen der direkten Projektförderung des Bundes eingeworben.

Unter den Einrichtungen der HGF sei wiederum das DKFZ mit über 30 Millionen Euro sehr stark vertreten.

Spitzenreiter Medizinische Hochschule Hannover

Auf die einzelnen Hochschulen heruntergebrochen, gingen mit 81,5 Millionen Euro die meisten DFG-Fördermittel an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

Davon entfielen wiederum laut Förderatlas 58,5 Millionen Euro auf das Forschungsfeld Medizin, 21,2 Millionen Euro auf die Mikrobiologie, Virologie und Immunologie sowie 1,8 Millionen Euro auf die Neurowissenschaft.

Die MHH profitiere von ihrer Beteiligung an den Exzellenzclustern "REBIRTH: Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie", "Hören für alle: Modelle, Technologien und Lösungsansätze für Diagnostik, Wiederherstellung und Unterstützung des Hörens" sowie an der "Biomedizinischen Graduiertenschule Hannover".

An zweiter Stelle der Förderung stand die Ludwig Maximilians Universität in München mit 76,7 Millionen Euro, gefolgt von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (72,2 Millionen Euro) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (68,9 Millionen Euro).

Die Eberhard Karls Universität Tübingen, die im vorangegangenen DFG-Förderatlas aus dem Jahre 2012 noch nicht unter den ersten fünf Hochschulen vertreten war, habe insbesondere mit dem Exzellenzcluster "Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)" ihre DFG-Bewilligungssumme in der Neurowissenschaft sowie der Medizin deutlich steigern können.

Wie die DFG betont, fördere auch der Bund in großem Umfang Projekte in der Gesundheitsforschung. Das für die Medizin beim Bund entscheidende Förderfeld "Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft" sei von 2011 bis 2013 immerhin mit rund 1,045 Milliarden Euro ausgestattet gewesen. Davon seien etwa 70 Prozent an Hochschulen gegangen.

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