Ärzte Zeitung, 11.05.2016

Integrationsgesetz

Kosten für Dolmetscher zu hoch kalkuliert?

In die Diskussion um Mehrkosten für Kassen durch den Einsatz von Dolmetschern für Flüchtlinge schaltet sich nun ein Branchenspezialist ein und gibt Entwarnung.

BERLIN. Der Einsatz eines qualifizierten Dolmetschers in der Flüchtlingsversorgung über Video kostet nicht mehr als 30 Euro - ohne Wartezeit und Haftungsrisiko aufgrund des zugeschalteten ausgebildeten Dolmetschers.

Dieses Fazit zieht Dr. Peter Merschitz Chief Technical Officer des Unternehmen SAVD Videodolmetschen. Der Dolmetschervermittler schaltet sich mit dieser Äußerung in die Diskussionen rund um das Integrationsgesetz in Deutschland ein und stellt Krankenversicherern sowie anderen Leistungsträgern - nach eigenen Angaben erstmals datenschutzkonform - die über die vergangenen 18 Monate erfassten Metadaten exklusiv zur Verfügung.

Damit solle dem Gesetzgeber als auch den Leistungsträgern die Basis einer realistischen Kostenabschätzung geliefert werden und den derzeitigen Kostendiskussionen in Bezug auf infrage kommende Bundeszuschüsse und ähnliches mehr Substanz verleihen.

Die von den Leistungsträgern geäußerten Einwände seien generell nicht von der Hand zu weisen, jedoch seien die von Martin Litsch, Chef des AOK-Bundesverbandes, kürzlich befürchteten Mehrausgaben von 120 Millionen Euro pro Jahr zu hoch gegriffen, so Merschitz.

"Die durchschnittliche Behandlungszeit in Kliniken mit unseren ausgebildeten Videodolmetschern liegt bei 12,3 Minuten, ausgenommen der geringere Anteil an Reha und Psychiatrie", verdeutlicht Merschitz.

Beim praktischen Arzt bekomme ein Patient in der Regel 5,8 Minuten, um Behandlung und Diagnose zu erhalten. In den Notfallaufnahmen der Kliniken liege man ebenfalls bei gerade mal sechs Minuten - und wenn man in den kommunalen Bereich komme, um Sozialhilfe, Kindergeld oder andere Leistungen zu beantragen, sei der zugeschaltete Videodolmetscher nach 14,5 Minuten wieder frei für den nächsten Einsatz.

SAVD betreut nach eigener Aussage Kommunen, Kliniken, Justizvollzugsanstalten, Jobcenter, Schulen, Bildungseinrichtungen und Polizei- und Asyleinrichtungen. Knapp 1000 ausgebildete Dolmetscher stünden in seinen Diensten. (maw)

[11.05.2016, 20:52:02]
Reinhard Pohl 
Kosten der Nicht-Verständigung mit einrechnen!
Die Kosten der Nicht-Verständigung werden bisher gar nicht veranschlagt. Die Nicht-Verständigung bedeutet mehr Laboruntersuchungen, häufigere Überweisung vom Arzt ins Krankenhaus, längere Liegezeiten ("zur Beobachtung") und auch Ärzte-Hopping.

Die Stellungnahme von SAVD bezieht sich nur auf das Video-Dolmetschen, das bei längerer Behandlung die Anwesenheit der Dolmetscherin oder des Dolmetschers nicht ersetzen kann. zum Beitrag »

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