Ärzte Zeitung, 30.07.2015

Medical Devices

Kommen Wearables wirklich in Deutschland an?

Wearable Computing sehen IT-Fachkräfte als Zukunftstrend in Deutschland an. Doch sehen sie bei Fitnessarmbändern und anderen Medical Devices potenzielle Konflikte mit dem Datenschutz sowie Defizite bei der Datensicherheit.

Von Matthias Wallenfels

Noch hohe Hürden für einen Einsatz in der Fläche?

Besonders beim Sport werden Smartphones genutzt, um Vitalfunktionen aufzuzeichnen.

© Maridav / fotolia.com

WIESBADEN. Die Digitalisierung der Gesundheit am Armgelenk oder anderen Körperteilen wird sich nach Ansicht von IT-Experten als zukunftsfähiger Trend erweisen. So schätzen 58 Prozent von ihnen das Wearable Computing als besonders wichtigen Trend ein.

Das geht aus der Trendstudie "IT- und Technologiereport 2020" der IT-Beratungsgesellschaft Invensity hervor, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Dafür wurden nach Unternehmensangaben 70 Fach- und Führungskräften aus der IT-Branche im Umfeld der diesjährigen Fachmesse CeBIT befragt.

Wearables sind, stimmen 40 Prozent der IT-Experten zu, eine große Unterstützung für jeden einzelnen, um gesünder zu leben.

Dennoch begegnen sie dem Potenzial der Wearables auch mit Skepsis. So stimmen 36 Prozent der Aussage nicht zu, dass Fitnessarmbänder durch ihre Vernetzung untereinander ein starkes Kommunikationstool bilden, 52 Prozent stimmen hier etwas zu.

30 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Wearables für eine perfekte Work-Life-Balance im Alltag sorgen, 45 Prozent stimmen etwas zu.

Kein Mittel gegen Übergewicht

Immerhin 78 Prozent der Befragten sehen die Wirkung der Wearables als begrenzt an und hegen Zweifel daran, dass mittels der kleinen Helfer in wenigen Jahren die Problematik Übergewicht bezwungen sei.

Diese Einschätzung korreliert mit einer repräsentativen Umfrage von TNS Infratest und dem Bundesverband der Hörgeräte-Industrie (BVHI) vom vergangenen Sommer, die zutage brachte, dass die Mehrheit der Bevölkerung noch bei Wearables noch Zurückhaltung übt.

Fakt ist, dass es immer mehr solche Lösungen gibt, die dem Monitoring der Gesundheitsdaten dienen - und zwar nicht nur bei gesundheitsbewussten, sondern auch bei bereits erkrankten Menschen.

Immerhin 58 Prozent der Befragten wünschen sich laut BVHI eine verbesserte Handhabung und Bedienbarkeit bei der künftigen Ausgestaltung der am Körper tragbaren Elektronikgeräte. Eine bessere Messfunktion von Wearables, etwa der Herzfrequenz, wünschen sich 44 Prozent aller Befragten.

Zudem steht eine bessere Kommunikation beispielsweise via Sprachfokussierung oder Telefonie im Fokus der Anwender.

Klare Absage an Datenkrake

Unabhängig von der Durchsetzbarkeit der Wearables am deutschen Markt hegen die von Invensity befragten IT-Experten Bedenken bezüglich Datensicherheit und -schutz.

So stimmen 58 Prozent der Aussage zu, dass mit offenen Übertragungswegen, etwa zwischen Gerät und App, große potenzielle Sicherheitslücken entstehen. Ergänzend dazu stimmen 74 Prozent der Aussage zu, dass sich Anwender bisher noch zu wenig über den Sicherheitsstatus ihres Fitnessarmbands informieren.

 85 Prozent hegen datenschutzrechtliche Bedenken, sollte eine, wie etwa von Microsoft anvisierte, zentrale Anlaufstelle für Gesundheitsdaten etabliert werden.

Dass in puncto Wearables das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist, zeigt die Potenzialeinschätzung eines breiten Einsatzes dieser Technik - Mehrfachantworten waren möglich.

So schätzen 48 Prozent, dass Krankenhäuser im Falle eines Unfalls sehr viel schneller Zugriff auf die relevanten Patientendaten haben werden. 14 Prozent prognostizieren, dass öffentliche Stellen künftig Gesundheitsdaten jederzeit und auch unangekündigt abrufen dürfen, um zum Beispiel einen Versicherungsbetrug aufzudecken.

Zwölf Prozent stellen sich vor, dass Wearables im Unternehmensalltag zur Pflicht werden, um die optimale gesundheitliche Versorgung jedes Mitarbeiters gewährleisten zu können.

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