Ärzte Zeitung, 22.10.2010

Arzt trotzt Bürgerprotesten gegen Ärztehaus

Ein Ärztehaus auf die Beine zu stellen, ist kein leichtes Unterfangen. Das wusste auch der Augenarzt Dr. Bernhard Bambas aus Bad Segeberg. Doch ein Baustart unter Polizeieinsatz war ihm neu.

Von Dirk Schnack

Facettenreicher Protest gegen Ärztehaus

Dr. Bernhard Bambas, Augenarzt in Bad Segeberg: "Alles ist legal, wir haben hier keine Nacht- und Nebel-Aktion gestartet."

© di

BAD SEGEBERG. Die Lokalpresse in Bad Segeberg zog schon den Vergleich zu Stuttgart 21: Menschen protestieren gegen ein legales Bauvorhaben, während Bauarbeiter nur mit Hilfe der Polizei tätig werden können.

Der Vergleich hinkt an vielen Stellen, doch Augenarzt Dr. Bernhard Bambas kann heute darüber schmunzeln. Der Bauherr lässt zusammen mit seiner Frau und Praxispartnerin Carmen ein Ärztehaus neu bauen, das neben ihrer eigenen Gemeinschaftspraxis zwei weiteren Praxen Platz bieten wird.

Nachdem alle zuständigen Behörden zugestimmt hatten, stand dem Start eigentlich nichts mehr im Wege - dachten die Ärzte. Bis sie von einem Nachbarschaftswiderspruch hörten, der das Verfahren verzögerte.

Anwohner sammelten fleißig Unterschriften

Der Protest aus den angrenzenden Wohnhäusern der Segeberger Bismarckallee kam unerwartet, mit den am Ort bekannten Ärzten hatte zuvor niemand von ihnen Kontakt aufgenommen. Die Anwohner sammelten Unterschriften gegen die Pläne der Ärzte.

Ihrerseits versuchten sie, die Gründe für die Ablehnung der künftigen Nachbarn zu erfahren. Sie boten an, ihre Pläne zu erläutern - schließlich wird das Ärztehaus nicht höher als andere Gebäude in der Straße. Auch zusätzlicher Autoverkehr ist für die Anwohner ausgeschlossen, da die Patienten noch vor den Wohnhäusern auf den Praxisparkplatz abbiegen werden.

"Alles ist legal, wir haben hier keine Nacht- und Nebel-Aktion gestartet", sagt der von den Protesten verblüffte Ophthalmologe.

Nachdem der Widerspruch abgelehnt war, sollten Baumfällarbeiten auf dem Grundstück beginnen. Die Bambas erlebten die nächste Überraschung: Eine Gruppe von vier Anwohnern behinderte durch ihre Anwesenheit auf dem Grundstück die Arbeiten. Bambas versuchte vergeblich, zu vermitteln und rief die Polizei.

Erst die Androhung eines Platzverweises konnte die Gruppe davon abhalten, die legalen Arbeiten weiter zu behindern. Deren Ärger über die gefällten Bäume ist unbegründet: Es handelte sich zum Teil um morsche Buchen, die ohnehin gefällt werden mussten, weil sie sonst zu einer Gefährdung der Nachbargrundstücke geführt hätten.

Dass dort eine Dame wohnt, die mit ihrer Unterschrift gegen den Bau protestierte, obwohl ihr Auszug in diesem Monat bereits feststand, passt für Bambas ins Bild des diffusen Protestes. Das Arzt-Ehepaar will sich trotz der Nerven aufreibenden vergangenen Wochen nicht vom Bau seines Ärztehauses abhalten lassen.

"Das ist das Projekt für unsere zweite Lebenshälfte. Wir versuchen, unseren Patienten eine angenehme Umgebung und uns ein optimales Arbeitsumfeld zu schaffen", sagt Bernhard Bambas. Der Baubeginn ist für den Dezember vorgesehen, die voraussichtliche Fertigstellung für März 2012.

Die beiden Ärzte haben gute Gründe für ihren Standortwechsel. Zwar liegt ihre etablierte Praxis derzeit mitten im Ort, doch die Probleme in den gemieteten Räumen haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft.

In den Praxisräumen funktioniert die Lüftung nicht so, wie die Ärzte es sich vorstellen. Trotz mehrfacher Versuche, mit dem Vermieter eine Lösung zu finden, kam es zu keiner Einigung. Um die Hitze in den Sommermonaten nicht zu stark werden zu lassen, müssen Fenster geöffnet werden, was zu einer Lärmbelästigung führt.

Das Parkhaus gegenüber der Praxis wurde inzwischen geschlossen. Eine Lösung für die angespannte Parkplatzsituation steht in den Sternen. Die Probleme bekommen auch die Patienten der Augenärzte zu spüren.

Hinzu kommen kleinere Probleme in der Ablauforganisation, die beim Start in die Niederlassung vor 17 Jahren noch nicht absehbar waren. So sollen etwa im neuen Ärztehaus zusätzliche Wartezonen geschaffen werden, damit Patienten nach einer ersten Untersuchung nicht zurück ins Wartezimmer müssen.

Investitionen sollen vor dem Ruhestand abgezahlt sein

Die Gemeinschaftspraxis wird künftig im ersten Stock eingerichtet, für das Erdgeschoss und den zweiten Stock suchen die Bauherren nach Mietern. Aber lohnt dieser Aufwand, wenn eine Praxis so etabliert ist?

"Wir haben noch 15 bis 18 Jahre Praxistätigkeit vor uns", sagt der 47-jährige Bernhard Bambas dazu. Diese Zeitspanne ermöglicht ihnen noch den Abtrag der für einen Neubau erforderlichen Investition, hinzu kommt ein für Bauherren derzeit günstiges Zinsniveau.

Auch die Nachbarschaft am neuen Standort, die nicht nur aus protestierenden Anwohnern besteht, führt Bambas ins Feld. Das neue Haus wird nämlich in der gleichen Straße gebaut, in der Ärztekammer und KV ihren Sitz haben.

Für den berufspolitisch aktiven Bambas ist das von großem Vorteil: er hat künftig kurze Wege und kann Fragen für den Berufsverband der Augenärzte, dessen Landesvorsitzender er ist, im persönlichen Gespräch vor Ort klären.

Angst, dass die Patienten aus der Innenstadt nicht in die neue Praxis folgen, müssen die Augenärzte nicht haben. Eine Befragung der Patienten ergab, dass die meisten von ihnen auch nach einem Umzug in die Praxis kommen wollen.

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