Ärzte Zeitung, 24.02.2011

Haus- und Klinikarzt: Das ist kein Widerspruch

Dr. Andreas Hug ist niedergelassener Arzt und zugleich in einer Klinik angestellt. Für den Familienvater ergänzen sich beide Tätigkeiten hervorragend. An der Praxistätigkeit schätzt er die enge Bindung zu seinen Patienten.

Von Dirk Schnack

Haus- und Klinikarzt, das ist kein Widerspruch

Dr. Andreas Hug arbeitet drei Vormittage in der Woche in der Klinik in Brunsbüttel.

© Dirk Schnack

MARNE. Die Karriereplanung von Dr. Andreas Hug schien klar: 2003 wechselte der Internist vom Westküstenklinikum Heide nach Brunsbüttel, um dort die Endoskopie aufzubauen. Ein Fulltime-Job mit hoher Verantwortung erwartete ihn, seine Vorgesetzten rechneten mit seinem ganzen Einsatz, den Hug auch zeigte.

Als die Zwillinge kamen, stieg Hug in die Praxis ein

Obwohl Hugs Frau Dr. Anja Szillat im Nachbarort Marne vor einigen Jahren die hausärztliche Praxis von ihrem Vater übernommen hatte, schaffte es das Ärzte-Ehepaar damals, der Familie mit zwei Kindern und den beiden anstrengenden Tätigkeiten gerecht zu werden.

Ein Jahr später gab es erneut Nachwuchs: Zwillinge. Damit musste das Paar auch seine beruflichen Perspektiven neu bewerten. Die junge Praxisinhaberin nahm eine kurze Auszeit, und ließ sich zeitweise von ihrem Vater vertreten. Zugleich reduzierte Hug seine Arbeitszeit in der Klinik.

Schnell war aber klar, dass die Praxis wieder den ganzen Einsatz seiner Frau erfordern würde. Auch Hug trug sich mit dem Gedanken an eine Niederlassung - die Idee einer hausärztlich-internistischen Gemeinschaftspraxis war geboren. Doch Hug hing an seiner Kliniktätigkeit.

Das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz bot ihm die Möglichkeit, beides zu realisieren. 13 Stunden dürfen Vertragsärzte laut Gesetz als Angestellte einer Klinik arbeiten. Hugs Vorgesetzte stimmten zu - wohl auch, um ihn nicht ganz zu verlieren. Denn ärztliche Nachfolger an die Nordseeküste zu holen, wird auch für Kliniken zunehmend schwieriger.

"Für mich ist das die ideale Konstellation. Meine Frau wurde damit in der Praxis entlastet. Weil sie ohnehin ihr Budget regelmäßig überschritten hatte, drängte sich diese Lösung auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht geradezu auf", berichtet Hug.

Zugleich macht er keinen Hehl daraus, dass das feststehende Angestelltengehalt in einem Haushalt mit zwei Freiberuflern für ein gewisses Gefühl an Sicherheit sorgt.

Als Niedergelassener ist mehr Geduld gefragt

Dennoch gab es anfangs Zweifel. So wusste Hug als Klinikarzt mit Spezialgebiet Gastroenterologie nicht, wie er in der hausärztlich-internistischen Versorgung einer Landarztpraxis bei den Patienten ankommt. Auch deshalb war es für ihn wichtig, ein Standbein in der Klinik zu behalten.

Zugleich wurde in der Praxis schnell deutlich, dass dort andere Strategien erforderlich sind. "Man darf keine schnellen Ergebnisse erwarten, man muss mehr Geduld mitbringen und man trägt mehr Verantwortung, weil man kein Klinikteam im Rücken hat", sagt Hug.

Inzwischen ist ihm klar, dass er beide Tätigkeiten auf Dauer fortführen möchte. "Ich erlebe die Niederlassung und die Kliniktätigkeit als fruchtbare Ergänzungen. Die hausärztliche Tätigkeit macht mir viel Spaß, und sie liegt mir auch. Man hat eine engere Bindung zu seinen Patienten als in der Klinik", lautet seine Erfahrung.

Er fährt drei Vormittage in der Woche ins benachbarte Krankenhaus in Brunsbüttel, um dort seiner endoskopischen Tätigkeit nachzugehen. Seinen Kassenarztsitz füllt er an zwei Vor- und zwei Nachmittagen sowie mit Hausbesuchen aus.

Dabei kommt es vor, dass er Patienten aus der Praxis in die Klinik einweisen muss, um sie dort endoskopisch untersuchen zu lassen - manchmal von ihm selbst.

"Das bleibt gar nicht aus und die Patienten finden das auch gut so. Aber ich achte sehr genau darauf, dass ich aus der Konstellation in Klinik und Praxis keinen persönlichen Gewinn ziehe. Ich überweise auch an andere Kollegen zur Endoskopie", stellt Hug klar.

Familie und Job - für das Arztehepaar kein Problem

Die Zulassung als Kassenarzt war in Marne kein Problem und stieß auf allgemeine Zustimmung in der Region, auch wenn er nicht an fünf Tagen pro Woche in der Praxis ist.

In Dithmarschen gibt es freie Kassenarztsitze, zugleich zeichnet sich wegen des Altersdurchschnitts vieler Kollegen ab, dass der Bedarf an niedergelassenen Ärzten in den kommenden Jahren eher noch größer wird.

Obwohl das Ärzteehepaar die Praxis im Wohnhaus betreibt, kommt es nur selten zu Patientenbesuchen außerhalb der Sprechzeiten. Die Patienten respektieren, dass ihre Ärzte Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen.

Um den wenigen hartnäckigen Patienten außerhalb der Sprechzeiten aus dem Wege gehen zu können, wird die Klingel nach dem letzten Patienten abgestellt.

Abgeschottet fühlt sich die Familie deshalb trotzdem nicht, Freunde und Verwandte wissen, wie sie das Ärzteehepaar und seine vier Jungen auch bei geschlossener Tür erreichen.

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