Ärzte Zeitung, 24.10.2012

Kopftuchverbot in der Praxis

Schadenersatz für Azubi-Bewerberin

Ein Zahnarzt muss einer Azubi-Bewerberin drei Monatsgehälter zahlen - als Ausgleich für die Absage.

BERLIN (fl). Wird eine Bewerberin um eine Ausbildungsstelle als Zahnmedizinische Fachangestellte (ZMFA) abgelehnt, weil sie ein islamisches Kopftuch trägt, steht ihr eine Entschädigung wegen Diskriminierung zu. Dies hat das Arbeitsgericht Berlin rechtskräftig entschieden.

Im konkreten Fall hatte sich eine muslimische Abiturientin als ZMFA-Azubi in einer Praxis beworben. Im Bewerbungsgespräch zeigte der Zahnarzt Interesse an einer Einstellung.

Er führte jedoch an, dass in der Zahnarztpraxis einheitliche Kleidung verlangt werde. Das islamische Kopftuch müsse sie daher ablegen. Als die Frau dies zurückwies, erhielt sie eine Absage.

Keine "Marotte"

Vor dem Arbeitsgericht forderte sie eine Entschädigung. Sie sei wegen ihrer Religion diskriminiert worden. Der Zahnarzt habe während des Gesprächs das Tragen eines Kopftuches vor allem nur aus Gründen der Gleichbehandlung der Frau abgelehnt.

Das Arbeitsgericht sprach der Abiturientin eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern zu. Der Zahnarzt habe gegen das Antidiskriminierungsgesetz (AGG) verstoßen und die Klägerin wegen ihrer Religion benachteiligt.

Das Tragen des Kopftuches sei keine "Marotte", sondern eine "unmittelbare Ausübung der Religionsfreiheit". Es bestehe kein zahnmedizinischer Grund, das Kopftuch ablegen zu müssen.

Der Zahnarzt könne sich auch nicht auf seine Berufsausübungsfreiheit berufen. Das AGG schränke diese in zulässigerweise ein. Für den Zahnarzt als privaten Arbeitgeber gebe es keine gesetzlichen Ausnahmevorschriften.

Az.: 55 Ca 2426/12

[25.10.2012, 06:37:35]
R. Mortag 
man kann es auch anders sehen
wenn nicht einmal ein Praxisinhaber mehr entscheiden kann wie die Praxis zu führen ist und wie das Äußere Erscheinungsbild der Praxis aussehen soll - na dann gute Nacht. Demnächst ist es auch egal ob High heels getragen werden bei Bewerbungsgespräch- und wenn dann die Ablehnung kommt - ist das halt Diskriminierung zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »