Ärzte Zeitung, 11.06.2013

Kommentar zum PIP-Prozess

Alles andere als absurd

Von Martin Wortmann

Natürlich machen sich Ärzte Gedanken, welche Arzneimittel und Medizinprodukte sie verwenden und verordnen. Aber ebenso natürlich müssen sie sich spätestens bei der Qualitätssicherung auf die Expertise anderer verlassen - etwa von Zulassungsbehörden oder Zertifizierungsstellen.

Dass sie das rechtlich gesehen auch dürfen, hat jetzt das Landgericht Karlsruhe im Fall der mangelhaften Brustimplantate des französischen Herstellers PIP bestätigt. Der Skandal erreichte seinen Höhepunkt 2012: Reihenweise waren die mit Billigsilikon gefüllten Implantate undicht geworden oder gar geplatzt.

Doch Ärzte, die PIP-Implantate verwendet haben, konnten dies jedenfalls 2007 noch nicht ahnen und durften sich auf Zulassung und Zertifikat verlassen.

Jedes andere Ergebnis wäre denn auch absurd gewesen. Niemand kann alles, was er benutzt, selbst kontrollieren. Für die Frauen war die Klage gegen ihre Ärzte vielleicht auch mehr eine Verzweiflungstat. Denn vom insolventen Hersteller PIP, der natürlich haften muss, wird wohl nicht viel zu holen sein.

Ärzte müssen die Fachpresse lesen, um rasch auf Berichte über Mängel bestimmter Produkte reagieren zu können. Hellseherei allerdings können Patienten von ihnen nicht erwarten.

Lesen Sie dazu auch:
Brust-Implantate: Ärzte haften nicht für PIP

[12.06.2013, 12:25:20]
Dr. Michael Kremer 
Völlig absurde Vorveruteilung von Ärzten durch die Boulevardpresse
Es ist vor allem ein Unding, was die Presse für eine Hetzjagd auf Ärzte veranstaltet hat- aus purer Sensationslust. Hier ist insbesondere die BILD München zu nennen, die mich öffentlich diffamierte, als ob ich der einzige Arzt in ganz Deutschland gewesen wäre, der noch dazu absichtlich Frauen mit angeblich "billigen" Implantaten (waren normal teuer) hätte schädigen wollte. Zum Glück hatten die mit PIP behandelten und auch neue Patientinnen mit Wunsch nach Brustvergößerung Vertrauen in meine Fähigkeiten als guter und seriöser Plastischer Chirurg.

Es wäre wirklich ein Unding gewesen, wenn ein Arzt verurteilt worden wäre, als ob man ein TÜV geprüftes und als Hochqualitätsimplantat bezeichnetes Implantat dann nach dem Öffnen der Packung im OP durch Riechen, Tasten und Schauen als minderwertig erkennen hätte können? geht's noch??? Die Presse, allen voran die BILD, hat viele Patientinnen in große Angst getrieben ohne echte Fakten zu haben. In England war man besonnen und es riet das Gesundheitsministerium nach genauer Prüfung tausender Fälle dazu erst einmal abzuwarten und nur bei nachweislichem Platzen eines Implantats (Ultraschall, MRI) einen ja wiederum mit neuen Risiken behafteten operativen Eingriff vornehmen zu lassen. Wir hatten auf diese Untersuchungen bereits frühzeitig im Sommer 2012 hingewiesen

http://www.cosmetic-aesthetic.com/de/aktuell-newsblog/1304-pip-implantate-doch-nicht-giftig.html

Mein als niedergelassener Arzt teilweise etwas erschüttertes Vertrauen in den Rechtsstaat ist wieder etwas gebessert, wenn es aber natürlich auch nur ein Urteil ist, das dem gesunden Menschenverstand entspricht. Aber das ist ja nicht unbedingt bei jedem Urteil so...
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