Ärzte Zeitung, 08.09.2015

Pauschal-Regress

KVNo will Sachlage vor Gericht klären

Die KV Nordrhein muss die Gemüter in den eigenen Reihen beschwichtigen - und stoppt den Pauschalregress zur früheren Chronikerpauschale.

DÜSSELDORF. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) hat die umstrittenen Honorarrückforderungen zur Chronikerpauschale auf Eis gelegt. Bis zu einer gerichtlichen Klärung werden keine weiteren Gelder mehr einbehalten.

Das kündigte KV-Vorstand Bernhard Brautmeier bei der VV am Donnerstag in Düsseldorf an.

Die Rückforderungen bei 4400 Hausärzten, die nach Einschätzung von Kassen bis Ende des dritten Quartals 2013 die damals geltende EBM-Chronikerziffer (03212) nicht gemäß Leistungslegende abgerechnet hatten, sorgte Anfang Juli in Nordrhein für Empörung.

Manche Ärzte sind mit fünfstelligen Summen betroffen. Die angeblich zu viel gezahlten Gelder sollten in drei Tranchen von den laufenden Honorarzahlungen abgezogen werden. Einmal ist das bereits geschehen. "Wir haben beschlossen, dass wir keine weiteren Einbehaltungen machen", so Brautmeier.

Die KV habe eine Absprache mit dem nordrheinischenHausärzteverband getroffen, die Sachlage zunächst in Musterprozessen zu klären.

Der KVNo-Vorstand habe keine andere Wahl gehabt, als dem Verlangen der Kassen in allen Fällen nachzukommen, in denen die formalen Voraussetzungen zur Abrechnung der Chronikerpauschale fehlten, entschuldigte sich Brautmeier.

"Wir hassen es, so etwas zu tun". Den Hausärzten habe man nie einen Vorwurf gemacht. "Als die Leistungslegende eingeführt wurde, haben wir gewusst, dass das nicht funktionieren kann."

Hausärzte machten in der VV ihrem Unmut erneut Luft. "Ich hätte mir von Anfang an ein anderes Verfahren vorgestellt", sagte Dr. Ralph Krolewski. Ein solcher "Schock- und Überraschungseffekt" in den Ferien sei nicht notwendig gewesen.

Der Vorstand müsse für die Ärzte und die Versorgung Farbe bekennen, forderte Martin Grauduszus. "Wir werden hier nicht mehr vertreten, sondern wir werden zerfleischt." (iss)

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