Ärzte Zeitung, 02.07.2009

Standortsicherung mit monoklonalen Antikörpern

Für 30 Millionen Euro baut Sanofi-Aventis im Industriepark Frankfurt-Höchst eine Anlage zur Herstellung monoklonaler Antikörper.

Erster Spatenstich in Höchst mit Christopher Viehbacher (2.v.r.).

Foto: cw

Von Christoph Winnat

In der neuen Zellkulturanlage von Sanofi-Aventis sollen ab Mitte 2011 therapeutische Antikörper für klinische Studien bis zur Phase IIb produziert werden. Das Unternehmen arbeitet gegenwärtig an fünf Antikörpern. Die Indikationen sind Magen-, Darm- und Prostatakrebs, NonHodgkin-Lymphom, rheumatoide Arthritis sowie Schmerzen.

Mit dem Bau werde die Biotech-Kompetenz des Standortes Frankfurt-Höchst weiter forciert, sagte Unternehmenschef Christopher A. Viehbacher beim ersten Spatenstich für die Anlage. Seit 2000 habe Sanofi-Aventis an seinem weltweit größten Konzernstandort 1,6 Milliarden Euro investiert. Insofern signalisiere die Entscheidung, hier die Kapazitäten für Antikörper zu erweitern, auch, dass der Standort sicher sei. Erst vor zwei Wochen hatte der französisch-deutsche Pharmahersteller in Höchst eine Anlage zur Insulinproduktion von Pfizer zurückgekauft. Darüber hinaus wurden für dieses Jahr weitere Investitionsentscheidungen zu Gunsten von Höchst getroffen - so zwei neue Fertigungslinien für Insuline und die Modernisierung eines Technikums -, die sich auf 60 Millionen Euro addieren. In Höchst arbeiten 7800 der 10 000 deutschen Konzernmitarbeiter.

Als völlig ungeeignete Antwort auf eine "große wissenschaftliche Frage" bezeichnete Viehbacher die Registerstudie von IQWiG und AOK, in der die Autoren Hinweise auf ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko unter Lantus® entdeckt haben wollen (wir berichteten). Das Thema habe für Sanofi-Aventis höchste Priorität. Viehbacher sagte, dass er sich das ganze Wochenende über mit Experten "aus der ganzen Welt" beraten habe, darunter Diabetologen und Epidemiologen. Sie hätten ihm bestätigt, dass die Studie nicht schlüssig sei.

Sanofi-Aventis produziere seit 70 Jahren Insulin, und seit 20 Jahren werde über einen möglichen Zusammenhang zwischen Insulin und Krebs diskutiert. "Wir haben in einer fünfjährigen klinischen Studie keinen Unterschied zu Humaninsulin gefunden", sagte Viehbacher. Sanofi-Aventis werde die Frage auf die wissenschaftlich "richtige" Weise angehen - "zusammen mit Experten, mit den Zulassungsbehörden und mit der Öffentlichkeit. Wir brauchen eine Studie, bei der die anderen Faktoren gleich gehalten werden, das kann nur eine klinische Studie", sagte der Konzernchef. Mit Lantus® setzte Sanofi-Aventis 2008 rund 2,5 Milliarden Euro (plus 28 Prozent) um.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »