Ärzte Zeitung, 20.11.2009

Entscheidungshilfen aus dem PC können Therapiekosten senken

Entscheidungshilfen aus dem PC können Therapiekosten senken

Dass Praxis-EDV durchaus positive Effekte auf die Patientenversorgung und die Kosten im Gesundheitswesen haben kann, zeigt ein gemeinschaftliches Programm der AOK und der CompuGROUP.

DÜSSELDORF (ger). Entscheidungsunterstützungssysteme können helfen, Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn die Entscheidungshilfe genau dann geleistet wird, wenn Ärzte sie auch brauchen. Diesen Schluss könnte man aus den Erfahrungen ziehen, die das E-Health-Unternehmen CompuGROUP mit seinem Programm "AOK aktiv + vital" in Hessen gemacht hat.

"Wir gehen davon aus, dass man mit Hilfe von Entscheidungsunterstützungssystemen 15 Prozent der Kosten einsparen könnte", sagte Dr. Dierk Heimann, Leiter Medical Affairs & Communication bei der CompuGROUP auf einer Pressekonferenz bei der Medica.

Das Programm "AOK aktiv+vital" ist ein Modellprojekt der AOK Hessen, an dem bislang 270 Hausärzte, 40 Fachärzte und 6500 Versicherte teilnehmen, vornehmlich Diabetiker. Projektstart war vor zwei Jahren. Die Ärzte bekommen für die Teilnahme ein Extrahonorar von 40 Euro im Jahr - bei Erreichung bestimmter Zielwerte bei Blutdruck und HbA1c-Wert gibt es ein zusätzliches Honorar von bis zu 15 Euro im Quartal.

In einer Evaluation des Programms hat die Dresden International University (DIU) ermittelt, dass bei den Patienten, die vorher in der Regelversorgung die Zielwerte nicht erreicht hatten, ein Drittel bis die Hälfte der Patienten in den Normbereich kamen - bei Triglyceriden, Blutdruck, und HbA1c. Weniger stark ausgeprägt war der Effekt bei der Gewichtsabnahme, so Heimann. In der Evaluation habe sich eine Reduktion der Therapiekosten von Diabetikern, die auch KHK-Patienten sind, um 3000 Euro pro Jahr ergeben. Ein Kontrollgruppe gab es allerdings nicht.

Heimann erklärt sich den Effekt auch mit der Unterstützung des Arztes durch die Software. "Ein Arzt, der beim Patientenmanagement alles so macht, wie es den vereinbarten Behandlungsgrundsätzen entspricht, merkt vielleicht so gut wie nie etwas von dem Programm. Es gibt keine Berieselung mit Informationen." Die Software könne jedoch dann, wenn es nötig sei, Erinnerungsfunktionen übernehmen "oder sogar Laborwerte interpretieren", so Heimann.

Die CompuGROUP hofft, dass die Ergebnisse dazu führen, dass AOK "aktiv+vital" in Hessen in die Fläche geht. Im Saarland gebe es mit der Knappschaft Bahn See ein ähnliches Pilotprojekt, bei dem man auf eine Ausdehnung auf weitere Bundesländer hoffe.

» Zur Sonderseite "Medica 2009"
» Zum E-Paper "Medica aktuell"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »