Ärzte Zeitung, 04.11.2010

Interview

"Wir werden das jetzt sauber abarbeiten"

Die Bestechungsvorwürfe im Zuge der Zusammenarbeit mit dem Immobilienvermittler Licon erschüttern die apoBank. Vorstandssprecher Herbert Pfennig erläutert, wie die Bank ihren guten Ruf wiederherstellen will.

"Wir werden das jetzt sauber abarbeiten"

"Kunden unserer Bank sind durch die Vorfälle nicht zu Schaden gekommen." (Herbert Pfennig, Vorstandssprecher der apoBank)

© apoBank

Ärzte Zeitung: Herr Pfennig, vor gut eineinhalb Jahren sind Sie zur apoBank gekommen. Wie fühlen Sie sich jetzt an der Spitze einer Bank, die immer wieder in negative Schlagzeilen gerät?

Herbert Pfennig: Ich stehe nach wie vor voll zur apoBank. Das hat drei Gründe. Erstens: Fast alle Menschen, die hier arbeiten, sind hochanständig, kompetent und setzen sich für eine professionelle Kundenbetreuung ein. Daran ändert sich auch nichts, wenn es bei Einzelnen zu Verfehlungen gekommen sein sollte.

Zweitens: Das Geschäftsmodell der apoBank ist einzigartig in Deutschland und erfolgreich. Und drittens: Wir sind in negative Schlagzeilen wegen falscher Investitionen in der Vergangenheit geraten. Das Thema haben wir konsequent aufgearbeitet. Wir werden auch mit aller notwendigen Konsequenz das aktuelle Thema angehen. Denn ich stehe für eine saubere apoBank.

Ärzte Zeitung: Die apoBank ist eigentlich eine Genossenschaftsbank mit langer Tradition. Wie tief ist der Gedanke einer Solidargemeinschaft der Genossenschaft nach den Vorfällen der vergangenen Monate eigentlich bei den Mitarbeitern Ihrer Bank verankert?

Herbert Pfennig

Aktuelle Position: Herbert Pfennig ist seit Juli 2009 Vorstandssprecher der Deutschen Apotheker- und Ärztebank.
Werdegang/Ausbildung: Geboren im August 1954, Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Dresdner Bank in Fürth. Dann mehr als 30 Jahre Tätigkeit bei der Bank, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung Region Südwest-Deutschland.
Karriere: ab 2004 im Vorstand der Frankfurter Sparkasse 1822, ab September 2007 stellvertretender Vorsitzender.
Privates: verheiratet, zwei Kinder.

Pfennig: Die genossenschaftliche Solidargemeinschaft hat für alle, die hier arbeiten eine große Bedeutung. Wir leben sie im täglichen Geschäft. Dass unser Image durch die aktuellen Vorfälle Kratzer abbekommen hat, das schmerzt uns. Aber um im Bild zu bleiben: Auch Kratzer sind nicht für alle Ewigkeit, sondern lassen sich wieder beheben. Wir werden mit allen verfügbaren Kräften daran arbeiten, schnellstmöglich unseren guten Ruf und das Vertrauen zu unseren Kunden wiederherzustellen.

Ärzte Zeitung: Wie reagieren Ihre Kunden, die Ärzte und Apotheker, auf die aktuelle Entwicklung?

Pfennig: Natürlich freuen sich die Kunden nicht über die aktuellen Schlagzeilen. Trotzdem spielt bei der Einordnung der Dinge eine Rolle, dass wir bislang keine Anhaltspunkte haben, dass Kunden unserer Bank zu Schaden gekommen sind. Und sollte sich daran noch etwas ändern, wovon ich derzeit nicht ausgehe, dann werden wir alles tun, um unsere Kunden frei von Schäden zu halten. Wenn die Kunden das Gefühl haben, dass man sich um ihre Interessen bemüht und dass man den Willen zeigt, Probleme ordentlich zu beseitigen, dann halten sie auch einer Bank in schwierigen Zeiten die Treue.

Ärzte Zeitung: Zeitweise müssen Sie sich ja im Vorstand recht einsam gefühlt haben. Von den alten Vorständen ist mittlerweile niemand übrig geblieben. Werden Sie sich - außer Herrn Span, der von der Oldenburgischen Landesbank kommen soll - Verstärkung im Vorstand von außen oder aus den Reihen der Bank holen?

Pfennig: Für jedes Unternehmen ist die richtige Mischung aus internen und externen Mitarbeitern gut - auch im Vorstand. Denn im besten Falle lassen sich mit den internen Mitarbeitern die Stärken ausbauen, und die Externen bringen neue Ideen und Perspektiven ein. So machen wir das auch aktuell mit den Neubesetzungen im Vorstand. Dr. Siekmann arbeitet seit vielen Jahren in der apoBank, während Herr Span von außen kommt. Und wie es dann weitergeht, das ist noch nicht entschieden. Denn letztlich hat natürlich die Qualität erste Priorität.

Ärzte Zeitung: Was sind die nächsten Schritte, um die Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen?

Pfennig: Wir haben jetzt fünf Hauptschritte vor uns, die wir sauber abarbeiten. Schritt eins ist lückenlose Aufklärung aller Vorgänge. Schritt zwei ist die Untersuchung von Compliance-Systemen und gelebter Compliance-Praxis. Daraus ergibt sich Schritt drei: eine umfassende Analyse. Mit Schritt vier werden wir einen Plan zu verschärften Präventions- und Kontrollmaßnahmen vorlegen. Danach schauen wir wieder - Schritt fünf - in eine positive Zukunft.

Ärzte Zeitung: Wie wollen Sie vermeiden, dass Sie erneut von einem Skandal überrascht werden?

Pfennig: Wir durchforsten mit Experten die gesamte Bank, um mögliche Lücken oder Defizite in der bankinternen Compliance-Praxis zu identifizieren und dann durch geeignete Maßnahmen nachhaltig zu schließen. Damit tun wir alles menschenmögliche für eine gute Prävention.

Die Fragen stellte Hauke Gerlof.

Top-Thema: Die Licon-Affäre bei der Apobank
Interview: "Wir werden das jetzt sauber abarbeiten"
Licon: Denkmalschutz-Immobilien als Steuersparmodell
Chronik: Ein schwieriges Jahr für die apoBank
Zwei neue Köpfe für den Vorstand der apoBank
Kunden-Hotline beantwortet Fragen zum Thema

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