Ärzte Zeitung, 14.07.2014

Kinderkrankheiten

App assistiert beim Wadenwickeln

Die Anwendung Medikid soll Eltern unterstützen, deren Kinder zum Beispiel an Fieber oder Bauch- und Kopfschmerzen leiden. Entwickelt hat die iPhone-App ein Pädiater.

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Von Wadenwickeln bis Kinderimpfungen: In einer App hat Dr. Jörg Nase Tipps für Eltern zusammengestellt.

© photophonie/Fotolia.com

BERGNEUSTADT. Das kleine Mädchen liegt erschöpft auf dem Sofa, es sieht fiebrig aus. Die Eltern greifen zum Smartphone und schauen nach: Wofür kann Fieber ein Zeichen sein, und was ist jetzt zu tun? Sie entscheiden sich für Wadenwickel und finden auch gleich die passende Anleitung dazu.

So zeigt es der kleine Werbefilm für die App Medikid - entwickelt vom Kinderarzt Dr. Jörg Nase aus Bergneustadt östlich von Köln.

"Die App soll und darf natürlich den Arztbesuch nicht ersetzen, aber man kann sich informieren und etwa auch nachbereiten, was der Mediziner erklärt hat", sagt Nase. Von Patienten und Kollegen hat er für die digitalen Informationen schon viel Lob erhalten.

Die Geschichte der App nahm vor vielen Jahren ihren Anfang: Damals begann der Arzt, Informationen zu immer wiederkehrenden Fragen und Themenkomplexen wie Fieber oder Bauch- und Kopfschmerzen auf Faltblätter zu drucken und im Wartezimmer der Gemeinschaftspraxis auszulegen.

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Kinderarzt Jörg Nase entwickelte die App Medikid. Fast eineinhalb Jahre dauerte es.

© Maxx Hoenow

Irgendwann wollte er die gesammelten Blätter binden lassen. Der Buchbinder wurde auf den Inhalt aufmerksam und riet dem Mediziner, es doch einmal bei einem Verlag zu versuchen. Am Ende stand dann ein Buch zur Kindergesundheit.

Immer mehr Eltern sitzen mit Smartphone im Wartezimmer

Mit der Zeit registrierte er, dass immer mehr Eltern mit ihren Smartphones im Wartezimmer saßen und nach Informationen über die Erkrankungen ihrer Kinder suchten. Daraus wuchs die Idee, statt nur gedruckter Informationen auch digitale zur Verfügung zu stellen.

Fast eineinhalb Jahre bastelte Nase an der App, erinnert er sich - es war quasi ein Familienprojekt: Seine Frau betreibt in Bergneustadt ein Zentrum für Frauen- und Familiengesundheit und konnte ebenfalls ihr Fachwissen beisteuern.

Die beiden erwachsenen Söhne arbeiten im Bereich Online und Werbung und konnten die notwendigen Kontakte im Bereich Programmierung und Layout der App herstellen.

Ein großer Vorteil war, dass die Texte praktisch schon vorhanden waren und nur noch überarbeitet und gekürzt werden mussten.

"Wir haben werbemäßig gar nicht viel gemacht, nur etwas über Facebook", erzählt Nase. Dennoch schaffte es Medikid schnell nach oben auf den Listen der Apps im Medizinbereich mit den meisten Downloads.

Genaue Zahlen will er nicht nennen. Für einmalig 2,69 Euro verkauft er die App, bislang nur in einer Version für Iphones. "Aber wir haben noch kein Geld damit verdient", betont er.

App schneller aktualisiert als Bücher

Im Gegensatz zum Buch lässt sich die App vergleichsweise schnell aktualisieren, etwa wenn ein neuer Impfplan herauskommt.

Nase hat auch schon Anregungen von Nutzern für Konkretisierungen oder zusätzliche Erklärungen bekommen, die er in seine Überarbeitung aufgenommen hat.

Besonders an seiner App sei zum einen ihre Unabhängigkeit von Interessen Dritter wie etwa Arzneimittelherstellern, zum anderen ihr Umfang. "Es gibt nichts Vergleichbares mit dieser Menge an Informationen", sagt der Mediziner.

Medikid bietet noch zusätzliche Möglichkeiten: Der Nutzer kann sich an die Termine für Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen seiner Kinder erinnern lassen und dokumentieren, welche Erkrankungen ein Kind hatte und was die Ergebnissen von Untersuchungen waren, um dies bei Bedarf wieder abzurufen.

Die Daten bleiben dabei auf dem privaten Gerät und werden nicht zentral gespeichert. (kab)

Weitere Informationen unter: www.medikid.de

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